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Panorama Polizei befürchtet Rockerkrieg im Ruhrgebiet
Nachrichten Panorama Polizei befürchtet Rockerkrieg im Ruhrgebiet
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23:00 13.11.2009
Rocker der "Hells Angels" Quelle: ddp
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Am Wochenende droht eine erneute Zuspitzung; die „Bandidos“ wollen das zehnjährige Bestehen ihrer Deutschlandabteilung mit 800 Rockern in Schwerte feiern.
Die Polizei wird mit einem Großaufgebot das Treffen begleiten. „Wir stellen uns so auf, dass da nichts anbrennt“, sagte der Polizeiführer des Gesamteinsatzes, der Leitende Polizeidirektor Hans Volkmann aus Münster, dieser Zeitung. Auch bei dem Treffen in Schwerte wolle die Polizei den Rockern deutlich machen, dass sich die Staatsgewalt von ihnen „nicht auf der Nase herumtanzen lasse“, sagte Volkmann.

Die Eskalation der Gewalt zwischen den Rockerbanden hatte Anfang Oktober begonnen. Ein 32-jähriges Mitglied der „Bandidos“ war vor dem Duisburger Hauptsitz der Rocker auf offener Straße erschossen worden. Der Täter soll aus dem Dunstkreis der „Hells Angels“ stammen. Motiv für den Mord soll angeblich Streit um eine Frau sein.

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Auch wenn der Polizeieinsatzleiter das Wort nicht gerne hören möchte, seitdem herrscht Krieg, so bezeichnen es die Rocker selbst. „Expect no mercy“ – „Erwartet keine Gnade“. Diese Zeile steht neben dem Foto des getöteten Rockers auf der Internetseite der „Bandidos“.

Zur Beerdigung des Rockers eine Woche nach der Ermordung waren Mitte Oktober 1500 „Bandidos“ aus ganz Europa angereist. Nicht nur aus Trauer, sondern auch, um der Gegenseite die Macht der eigenen Bande vorzuführen, wie man im Düsseldorfer Landeskriminalamt vermutet. Beide Seiten haben sich auf eine Auseinandersetzung vorbereitet: Seit Beginn des gewaltsamen Streits hebt die Polizei alle paar Tage ein neues Waffenlager aus. Gefunden werden neben Schlagringen und Messern auch Revolver, Pistolen und die entsprechende Munition.

Die Trauerphase dauerte nicht lange. Zwei Wochen nach der Beerdigung griffen „Bandidos“ in Duisburg ein von den „Hells Angels“ kontrolliertes Bordell an. 40 Rocker versuchten das Gebäude zu stürmen, die Höllenengel konnten den Angriff abwehren. Der Gegenschlag kam noch in der gleichen Nacht: Die „Hells Angels“ überfielen das örtliche Hauptquartier der „Bandidos“. Der Angriff sieht aus, als sei er länger vorbereitet gewesen. Polizisten berichteten später, die „Hells Angels“ hätten sogar Straßensperren errichtet und nur „eigene“ Motorräder und Autos durchgelassen. Die vom Leitenden Polizeidirektor Volkmann versprochene Härte gilt nicht in Duisburg. Vor den Augen von 30 Streifenbeamten gehen 60 „Hells Angels“ und 60 „Bandidos“ aufeinander los, bewaffnet mit Baseballschlägern, Dachlatten, „Totschlägern“, Tränengaskartuschen, Gummiknüppeln und Molotowcocktails. Kurze Zeit später wurde die „Bandidos“-Zentrale gestürmt, das Mobiliar und die Fensterscheiben wurden zerstört. Die Polizei hatte nichts unternommen, die Auseinandersetzung lediglich abgesichert.

Unbehelligt zogen die Rocker in der Nacht weiter. Gegen 2 Uhr flog eine Handgranate in das Klubhaus der „Hells Angels“, sie explodierte glücklicherweise nicht. In dem Gebäude hatten sich rund 20 Rocker aufgehalten. Der nur achtzeilige Pressebericht der Polizei am nächsten Tag vermeldet: „Hinweise auf Verletzte gibt es nicht.“

Die Ermittler im Düsseldorfer Landeskriminalamt vermuten, dass hinter den Gewalttaten Verteilkämpfe im Rotlichtmilieu stehen. Währenddessen wächst aus der Politik der Druck auf die Polizei, dem gewaltsamen Treiben ein schnelles Ende zu bereiten. Denn im Mai sind in Nordrhein-Westfalen Landtagswahlen. Und eine machtlose Polizei, die die Rockerbanden nicht in den Griff bekommt, könnte die CDU/FDP-Regierung in Bedrängnis bringen.

Unterdessen summieren sich für die Steuerzahler die Kosten. Nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft kostet der Polizeischutz von rund 80 Rockervereinsheimen seit dem Mord in Duisburg mehr als eine Million Euro.

Von Matthias Klein

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