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Panorama Regierungschefs beschließen Hilfspaket für Tiger
Nachrichten Panorama Regierungschefs beschließen Hilfspaket für Tiger
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18:02 24.11.2010
Nur noch rund 3200 Tiger leben heute in freier Wildbahn.
Nur noch rund 3200 Tiger leben heute in freier Wildbahn. Quelle: dpa
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Zur Rettung der letzten freilebenden Tiger haben sich 13 Staats- und Regierungschefs in der russischen Stadt St. Petersburg auf ein millionenschweres Schutzprogramm verständigt. Die Umweltstiftung WWF sprach am Dienstag von einem „historischen Moment“ für die bedrohten Raubkatzen. Den Worten müssten aber schnell Taten folgen. Nur noch rund 3200 Tiger leben heute in freier Wildbahn. „Mit unseren Maßnahmen kann diese Zahl bis 2022 auf 6000 steigen“, sagte Russlands Regierungschef Wladimir Putin. Unklar ist noch die Finanzierung des Programms. Von den benötigten 350 Millionen US- Dollar (255 Millionen Euro) wurden auf dem Gipfel lediglich 127 Millionen angekündigt.

Putin vereinbarte mit seinem chinesischen Kollegen Wen Jiabao auch grenzüberschreitende Schutzzonen für Tiger. Der frühere Kremlchef kündigte zudem härtere Strafen für Wilderer und Schmuggler an. In einer live vom Staatsfernsehen aus St. Petersburg übertragenen Rede versprach er, dass im Fernen Osten Russlands künftig beim Bau von Siedlungen und Straßen die Rückzugsgebiete der dort lebenden etwa 450 Amur-Tiger stärker berücksichtigt würden. In den vergangenen Jahrzehnten habe eine gnadenlose Jagd nach Trophäen fast zum Aussterben der größten Raubkatzen der Erde geführt, kritisierte er.

Wen Jiabao kündigte „effektive Schritte“ der Führung in Peking an, nannte aber keine Details. Weltbank-Präsident Robert Zoellick sprach nach einem Treffen mit Wen Jiabao von einer „konstruktiven Haltung“. China gilt als ein Schlüsselland beim Tigerschutz, da die Großkatzen dort zur Herstellung fragwürdiger medizinischer Präparate begehrt sind. Bei dem Gipfel versprach Putin außerdem, Kasachstan und den Iran beim Wiederansiedeln der Tiger zu unterstützen.

Das Bundesumweltministerium hatte bei dem Treffen angekündigt, neben vier Millionen Euro für russische Tigerschutzprojekte weitere acht Millionen Euro in Südostasien investieren zu wollen. Auch der WWF Deutschland will gemeinsam mit Partnern vier Millionen Euro in den internationalen Tigerschutz stecken. „Das bisher bereitgestellte Geld durch Geberländer und Institutionen genügt noch nicht, um den globalen Rettungsplan umzusetzen, aber der Anfang ist gemacht“, sagte WWF-Experte Volker Homes. Hollywoodstar Leonardo DiCaprio („Titanic“), der als Tiger-Fan gilt, versprach am Rande der Konferenz eine Spende von einer Million US-Dollar für das Programm.

Der Gipfel in St. Petersburg geht an diesem Mittwoch zu Ende. Die viertägige Konferenz war nach WWF-Angaben das erste Treffen, auf dem Regierungschefs über das Schicksal einer einzigen Tierart berieten. Von einst neun Tiger-Unterarten existieren heute nur höchstens noch sechs. Anfang 2010, zu Beginn des chinesischen „Jahr des Tigers“, hatten Tierschützer in vielen Ländern eine Offensive zur Rettung der Spezies gestartet. Vor 100 Jahren gab es weltweit 100.000 freilebende Tiger. Gegenwärtig leben die Raubkatzen in freier Wildbahn noch in 13 Ländern: Bangladesch, Birma, Butan, China, Indien, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Nepal, Russland, Thailand und Vietnam.

DiCaprio erobert Putins Herz im Sturm

Hollywoodstar Leonardo DiCaprio hat das Herz von Russlands Regierungschef Wladimir Putin mit einer abenteuerlichen Reise nach St. Petersburg im Sturm erobert. Der Schauspieler sei das, was einen echten russischen „Muschik“, ein Mannsbild und einen „Prachtkerl“ ausmache, schwärmte Putin bei der ungewöhnlichen Begegnung.

Der 36 Jahre alte DiCaprio, der russische Vorfahren hat, reiste auf Einladung Putins zum ersten großen Gipfel für die Rettung der letzten freilebenden Tiger - trotz einer Notlandung mit einer Boeing 767 in New York und ungeplantem Zwischenstopp in Helsinki.

„Wenn sich Menschen mit solchem Charakter für den Naturschutz und insbesondere für die Tiger einsetzen, dann ist uns der Erfolg garantiert.“ Das sagte Putin vor hunderten Gästen, darunter auch Supermodel Naomi Campbell, im Michailowski Theater, bevor er sich später am Dienstag mit DiCaprio in ein Gespräch vertiefte. Der US- Star hatte für den Tigerschutz eine Million Dollar (etwa 745 000 Euro) gespendet.

Beeindruckt war Putin vor allem von den „eisernen Nerven“ DiCaprios, der unter widrigen Umständen in die Stadt am finnischen Meerbusen gereist war. Zuerst habe der Schauspieler eine Notlandung in New York mit einer Boeing, an der ein Triebwerk brannte, überstanden.

DiCaprio hatte dann ein kleines Privatflugzeug bestiegen. Die Maschine musste wegen starker Winde über dem Ozean und wegen zu wenig Treibstoffs in Helsinki vorzeitig landen, wie Putin weiter erzählte. Die Gala-Gäste lachten über die bewundernde Schilderung. „Das ist überhaupt nicht lustig“, mahnte der frühere Kremlchef.

Der als einer der mächtigsten Männer der Welt geltende Politiker schmeißt sich selbst gern in die Pose des Superhelden - etwa als Bomberpilot, Reiter mit nacktem Oberkörper oder Formel-1-Fahrer. Von der finnischen Hauptstadt aus habe DiCaprio schließlich die „Frontlinie“ St. Petersburg durchbrochen, schwärmte Putin weiter.

Als die beiden über die Rettung der größten Raubkatze der Welt sprachen, kamen sie schnell überein, dass noch viel zu tun sei. Als größtes Land der Erde habe Russland viel Lebensraum für die bedrohte Art, sagte DiCaprio in dem von der Agentur Interfax am Mittwoch wiedergegebenen Gespräch. Vor allem müssten nun Wälder geschützt werden, damit die Tiere genügend Schutzraum und Nahrung hätten, stimmte Putin zu.

Der Regierungschef wollte auch wissen, ob DiCaprio Russisch spreche. Nein, aber seine vor zwei Jahren gestorbene Großmutter habe das gekonnt, sagte DiCaprio, dessen Vorfahren den Namen Smirnow trugen. „Berühmter Name“, sekundierte Putin mit einem Lächeln. Smirnow ist eine Wodka-Marke.

DiCaprio gilt bei russischen Filmemachern als Traumbesetzung für die Rolle des Revolutionshelden Lenin, nach dem St. Petersburg zu Sowjetzeiten benannt war. Viele Russen finden, dass DiCaprio dem jungen Lenin wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

dpa