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Panorama Sicherheitskräfte schießen auf demonstrierende Tibeter
Nachrichten Panorama Sicherheitskräfte schießen auf demonstrierende Tibeter
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10:29 24.01.2012
Foto: Tibeter protestieren für mehr Menschenrechte.
 Tibeter protestieren für mehr Menschenrechte. Quelle: dpa (Archivfoto)
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Peking

Chinesische Sicherheitskräfte hätten am Montag in Luhuo in der Präfektur Ganzi (Provinz Sichuan) das Feuer auf demonstrierenden Tibeter eröffnet. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte „Zusammenstöße“ mit mehr als 100 Menschen, darunter auch Mönche.

Ein Demonstrant sei getötet und neun Menschen verletzt worden, darunter fünf Polizisten, berichtete die Staatsagentur. Die Proteste hätten sich entwickelt, nachdem Gerüchte über eine angekündigte neue Selbstverbrennung die Runde gemacht hätten. Eine Menschenmenge habe eine Polizeistation angegriffen. Einige seien mit Messern und Knüppeln bewaffnet gewesen und hätten Steine geworfen. Zwei Polizeiautos und zwei Feuerwehrwagen seien zerstört worden. Auch seien Läden gestürmt und ein Geldautomat beschädigt worden.

Seit Montagabend herrsche aber wieder Ruhe, berichtete der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Hong Lei. Er warf tibetischen Gruppen vor, die Vorfälle böswillig hochgespielt zu haben. „Tibetische Unabhängigkeitskräfte im Ausland haben schon immer Gerüchte verbreitet und die Wahrheit verdreht, um die chinesische Regierung hinsichtlich Tibet in Misskredit zu bringen.“

Zu weiteren Unruhen kam es am Montag auch in der benachbarten Präfektur Aba (tibetisch: Ngaba), wo Sicherheitskräfte Tränengas gegen tibetische Demonstranten einsetzten, wie die Organisation Free Tibet aus London berichtete. Aktionsgruppen riefen Chinas Behörden zur Zurückhaltung auf, um die Spannungen nicht zu verschärfen.

Im tibetisch Draggo oder Drango genannten Luhuo sollen sich tausend Tibeter an den Protesten beteiligt haben. „Mindestens zwei Tibeter wurden getötet“, zitierte der US-Radiosender Radio Free Asia (RFA) exiltibetische Quellen mit Kontakt nach Luhuo. Die Tibeter hätten ein Ende der chinesischen Herrschaft und die Rückkehr des Dalai Lamas, ihres exilierten religiösen Oberhauptes, gefordert.

„Als wir an der Polizeistation ankamen, eröffnete die Polizei das Feuer aus automatischen Waffen“, zitierte der US-Sender einen Mönch, der dabei gewesen sei. „Sie setzten auch Feuerwehrleute und Tränengas ein, um die Menge aufzulösen.“ Die in London ansässige International Campaign For Tibet (ICT) berichtete von drei getöteten Tibetern, während das exiltibetische Parlament in Dharamsala in Indien auf Quellen vor Ort verwies, die sogar von sechs Tote gesprochen hätten.

Rund 6000 Tibeter aus den benachbarten Kreisen hätten sich zum Protest am Draggo-Kloser versammelt, wo 32 Verletzte hingebracht worden seien, berichtete der US-Sender. Nach verschiedenen Berichten trauen sich Tibeter nicht, ihre Verletzungen in Krankenhäusern behandeln zu lassen, weil sie ihre Festnahme befürchten müssten.

Das exiltibetische Parlament verurteilte den „drastischen Einsatz von Gewalt und die Unterdrückung“. Zu der Serie von Selbstverbrennungen aus Protest gegen die chinesische Herrschaft hieß es: „Tibeter greifen zu diesen verzweifelten Aktionen aus schierer Frustration über die Politik und Programme der chinesischen Behörden, die darauf abzielen, die tibetische Identität auszulöschen.“

Die blutigen Zwischenfälle passierten am ersten Tag des neuen Jahres, das die Chinesen nach ihrem traditionellen Mondkalender am Montag begrüßten. Aus Protest hätten sich viele Tibeter geweigert, das chinesische Neujahrsfest zu begehen. Nach ihrem eigenen Kalender begrüßen die Tibeter das neue Jahr erst am 22. Februar.

dpa/sag