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Panorama Polizei macht Front gegen Drogengangs
Nachrichten Panorama Polizei macht Front gegen Drogengangs
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09:00 21.12.2011
Die Polizei in Rio versucht den Drogenhandel mit aller Härte in den Favelas einzugrenzen. Quelle: dpa
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Rio de Janeiro

Die Bilder waren martialisch und gingen um die Welt. Tausende schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten rückten mit Panzern und schwerem Gerät in die Labyrinthe der Favelas ein, der Armenviertel von Rio de Janeiro. Im vorigen Jahr war der Complexo do Alemão im Norden der Sechs-Millionen-Stadt dran, vor ein paar Wochen dann Rocinha im Süden. Die Drogengangs sollen vertrieben und die gesetzlose Parallelwelt unter staatliche Kontrolle gebracht werden.

Das Zauberwort heißt UPPs (Friedenschaffende Polizeieinheiten), die in den Favelas fest installiert werden. „Klar, die UPPs (Unidades de Polícia Pacificadora) können den Drogenhandel nicht komplett beenden. Das ist auch gar nicht ihr primäres Ziel", sagt ein Beamter des Sicherheitssekretariats des Bundesstaates Rio de Janeiro der dpa. „Aber wir nehmen den kriminellen Organisationen ihr Territorium weg. Die Rückkehr des Rechtsstaates in diese Gemeinschaften beendet die Diktatur des Gewehres und deren Terror gegen die Bewohner." Die berüchtigsten Drogengangs in Rio sind das Comando Vermelho (Rotes Kommando) und die Amigos dos Amigos (Freunde der Freunde).

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Bis vor einem Jahr hatte das Kommando den Complexo do Alemão im Griff und in Rocinha hatten die Amigos das Sagen. Deren „Soldaten" patrouillierten mit locker über der Schulter baumelnden Maschinenpistolen die Favelas auf Motorrädern. Ein Alltagsbild bis vor kurzem. Crack, Marihuana, Kokain und Ecstasy stehen auf der Verkaufsliste der Dealer, und die Drogenbosse - wie der kürzlich in einem Auto-Kofferraum festgenommene "Nem" aus Rocinha - verdienen gut, leben in Saus und Braus mit Dachterrasse und Pool und das mitten in der Favela.

Das Problem des Anti-Drogenkampfes in Rio war stets ein offenes Geheimnis und ein wichtiger Grund, warum die Gangs ihr Geschäft oft unbehelligt betreiben konnten: Einige Polizisten verdienten mit und ließen die Gangster dafür schalten und walten. Von Korruption bis in die höchste Ebene und der Arbeit der Spezialtruppe BOPE erzählen auch die beiden Teile des international bekannten Films „Tropa de Elite" von Regisseur José Padilha. Für Brasilianer ist der Film sehr nah an der Realität dran. Die Polizei steht bei den Cariocas, wie Rios Einwohner heißen, nicht im besten Ruf.

Doch hat es Rios Sicherheitssekretär José Mariano Beltrame geschafft, Vertrauen zurückzugewinnen. Er gilt als einer der Väter der UPPs. Die 19. UPP-Wache soll in Rocinha installiert werden; 21 weitere sollen bis 2014 folgen. "In Rocinha haben wir den Drogenbanden einen Schlag versetzt, indem wir ihnen das Territorium, ihren sicheren Hafen, weggenommen haben", sagte der 54-jährige Beltrame nach der Aktion im November. "Jetzt müssen wir bleiben und zeigen, dass die Polizei nicht weggehen wird. Nur so können wir Schritt für Schritt bei der Bevölkerung Glaubwürdigkeit gewinnen."

Es geht für Rio um viel, denn die „Cidade Maravilhosa" (Wunderbare Stadt) rückt immer mehr ins internationale Rampenlicht. 2012 ist die Stadt Gastgeber der UN-Umweltkonferenz „Rio+20", 2013 pilgern die katholische Weltjugend und auch Papst Benedikt XVI. an den Zuckerhut. Zudem wird 2013 der Confederations Cup in Brasilien angepfiffen, und auch in Rios Maracanã-Stadion wird gespielt. 2014 steigt die Fußball-WM mit Rio als Endspiel-Ort, und 2016 kommen die Olympischen Spiele an den Zuckerhut. Solche Veranstaltungen von Weltformat vertragen sich nicht mit Bildern von um sich schießenden Drogengangs, die die Favelas in Tabu-Zonen auch für die Polizei verwandeln.

dpa

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