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Panorama Poker-Überfall - Hoffnung auf schnelle Aufklärung
Nachrichten Panorama Poker-Überfall - Hoffnung auf schnelle Aufklärung
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14:51 08.03.2010
Polizisten sichern im Hotel Hyatt in Berlin den abgesperrten Zugangsbereich des Pokerturniers.
Polizisten sichern im Hotel Hyatt in Berlin den abgesperrten Zugangsbereich des Pokerturniers. Quelle: dpa/06.03.2010
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Zwei Tage nach dem spektakulären Überfall auf das größte deutsche Pokerturnier hat sich die Berliner Polizei zuversichtlich geäußert, die Täter bald fassen zu können. „Die Chancen stehen nicht schlecht“, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch am Montag im Innenausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus. Details zum Stand der Ermittlungen wollte er nicht nennen. Ein Polizeisprecher sagte, angesichts der zahlreichen Filmaufnahmen, Zeugen und Spuren am Tatort rechne man mit einer recht zügigen Aufklärung des Verbrechens.

Laut Glietsch erbeutete das Räuberquartett im Hotel „Grand Hyatt“ am Potsdamer Platz knapp 242 000 Euro aus der Poker-Kasse. Diese Summe hätten die Veranstalter des Turniers den Behörden genannt. Im Tresor im Foyer vor dem Poker-Saal hätten demnach insgesamt 691 000 Euro an eingezahlten Startgeldern gelegen. Die Täter wären vielleicht mit noch mehr Geld entkommen, wenn nicht ein Praktikant des Hotels einem Räuber eine mit Banknoten gefüllte Tasche entrissen hätte.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft im Beamtenbund (DPolG) sprach von amateurhaftem Vorgehen der Täter „in einer neuen Dimension“. Wer vor laufender Kamera einen solchen Überfall begehe, sei eher ein Dilettant, sagte der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt im Fernsehsender n-tv. Er rechne damit, dass die Täter schnell gefasst werden.

Laut Glietsch stürmten die vier maskierten und mit Schusswaffen und einer Machete bewaffneten Männer am Samstagnachmittag durch einen geöffneten Notausgang in den großen Saal. Die Räuber hätten sich das Geld aus dem Tresor in Jackentaschen und eine dort gefundene Notebooktasche gestopft, berichtete Glietsch. Es gab aber auch Widerstand: Nicht nur dass der Hotel-Praktikant den Räubern die Beute schlälerte - auch ein Wachmann griff beherzt zu und nahm einen Täter in den Schwitzkasten. Er musste ihn aber wieder laufenlassen, als er von einem Komplizen mit einer Machete angegriffen wurde.

Die Räuber flohen und tauchten zwischen den vielen Menschen in der Einkaufspassage am Potsdamer Platz unter. Ernsthaft verletzt wurde niemand, Schüsse fielen nicht. Das Turnier wurde wenig später fortgesetzt und ging am Sonntag planmäßig zu Ende. Ob der wagemutige Praktikant eine Belohnung erhält, blieb am Montag offen. Eine Hotel- Sprecherin sagte, aus Sicherheitsgründen wolle man sich nicht zu ihm äußern.

Hinweise auf den Fluchtweg

Auf Bildern aus Überwachungskameras ist zu sehen, dass einer der Räuber keine Handschuhe trug. Von einem anderen soll nach Medienberichten das Gesicht zu sehen sein. Auch Filme von Videokameras umliegender Gebäude am Potsdamer Platz sollen gesichtet werden. Daraus könnten sich Hinweise auf den Fluchtweg ergeben. Die Befragung von Zeugen laufe noch. Bislang gebe es keine Hinweise auf eine spezielle Tätergruppe wie die sogenannte Balkan-Mafia.

Ob DNA-Spuren etwa von der zurückgelassenen Tasche zu den Räubern führen, sei noch nicht klar, hieß es bei der Polizei. Erst müsse geklärt werden, ob die DNA-Spuren wirklich von den Tätern stammten und in einer Kartei erfasst seien. Es sei allerdings nicht unwahrscheinlich, dass die Räuber der Polizei schon früher aufgefallen seien.

DPolG-Chef Wendt kritisierte den Turnierveranstalter European Poker Tour (EPT). Wer mit solchen Geldsummen in bar hantiere und sie offen herumliegen lasse, müsse dafür sorgen, dass genügend Sicherheitspersonal aufpasse. Erste Konsequenzen zogen die Veranstalter bereits am Sonntag. Das Startgeld musste in der gegenüberliegenden Spielbank gezahlt werden. Dort stehen mehrere verglaste Kassenhäuschen.

Der Polizeipräsident wies Kritik zurück, wonach alarmschlagende Anrufer vom Turnier mit ihrem Notruf zu lange in der Warteschleife der Polizei ausharren mussten. Genaue Zahlen habe er noch nicht, aber es habe zur fraglichen Zeit zahlreiche Notrufe gegeben, so dass nicht alle gleichzeitig beantwortet werden konnten.

Bei dem Pokerturnier um den Hauptgewinn von einer Million Euro waren vergangene Woche auch Prominente wie Ex-Tennisprofi Boris Becker und Fernsehmoderatorin Charlotte Roche am Start. Sie schieden ebenso aus wie Titelverteidigerin Sandra Naujoks aus Berlin - in der Pokerszene als „Black Mamba“ bekannt. Aber es gab noch andere Runden: Am Sonnabend stand unter anderem der „High Roller“-Wettbewerb auf dem Programm, bei dem jeder Teilnehmer ein außergewöhnlich hohes Startgeld von 10.000 Euro zahlen musste. Deshalb dürfte so viel Geld in der Kasse gewesen sein.

dpa