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Panorama „Neues Lotto erhöht Suchtgefahr“
Nachrichten Panorama „Neues Lotto erhöht Suchtgefahr“
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21:26 08.01.2012
Foto: Im März startet der EuroJackpot. Drogenbeauftragte warnen jedoch vor erhöhter Suchtgefahr.
Im März startet der EuroJackpot. Drogenbeauftragte warnen jedoch vor erhöhter Suchtgefahr. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Berlin

Die Hoffnung stirbt zuletzt – das gilt in Krisen aller Art genauso wie beim Lottospielen. Die Chance, mit sechs Richtigen und Superzahl einmal den Jackpot zu knacken, liegt bei 1:140 Millionen. Trotzdem investieren die Deutschen Jahr für Jahr rund vier Milliarden Euro in das klassische Lotto „6 aus 49“. Ende März wollen neun europäische Länder, darunter Deutschland, gemeinsam eine neue Lotto-Zündstufe in Gang setzen: Dann startet der länderübergreifende EuroJackpot. Pro Ausspielung sind in der ersten Gewinnklasse dann mindestens zehn Millionen Euro zu gewinnen. Der Jackpot kann auf bis zu 90 Millionen Euro anwachsen – mehr als doppelt so viel wie beim bisherigen Rekordjackpot in der deutschen Lottogeschichte (38,4 Millionen,im Jahr 2007). Kurz vor dem Start warnen Glücksspielexperten jedoch vor erhöhter Suchtgefahr: Je größer der finanzielle Anreiz, desto größer die Gefahr, im Lottorausch den Blick für die eigenen Grenzen zu verlieren.

„Hohe Gewinnchancen wie beim neuen EuroJackpot bieten einen besonderen Spielanreiz für suchtgefährdete Menschen“, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), der „Welt am Sonntag“. Die Chancen in der kleinsten Gewinnklasse beim EuroJackpot sind mit 1:60 Millionen mehr als doppelt so hoch wie beim klassischen 6-aus-49-Lotto. Der beim hessischen Innenministerium angesiedelte „Fachbeirat Glücksspielsucht“ hatte die Einführung des neuen Eurojackpots abgelehnt – der gerade geänderte Glücksspielvertrag erlaubt es jedoch, die Lotterie trotz dieses Einspruchs zu starten.

Am neuen EuroJackpot beteiligen sich alle 16 deutschen Bundesländer sowie Italien, Estland, Island, die Niederlande und die vier skandinavischen Länder Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland. Die Zahlen werden jeweils einmal pro Woche freitags in Helsinki gezogen. Die erste Ziehung ist für den 23. März geplant, Verkaufsstart ist am 17. März. Die Bearbeitung der Scheine und die Quotenermittlung für alle Teilnehmerländer übernimmt WestLotto in Münster. In Kürze soll eine entsprechende Werbekampagne für den EuroJackpot starten. Eine Live-Ziehung im deutschen Fernsehen ist zunächst nicht geplant.

Suchtexperte Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck warnt: „Die neue Lotterie ist gefährlicher als das alte Lotto.“ Suchtexperte Peter Lang von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung befürchtet, dass die Lotterie neue Zielgruppen in die Lottospielerei lockt: „Je höher der Jackpot ist, desto mehr Spieler werden am EuroJackpot teilnehmen.“

Genau das ist die Absicht des neuen,  multilateralen Lottospiels: Lottospieler sind in der Mehrheit älter als 50 Jahre. Der neue Eurojackpot soll vor allem jüngere Kunden anlocken, die nicht nach alter Väter Sitte gewohnheitsmäßig seit Jahrzehnten einen Lottoschein ausfüllen, sondern sich von der spektakulären Spielsumme gelegentlich dazu verleiten lassen, ihr Glück für zwei Euro Mindeseinsatz zu versuchen. Pro Spielfeld sind dabei fünf von 50 Zahlen anzukreuzen, in einem zusätzlichen Feld werden außerdem zwei aus acht Zahlen ausgewählt. Für den EuroJackpot müssen alle sieben Zahlen stimmen. Insgesamt gibt es zwölf Gewinnklassen – vier mehr als beim bisherigen deutschen 6-aus-49-Lottomodell. Gerade die erhöhte Chance auf Kleingewinne werde Glücksritter bei der Stange halten, befürchten viele Fachleute. Die Erlöse des neuen EuroJackpots werden für gemeinnützige Zwecke eingesetzt, die Hälfte wird als Gewinn ausgezahlt. Die Veranstalter rechnen mit 50 Millionen Spielaufträgen jede Woche.

Das klassische Lotto hat im vergangenen Jahr 58 deutsche Lottospieler zu  Millionären gemacht. Die Spieleinsätze stiegen 2011 gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent auf rund 6,66 Milliarden Euro. Damit hat sich auch die für das Gemeinwohl bereitgestellte Summe aus den Gewinnspielerlösen von 2,5 auf rund 2,58 Milliarden Euro leicht erhöht. Insgesamt wurden mehr als 3,22 Milliarden Euro an die Gewinner ausgeschüttet, davon allein rund 1,978 Milliarden beim 6-aus-49-Lotto.

Herbert König