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Panorama Mehr als 100 Liter pro Quadratmeter: Tief „Axel“ überschwemmt Deutschlands Straßen
Nachrichten Panorama Mehr als 100 Liter pro Quadratmeter: Tief „Axel“ überschwemmt Deutschlands Straßen
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19:54 21.05.2019
Überschwemmungen in Hessen: Die Losse, die normalerweise rechts fließt, ist in Kaufungen über die Ufer getreten. Quelle: Uwe Zucchi/dpa
Berlin

Heftiger Regen und schwere Gewitter haben vor allem im Süden und der Mitte Deutschlands Straßen und Keller überflutet. Im Allgäu löste Wangen – eine Stadt im südöstlichsten Zipfel von Baden-Württemberg – Hochwasseralarm aus. Mehr als 100 Liter seien dort innerhalb von 24 Stunden pro Quadratmeter gefallen, sagte ein Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Dienstag. Besonders betroffen von Tief „Axel“ und dem Unwetter waren auch der Nordschwarzwald sowie Nordhessen, etwa der Osten von Kassel.

Mancherorts stand das Wasser knietief auf den Straßen. In Plaue fuhr die Süd-Thüringen-Bahn auf überfluteten Schienen. Der DWD warnte vor allem in Alpennähe weiter vor extremen Niederschlägen – dort kommt auch die Schneeschmelze hinzu.

Mehr als 180 Liter Regen pro Quadratmeter am Alpenrand

Am Alpenrand fielen örtlich binnen zwei Tagen mehr als 180 Liter Regen pro Quadratmeter – etwa so viel wie normalerweise in einem Monat. „Die Mengen sind schon extrem“, sagte Paul Brüser vom Deutschen Wetterdienst. „Und es kommt noch ein bisschen was dazu.“

Für die Landkreise Kelheim, Landshut, Bad Tölz-Wolfratshausen, Oberallgäu, Kempten, Günzburg, Weilheim-Schongau, Rosenheim und Garmisch-Partenkirchen gaben die Wasserwirtschaftsämter am Dienstag Warnungen vor Überschwemmungen bebauter Gebiete heraus. „Die Behörden arbeiten eng zusammen, um drohende Hochwasserlagen rechtzeitig zu erkennen“, sagte Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Er verwies auf das Hochwasserschutz-Aktionsprogramm, im Zuge dessen in den vergangenen Jahren zahlreiche Deiche und Schutzmauern saniert sowie neu errichtet wurden. „Im Ernstfall zählt jeder Zentimeter.“

Decke stürzt nach heftigen Regenfällen in Kreißsaal ein

In einem Kreißsaal im niedersächsischen Helmstedt stürzte nach heftigen Regenfällen die Decke ein. Der Saal und die Intensivstation des Krankenhauses wurden geräumt. Nach Angaben der Feuerwehr waren sechs Menschen betroffen – drei Frauen aus der Entbindungsstation und drei Intensivpatienten. Sie wurden am Montagabend aus dem Klinikum in andere Krankenhäuser verlegt. Ursache für den Deckeneinsturz war nach ersten Erkenntnissen, dass sich auf dem Dach des Klinikums wegen eines verstopften Fallrohrs Regenwasser gestaut hatte.

Unwetterwarnung für Baden-Württemberg noch bis Mittwochmorgen

In Baden-Württemberg gilt eine Unwetterwarnung des DWD für den Großteil des Landes noch bis Mittwochmorgen (Stufe 3). Für den Südosten wurde sogar vor extremem Unwetter (Stufe 4) gewarnt.

Im Video: „Tief “Axel“ sorgt für zahlreiche Einsätze in Deutschland“

Tief „Axel“ sorgt für Zugausfälle

Die starken Regenfälle bereiten auch Bahnreisenden in Bayern Probleme. Auf drei regionalen Strecken, darunter Augsburg-Ulm, fielen Züge aus. Die Bahn wollte nach Angaben eines Sprechers Ersatzverkehr einrichten. Wie lange die Sperrungen anhielten, war zunächst nicht absehbar. Bei Dinkelscherben seien Gleise überflutet. Zudem drohe ein Hangrutsch. „Das hört sich aber schlimmer an, als es ist“, sagte der Sprecher. Zunächst gehe es um eine Vorsichtsmaßnahme. „Wir müssen gucken, wie feucht die Böschung ist.“ Der Fernverkehr mit ICE und IC wurde zunächst über Donauwörth umgeleitet.

