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Panorama Neue Technik bei Notfallübung am Frankfurter Flughafen im Einsatz
Nachrichten Panorama Neue Technik bei Notfallübung am Frankfurter Flughafen im Einsatz
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18:42 09.10.2010
Notfallübung am Frankfurter Flughafen.
Notfallübung am Frankfurter Flughafen. Quelle: dpa
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Mit Handcomputern und elektronischen Chips im Armband wollen Rettungskräfte in Deutschland zukünftig bei Unglücken mit Hunderten Verletzten besser den Überblick behalten. Am Frankfurter Flughafen ist am Samstag bei der bisher größten Katastrophenschutzübung der Bundesrepublik eine neue Technik erprobt worden, die die bislang genutzten anzuhängenden Karten ablösen soll. „Das hat sehr gut funktioniert“, sagte der Projektkoordinator Leo Latasch vom Deutschen Roten Kreuz in Frankfurt hinterher. Lediglich ein paar kleine Probleme etwa bei der Versorgung Leichtverletzter habe es gegeben. „Aber das ist normal bei einer Übung.“

Das Szenario: Zwei Passagierflugzeuge stoßen auf der neuen Nordwest-Landebahn am Boden zusammen. Mehr als 500 Verletzte liegen in den Trümmern oder irren verwirrt umher und rufen nach Hilfe. 30 Menschen können nur noch tot geborgen werden. Über 1000 Einsatzkräfte der Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei aus ganz Hessen eilen zur Unglücksstelle.

Ein Ziel der Übung war der schnelle und koordinierte Abtransport aller Patienten in Kliniken. Dabei halfen die Ergebnisse eines vom Bundesforschungsministerium mit 3,1 Millionen Euro geförderten Projekts: Per Handcomputer fotografierten die ersten Teams an den Wracks die Verwundeten und speicherten Verletzungsgrad, Geschlecht sowie eine grobe Alterseinschätzung - Erwachsener oder Kind. Diese Daten werden gleichzeitig auf in Armbändern integrierten Chips gespeichert und an ein zentrales Computersystem übermittelt, das von der Leitstelle und etwa auch den Hospitälern eingesehen werden kann.

„Das ist eine Riesenchance für die Zukunft“, war der Leiter der Frankfurter Feuerwehr, Reinhard Ries, überzeugt. Die Leitstelle könne verfolgen, wie viele Verletzte es gebe, in welche Kliniken sie transportiert würden und Angehörigen könnte problemlos weitergeholfen werden. „Es geht auch darum, Patienten wiederzufinden.“

Zudem sind die Armbänder in drei Kategorien unterteilt: Rot für lebensbedrohlich Verletzte, gelb für mittelschwer Verletzte und grün für Leicht- bis Unverletzte. In entsprechender Reihenfolge sollen sie in die Krankenhäuser gebracht werden. „Der erste Patient war früher oft nicht unter zwei Stunden abgefahren worden“, sagte Ries. Am Samstag dauerte es bis zum Eintreffen der ersten Helfer zwölf Minuten. Eine halbe Stunde später war das erste Opfer auf dem Weg in die Klinik.

Anfang 2012 sollen Latasch zufolge bis zu 35 Einsatzwagen in Frankfurt als erster Stadt mit einem Handcomputer ausgestattet und das neue System in Betrieb sein.

dpa