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Panorama Mutter klagt erfolgreich gegen Nutella-Produzenten
Nachrichten Panorama Mutter klagt erfolgreich gegen Nutella-Produzenten
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18:24 29.04.2012
Von Stefan Koch
Foto: Ferrero zahlt mehr als zwei Millionen Euro an amerikanische Verbraucher.
Ferrero zahlt mehr als zwei Millionen Euro an amerikanische Verbraucher Quelle: dpa
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Washington

Nach den Fast-Food-Ketten Taco Bell und McDonald's hat es nun den italienischen Konzern Ferrero getroffen: Die Kläger warfen dem Lebensmittelhersteller vor, dass „Nutella" den Süßigkeiten ähnlicher ist als einem Brotaufstrich. Eine Erkenntnis, die bei der Lektüre der Zutaten eigentlich selbstverständlich sein sollte.Athena Hohenberg aus San Diego, Mutter eines vierjährigen Mädchens, hatte der Firma Irreführung vorgeworfen: Ihr Kind sei ebenso wie andere Minderjährige übergewichtig, weil „Nutella" als gesundes Frühstück beschrieben werde. Tatsächlich sei aber der Fett- und Zuckergehalt mit Schokoladen vergleichbar. In der Klageschrift behauptet der klageführende Rechtsanwalt, dass die Mutter über die Zusammensetzung des Produkts schockiert gewesen sei, zumal es einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren gebe. Der Ferrero-Konzern wies diese Darstellungen zurück, gestand aber zu, in Zukunft einige Darstellungen auf den Verpackungen zu modifizieren. Außerdem sollen die Werbespots im Fernsehen und auf der firmeneigenen Webseite den Kunden nicht mehr suggerieren, dass es sich bei dem Brotaufstrich um ein ausdrücklich gesundes Frühstück handele.

Um es nicht auf einen langwierigen Prozess ankommen zu lassen, einigte sich die Firma mit den Klägern auf die Zahlung von umgerechnet mehr als zwei Millionen Euro. Die Auszahlung dieser Summe soll über einen höchst ungewöhnlichen Weg erfolgen: Wer in jüngster Zeit in den USA Nutella gekauft hat, kann bis zu 20 US-Dollar fordern - das entspricht etwa fünf Gläsern der Schokocreme. An der Zusammensetzung des Produkts - vor allem Zucker, Palmöl, Haselnüsse, Kakao und fettarme Milch - soll sich dagegen nichts ändern. Ab dem 5. Juli können die Amerikaner ihre Mini-Ansprüche geltend machen.

Zu dem außergerichtlichen Vergleich wollten am Wochenende weder Hohenberg noch ihre Anwälte Stellung nehmen. Ob die Familie Hohenberg in Zukunft ihrer Tochter nach dem Frühstück mehr Bewegung empfehlen will, ist ebenfalls nicht bekannt. Zweifel an dem gesamten Prozess meldete am Wochenende die amerikanische Publizistin Rebecca Stropoli an. In einem offenen Brief an Hohenberg schreibt sie: „Es sollte doch hinlänglich bekannt sein, dass Nutella nicht so nahrhaft ist wie Brokkoli." Ebenso wie andere Prozessbeobachter fühle sie sich an den kuriosen Prozess gegen McDonald's vor genau 20 Jahren erinnert: Damals verklagte Stella Liebeck die Fast-Food-Kette auf eine Millionenentschädigung, weil sie sich an einem McDonald's-Kaffee verbrüht hatte.