Tief „Axel“ zieht über Deutschland und bringt ordentlich Regen mit: Bis zu 70 Liter Regen pro Quadratmeter sind die letzten 24 Stunden im Südwesten gefallen. Im Allgäu droht ein Fluss, über die Ufer zu treten, eine Bahnstrecke musste gesperrt werden.

Straßen-Sperrungen und Hang-Rutsch

Auch in Thüringen machte sich Tief „Axel“ bemerkbar: Nach heftigen Regenfällen sind in einigen Teilen des Freistaats Straßen und Keller überflutet worden. In der Krayenberggemeinde spülte der Regen am Dienstagmorgen Schlamm von einem Hang, wie die Rettungsleitstelle mitteilte. Das Ausmaß war zunächst unklar. Keller liefen im Wartburgkreis voll. An etlichen Flüssen bereiteten sich die Einsatzkräfte im Land auf ein mögliches Hochwasser vor. Eine Sprecherin des Wartburgkreises sagte am Morgen allerdings, dass die Lage überschaubar sei.

In Nordrhein-Westfalen war besonders der Kreis Lippe stark betroffen. Dort mussten wegen des Regens mehrere Straßen gesperrt werden. Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, lag insgesamt vor allem Ostwestfalen im Einflussgebiet des Unwetters. Auf der Autobahn 44 kam es in dieser Region in der Nacht gleich zu mehreren Unfällen. Wie ein Sprecher der Polizei Bielefeld mitteilte, gerieten auf der Autobahn mehrere Fahrzeuge wegen des Starkregens ins Schleudern - eine Person wurde leicht verletzt.

In Hessen war vor allem der Norden und Osten des Landes unter Wasser gesetzt. Besonders betroffen war nach Angaben der Polizei Kassel. Zwar gäbe es derzeit keine Unfälle, jedoch seien viele Keller im Stadtgebiet mit Wasser vollgelaufen, sagte ein Polizeisprecher. Teilweise stand das Wasser knietief auf den Straßen. Bäche traten über die Ufer. Auch in Fulda, dem benachbarten Künzell und Alsfeld im Vogelsberg mussten mehrere Straßen gesperrt werden. Der Deutsche Wetterdienst gab eine Unwetterwarnung für Osthessen, die Region um Kassel und Teile Südhessens heraus. Es sei mit ergiebigem Dauerregen zu rechnen.

Blitze setzen Reetdachhäuser in Brand

Weiter nördlich in Deutschland beschäftigten vor allem Blitzschläge die Einsatzkräfte. In Mecklenburg-Vorpommern steckten Blitze auf der Ostseeinsel Rügen und in der Gemeinde Gnevkow jeweils ein Reetdach in Brand. Beide Häuser waren nach dem Feuer unbewohnbar. In Berlin sorgte ein kurzes aber heftiges Gewitter am Montagnachmittag für einen Ausnahmezustand bei der Feuerwehr, die wetterbedingt rund 180 Mal ausrücken musste.

Am Flughafen Tegel wurde die Abfertigung kurz unterbrochen, auf dem Flughafen Schönefeld kam es wegen des Gewitters zu Verzögerungen.

Tief „Axel“: Das sind die Aussichten

Das Wetter beruhigt sich nach den heftigen Regenfällen in den kommenden Tagen. „Das Ärgste ist vorbei“, sagte ein DWD-Meteorologe in Offenbach. Zwar müsse noch weiter mit Niederschlägen gerechnet werden, doch Tief „Axel“ ziehe von Mittwoch an über Polen nach Osten ab. Am Mittwoch regnet es laut DWD nur noch in der Osthälfte Deutschlands. Im Westen zeigt sich bei Temperaturen von bis zu 23 Grad sogar schon wieder die Sonne. Am Donnerstag klingen die Schauer dann auch in der Lausitz und an den Alpen ab. Dennoch bleibt es mindestens bis zum Wochenende meist unbeständig.

Von RND/dpa