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Panorama Rückkehr nach Abschiebung
Nachrichten Panorama Rückkehr nach Abschiebung
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20:12 29.03.2010
Zurück in Wolfenbüttel: Elvira Gashi (l.) Hand in Hand mit ihrer jüngeren Schwester Elmira und den Kindern Diafer und Tuana. Quelle: Hueske
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Wie ihr Anwalt Dietrich Wollschlaeger am Montag erläuterte, wird eine sogenannte Betretenserlaubnis nach Abschiebungen nur in Ausnahmefällen erteilt, etwa wenn Familienangehörige heiraten, sterben oder schwer krank sind, wie Elvira Gashis Mutter.

Die Ausweisung der kleinen Roma-Familie hatte im Juni 2009 eine Welle der Kritik ausgelöst, weil es zum einen eine Nacht-und-Nebel-Aktion war und zum anderen im Flugzeug auch der ehemalige Lebensgefährte Elvira Gashis saß, der sie monatelang gequält und geschlagen hatte. Der Kreistag hatte Landrat Jörg Röhmann (SPD) umgehend beauftragt, alle Möglichkeiten für eine Rückkehr auszuloten. Im Landtag hatten sich Politiker quer durch alle Fraktionen für eine Wiedereinreise Gashis starkgemacht. Am Montag sagte die für Ausländerfragen zuständige Dezernentin des Landkreises, Heike Schäffer, es sei wünschenswert, wenn die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen würden, dass Gashi und ihre Kinder bleiben dürften.

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Den Winter über hatte die Familie in Pec in einer leer stehenden Hütte ohne Heizung und Fenster gehaust. Der vierjährige Sohn Diafer litt an Atemnot und Bronchitis, aber Geld für Arztbesuche oder Medikamente hatte die Mutter nicht. Nach Angaben des Flüchtlingsrates soll jetzt ein Antrag bei der Härtefallkommission des Innenministeriums gestellt werden, um für Gashi, die als Zweijährige nach Deutschlang gekommen war, ein Bleiberecht zu erwirken. Unterdessen hat Hildesheims Bischof Norbert Trelle angesichts der fortgesetzten Abschiebungen von Sinti und Roma in den Kosovo Politik und Behörden zu einem Innehalten aufgefordert. „In den meisten Fällen ist es aus humanitären Gründen nicht zu verantworten, die Sinti- und Romafamilien in den Kosovo abzuschieben“, sagte Trelle der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Der katholische Bischof bezog sich dabei auch auf den Rat von Experten der Caritas. „Es sind zwar im Kosovo Häuser für die Sinti und Roma gebaut worden, aber sie finden dort weder Erwerbsarbeit noch soziale Kontakte. Zudem sind die ethnischen Spannungen immer noch so groß, dass Sinti und Roma wenig Chancen haben, ihre Lage zu verbessern.“ Trelle wies darauf hin, dass viele Kinder der Sinti- und Romafamilien, die während des Kosovo-Krieges nach Deutschland gekommen waren, hier geboren seien. Sie beherrschten zwar die Sprache ihres Volkes und auch Deutsch, aber könnten sich weder auf Serbisch noch auf Albanisch verständigen. Trelle ist in der Deutschen Bischofskonferenz für Migrations- und Flüchtlingsfragen zuständig.

Saskia Döhner 
und Michael B. Berger