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Panorama Polizei vermutet nach Anschlag auf Gericht „linke“ Täter
Nachrichten Panorama Polizei vermutet nach Anschlag auf Gericht „linke“ Täter
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12:28 04.12.2011
Auf das Göttinger Amtsgericht wurde am Sonnabend ein Brandanschlag verübt. Quelle: dpa
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Göttingen

Unbekannte hatten in der Nacht zu Sonnabend Gasflaschen vor dem Gerichtsgebäude angezündet. Nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums wurden dabei im Eingangsbereich von Land- und Amtsgericht mehrere meterhohe Fensterscheiben aus Sicherheitsglas zum Teil erheblich demoliert. Der Sachschaden gehe in die Zehntausende.

Zeugen hatten gegen Mitternacht einen explosionsartigen Knall gehört und kurz darauf meterhohe Flammen aufsteigen sehen. Die Gasflaschen seien aber nicht explodiert, sagte Polizeisprecherin Jasmin Kaatz. „Dann wäre der Schaden noch viel größer gewesen“. Die Scheiben seien wohl wegen der enormen Hitze gesprungen. Die Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen. Menschen kamen nicht zu Schaden.

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Wegen der auf das Gerichtsgebäude geschmierten Parole „Nazis morden - der Staat schiebt ab“ vermutet die Polizei die Täter im linken politischen Spektrum. Unter demselben Motto stand am Sonnabendnachmittag eine Demonstration der linken Szene in der Göttinger Innenstadt, an der rund 300 Menschen teilnahmen. Möglicherweise als „eine Art Signatur“ hinterließen die Täter die Buchstabenkombination „RAZ“ auf einer Betonsäule am Gerichtsgebäude. Die Bedeutung ist der Polizei noch unklar.

Als Brandsatz haben die Täter nach Angaben des Justizministeriums mehrere zu einem Bündel zusammengeschnürte Butangasflaschen genutzt, die dann angezündet wurden. Vergleichbare Anschläge auf Justizgebäude in Niedersachsen habe es bislang nicht gegeben, sagte Sprecher Georg Weßling.

Ob ebenfalls in der Nacht zu Sonnabend im Göttinger Stadtteil Weende geschmierte Parolen und Hakenkreuze in irgendeinem Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Gerichtsgebäude stehen, sei unklar, sagte Polizeisprecherin Kaatz.

Aus Sicht der Polizei ist Göttingen seit Jahrzehnten eine Hochburg linker Autonomer. „Göttingen ist im Vergleich zu anderen niedersächsischen Städten nach wie vor ein Brennpunkt links-motivierter politischer Gewalt“, hatte ein Sprecher von Polizeipräsident Robert Kruse der Nachrichtenagentur dpa erst in der vergangenen Woche gesagt. In der Stadt gebe es derzeit rund 250 gewaltbereite Linksautonome. Als Beispiele für deren Straftaten in jüngerer Zeit nannte der Sprecher eine Serie von Autobrandstiftungen mit einer halben Millionen Euro Sachschaden, einen nicht aufgeklärten Brandanschlag im Göttinger Kreishaus und Angriffe auf Burschenschaftler. 

dpa