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Panorama Polizistinnen hielten Aussage von Kachelmanns Freundin für glaubwürdig
Nachrichten Panorama Polizistinnen hielten Aussage von Kachelmanns Freundin für glaubwürdig
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17:42 22.10.2010
Jörg Kachelmann muss sich vor dem Landgericht Mannheim wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung verantworten.
Jörg Kachelmann muss sich vor dem Landgericht Mannheim wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung verantworten. Quelle: dpa
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Die Vernehmung von Simone W. hat Eindruck hinterlassen bei der Polizistin. W. sei furchtbar blass gewesen, ihre Beine unter dem Tisch hätten unkontrolliert gezuckt, sie habe am ganzen Körper gezittert. Ununterbrochen habe W. mit der einen Hand die Fingernägel der anderen „gewetzt“. „Ich habe gedacht, jetzt blutet es gleich“, erzählt die Polizistin gestern vor dem Landgericht Mannheim. „Sie hat alles noch mal durchlebt“, sagt sie.

Jörg Kachelmann ist angeklagt, Simone W. in der Nacht zum 9. Februar mit einem Messer in der Hand brutal vergewaltigt zu haben. Der ARD-Wettermoderator bestreitet das.

Ob der Polizistin jemals Zweifel gekommen sind, dass die Frau die Wahrheit sagt, will der Richter wissen. „Nein, auf keinen Fall“, sagt die Beamtin und schüttelt heftig den Kopf: „Nicht einen Moment.“ Simone W. habe „die Todesangst sehr eindrucksvoll beschrieben“. Sie habe gesagt, sie habe „sich ganz auf sich konzentriert“ und „angefangen zu beten“, als sie glaubte zu sterben.

Jörg Kachelmann sitzt auch an diesem Tag im Gerichtssaal. Der 52-Jährige sieht müde aus, Bartschatten bedeckt sein Gesicht. Die Falten um seinen Mund wirken tiefer als zuletzt. Selbst sein Anzug sitzt nicht so perfekt wie an den vier Verhandlungstagen zuvor. Er hört aufmerksam zu, manchmal schließt er die Augen.

Die Vernehmung, die die Polizistin vor Gericht schildert, erfolgte zwei Tage nach der mutmaßlichen Tat. Es war die dritte Aussage bei der Polizei, aber die einzige, die auf Video aufgenommen wurde. Nun ist die Wirklichkeit manchmal wie ein schlechter Krimi.

Zu spät bemerken die Polizisten, dass nur eine der beiden Kameras funktioniert. Ausgerechnet die, die direkt auf Simone W. gerichtet ist, läuft nicht. So bleiben nur die Aufnahmen einer Raumkamera, von der die Beamtin sagt, dass der „schlimme körperliche Zustand“ von Simone W. darauf nur schwer zu erkennen sei. Diese sei kaum die Treppe zum Vernehmungsraum heraufgekommen, so schlecht sei es ihr gegangen.

Als „sehr aufgewühlt“ beschreibt auch eine zweite Polizistin Simone W. Die Beamtin hatte sie bereits wenige Stunden nach der angeblichen Tat vernommen. Ihr hatte W. erstmals Kachelmanns Namen genannt: „Das war ihr sichtlich unangenehm.“ Draußen auf dem Flur habe damals die Mutter auf ihre Tochter gewartet. Auch sie habe geweint und sehr verzweifelt gewirkt. „Eine Person des öffentlichen Lebens“ habe ihr Kind vergewaltigt, habe sie gesagt.

In den Folgetagen hat die Polizei auch mit Kachelmanns Kollegen gesprochen, die mit ihm bei den Olympischen Winterspielen in Kanada waren. Noch am Tag der mutmaßlichen Tat war er dorthin geflogen. Er habe sich verhalten wie immer, sagten sie. Nur ein ungewöhnliches Ereignis hatten alle in Erinnerung. Einmal seien seine beiden Söhne, die bei seiner früheren Frau in Kanada leben, im Fernsehstudio gewesen. Kachelmann habe
sie ihnen als seine „Kuckuckskinder“ vorgestellt.

Als dritter Zeuge spricht gestern der Haftrichter, der entschieden hatte, Kachelmann weiter in Untersuchungshaft zu lassen. Warum er dringenden Tatverdacht gesehen habe, fragen ihn seine Kollegen auf der Richterbank. Er habe Kachelmanns Aussage für „nicht einleuchtend“ gehalten, antwortet er. Dass Kachelmann und sein mutmaßliches Opfer erst streiten, dann Sex haben und anschließend ihre Beziehung beenden, habe ihn nicht überzeugt.

Es ist kein guter Tag gewesen für Jörg Kachelmann. Sein Verteidiger gibt sich vor der Presse dennoch unbeeindruckt: „Die Verhandlung wird erweisen, dass Frau W. gelogen hat.“

Wiebke Ramm

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