Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Panorama Öko? Logisch! Nachhaltige Mode aus Paris
Nachrichten Panorama Öko? Logisch! Nachhaltige Mode aus Paris
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 02.02.2019
Vom Aktivismus zur Mode: Valentine Gauthier hat sich schon immer für die Umwelt engagiert – und ist eine der Vorreiterinnen der mode écologique. Quelle: Mariko Omure/Arnaud Tavares
Paris

Valentine Gauthier ist eine dieser typischen Französinnen, die man für ihren Stil bewundert. Feminin, natürlich, nonchalant. Genauso sieht auch ihre Mode aus. Arbeiterhemden dekliniert die Designerin in fließenden, floralen Stoffen. Zu klassischen Bleistiftröcken kombiniert sie kastenförmige Oversize-Blazer.

Mit diesem Design à la Parisienne reiht sich die 38-Jährige in die Riege Frankreichs erfolgreicher Labels, die von Frauen geführt werden. So wie Isabel Marant, Vanessa Bruno, Sonia Rykiel, Sandro, Maje oder Ba&sh. Eines aber hat Gauthier ihren Konkurrentinnen voraus: Sie ist eine der Vorreiterinnen in Sachen mode écologique.

Ihr Label gründete sie 2007 mit dem Ziel, Stil und Nachhaltigkeit zu verbinden. Denn bevor Gauthier zur Mode kam, studierte sie Umwelttechnik in ihrer Heimat Marseille. Zusammen mit der Surfrider Foundation beteiligte sie sich an Strandreinigungsaktionen und stand 2006 am Hafen, um die „Rainbow Warrior“ von Greenpeace zu begrüßen. Eine echte Aktivistin.

Stil trifft auf Nachhaltigkeit: Ensemble von Valentine Gauthier. Quelle: Valentine Gauthier

Auch wenn Gauthier später auf die wenig umweltfreundliche Bekleidungsindustrie umsattelte, versucht sie doch stets, bei der Kreation die Nachhaltigkeit im Blick zu haben. Ihre Kollektionen lässt sie in Europa herstellen und legt dabei Wert auf Savoir-faire.

Die Schuhe ihrer Marke werden zum Beispiel im Atelier ihres Lebensgefährten Arnaud hergestellt, Schuhmacher in vierter Generation. Außerdem verwendet sie fast ausschließlich natürliche Materialien: Baby-Alpaka-Wolle aus Bolivien, Pima-Baumwolle ohne Pestizide, natürlich gegerbtes Leder und kein Polyester.

„Ich gehöre zu einer Generation, die sich für die Umwelt engagiert“, erklärt die zweifache Mutter bescheiden, dabei ist ein solches Bewusstsein gerade in Frankreich noch immer keine Selbstverständlichkeit. Lange Zeit waren die Franzosen hinten dran, was Mülltrennung oder biologische Ernährung angeht. Nun aber holen sie auf. Frankreich war eines der ersten Länder, in denen Plastikbeutel für Obst und Gemüse verboten wurden, und ab 2020 soll auch nicht recycelbares Geschirr und Besteck vom Markt verbannt werden.

Neue Einsichten – auch in der Mode

Diese neuen Einsichten machen sich auch in der Mode bemerkbar. Valentine Gauthier ist nicht die Einzige, die sich Gedanken um Materialien und Produktionsbedingungen macht. Die viel gelobte Newcomerin Marine Serre sorgt seit zwei Saisons mit ihren außergewöhnlichen Kreationen für Furore, einer Mischung aus Funktionskleidung und Couture. 50 Prozent ihrer aktuellen Kollektion bestehen aus up-gecycelten Materialien, von alten Vliesdecken bis hin zu simplen weißen T-Shirts.

Bei ihrer Debütshow im Februar 2018 zeigte die 27-Jährige außerdem eine Reihe wunderschöner Kleider, die sie aus alten Seiden-Carré-Tüchern zusammengenäht hatte. Das sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch gut für die Umwelt. „Warum in China oder Italien Stoffe kaufen und Drucke entwerfen, die im nächsten Jahr wieder geändert werden müssen, obwohl es so viele Stoffe gibt, die man wiederverwerten kann?“, fragt sie zu Recht.

Marine Serre kreiert aus alten Seidenntüchern spektakuläre Roben, wie hier auf der Fashion Week Paris. Quelle: dpa/Photoshot

Die Accessoires-Designerin Amélie Pichard weiß jedoch aus eigener Erfahrung, dass ethisch korrekte Mode gar nicht so einfach umzusetzen ist. Vor allem wenn es um Schuhe geht, ihrem Hauptgeschäft. 2016 brachte sie zusammen mit der Ex-„Baywatch“-Nixe Pamela Anderson eine 100 Prozent vegane Kollektion heraus, die vor allem aus Bast, Weiden, Jute und Holz bestand.

Ein Versuch, mit dem sie unter Beweis stellte, dass vegan durchaus sexy sein kann. Der ihr aber auch die Grenzen einer vollkommen tierfreien und umweltfreundlichen Produktion aufzeigte. „Vegane Schuhe zu machen ist sehr, sehr kompliziert,“ erzählt Pichard in einem Interview mit dem „Galore“-Magazin. „Es gibt nicht genügend gute und atmungsaktive Materialien.“

Und vegan heißt natürlich auch nicht unbedingt nachhaltig, denn oft muss man bei tierfreien Alternativen auf Plastikmaterialien zurückgreifen. Deswegen bietet Pichard auch weiterhin die Hälfte ihrer Schuhe aus Leder an. Sie möchte ihren Kundinnen die Wahl lassen.

Elegantes für das nächste Frühjahr: Schuhe aus Raffiabast von Amélie Pichard Quelle: Amélie Pichard

Dass die Pariser Modeindustrie im Wandel ist, zeigte im Oktober auch der überraschende Kurswechsel eines großen, französischen Luxuslabels. Die neue Courrèges-Designerin, die Deutsche Yolanda Zobel, verkündete, von nun ab kein Plastik mehr benutzen zu wollen.

Ein mutiger Schritt für ein Label, das in den 60er-Jahren vor allem für Mode aus Vinyl bekannt wurde. Sobald die letzten 6000 Meter Restbestand aufgebraucht sind, soll Schluss sein mit Kunststoffkleidung. Bleibt zu hoffen, dass sich andere große Marken diesem Trend bald anschließen.

Von Estelle Marandon

Der Umzug des Bratwurstmuseums auf ein Gelände eines ehemaligen KZ-Außenlagers schien beschlossene Sache: Nach heftiger Kritik an den Plänen sollen alternative Standorte geprüft werden.

01.02.2019

Die Prügel-Attacke auf den Schauspieler Jussie Smollett hat in den USA für Entsetzen gesorgt. Jetzt meldete sich der „Empire“-Star erstmals selbst zu Wort.

01.02.2019

Schmuddeliges Winterwetter sorgt am Samstag für erhöhte Glättegefahr in Deutschland – und in manchen Regionen droht auch wieder kräftiger Schneefall.

01.02.2019