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Panorama Plünderungen und Ausschreitungen in Erdbebengebieten
Nachrichten Panorama Plünderungen und Ausschreitungen in Erdbebengebieten
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20:00 02.03.2010
Chilenische Soldaten bewachen Plünderer. Quelle: dpa
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Drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Chile ist die Lage in den betroffenen Gebieten weiter angespannt. In Vororten der Stadt Concepción, die von dem Beben mit mehr als 700 Toten besonders betroffen ist, lieferten sich Plünderer Schießereien mit bewaffneten Bürgerwehren und dem Militär. Erst am Abend war die Situation nach Angaben der Vereinten Nationen unter Kontrolle. Zuvor hatten Fernsehkommentatoren von einem „sozialen Erdbeben“ berichtet. Unterdessen traf US-Außenministerin Hillary Clinton zu einem Kurzbesuch in der Hauptstadt Santiago ein.

Die chilenische Regierung hatte in der Region von Concepción die nächtliche Ausgangssperre bis zum Mittag verlängert und 7000 zusätzliche Soldaten entsandt. Damit waren insgesamt 17.000 Militärs im Katastrophengebiet im Einsatz. „Eines muss klar sein: Damit Hilfe geleistet werden kann, müssen Ruhe und Ordnung herrschen“, betonte Verteidigungsminister Francisco Vidal nach Rundfunkberichten vom Dienstag. Die Wiederherstellung der Ordnung sei in dem Gebiet derzeit das größte Problem, die Lage sei explosiv. Die Hilfe für die rund zwei Millionen Hilfsbedürftigen lief langsam an. Helikopter brachten erstmals in größerem Umfang Lebensmittel und Medikamente auch in entlegene Küstenorte, die von einer vom Beben ausgelösten Flutwelle zum Teil fast völlig zerstört worden waren. Auch konnte die Strom- und Wasserversorgung in einigen Bereichen wiederhergestellt werden.

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Viele Menschen sehen sich zu Einbrüchen und Plünderungen von Lebensmittelgeschäften gezwungen, da es vielerorts kein Wasser und auch kaum Essen gibt: die zwar beschädigte aber gut gefüllten Geschäfte blieben wegen Strommangels geschlossen. Wegen der soliden Bauweise in Chile überstanden die meisten Gebäude das Beben. Während die große Mehrzahl der Menschen bei Plünderungen von Geschäften nur Grundnahrungsmittel mitnahmen, nutzten Kriminelle das Durcheinander für große Raubzüge.

Organisierte Banden von Plünderern verbreiteten Angst und Schrecken. „Wir richten uns doch selbst zugrunde“, sagte Fabiola, eine Einwohnerin von Concepción. Eine weitere Bewohnerin schimpfte, die Diebe hüpften von einem Dach zum nächsten und raubten aus leer stehenden Häusern, was nicht niet- und nagelfest sei. „Ich habe nichts mehr“, sagte Patricia, eine weitere Bewohnerin. Aus ihrer Sicht klauen die Leute nicht aus Notwendigkeit: „Das ist Vandalismus.“ Viele Bürger bildeten Selbstverteidigungsgruppen. Gruppen von Männern mit Gewehren, Pistolen, Äxten und Knüppeln bewachten ganze Straßenzüge und fingen auf eigene Faust auch Plünderer ein. „Uns hilft hier keiner“, sagte ein Mann in dem Ort Lota mit einer Axt in der Hand.

Doch gab es auch Zeichen der Hoffnung: In der Küstenstadt Coronel, etwas südlich von Concepción, beruhigte sich die Lage. Die Menschen spazierten in Gruppen über die Straßen, viele gingen zur Arbeit. Die ersten Busse fuhren wieder durch die Stadt, und vor den Zapfsäulen bildeten sich lange Autoschlangen.

Die Zahl der registrierten Todesopfer des Bebens wurde mit 723 angegeben. Allerdings wurden in den von einem Tsunami verwüsteten Küstenregionen noch Hunderte von Bewohnern vermisst. Die genaue Zahl der Obdachlosen war unbekannt. Die Zahl der zerstörten oder beschädigten Wohnungen wurde mit etwa zwei Millionen angegeben.

Eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation World Vision, Paula Saez, berichtete unterdessen von schweren Zerstörungen in den Regionen Bíobío und Maule. „Einige Städte wie zum Beispiel Chillan, Curico und Lota sind von der Außenwelt abgeschnitten und zum Teil komplett zerstört. Die Menschen brauchen dringend Nahrungsmittel und Trinkwasser. Manche Dörfer, wie beispielsweise Puerto Saavedra, erscheinen völlig menschenleer. Die Bewohner haben sich aus Angst vor weiteren Flutwellen in die umliegenden Wälder und auf höher gelegene Hügel zurückgezogen“, teilte die Organisation mit.

Hillary Clintons Maschine landete auf dem immer noch geschlossenen internationalen Flughafen der Hauptstadt Santiago. Sie traf sie sich mit Präsidentin Michelle Bachelet und verschaffte sich einen Eindruck vom Ausmaß der Katastrophe. Clinton brachte unter anderem Satellitentelefone mit, um die Kommunikation in den Gebieten zu verbessern.

Mauricio Weibel / dpa

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