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Panorama Somalische Piraten nehmen Kinder in ihre Gewalt
Nachrichten Panorama Somalische Piraten nehmen Kinder in ihre Gewalt
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14:53 02.03.2011
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Tiefes Mitleid mit einer Segler-Familie in der Gewalt somalischer Seeräuber - und komplettes Unverständnis für die „Abenteuerlust“ der Entführten. Viele Dänen sind innerlich gespalten, seit bekannt ist, dass die 13-jährige Naja und ihre Brüder Hjalte (15) und Rune (17) zusammen mit den Eltern und zwei weiteren Erwachsenen bei einer Weltumseglung gekidnappt worden sind.

Während die sieben Skandinavier jetzt von den Piraten als „Tauschware“ an Somalias Küste gefangengehalten werden, sind in ihrem Heimatstädtchen Kalundborg Nachbarn, Freunde und Kollegen aktiv. „Wir wissen, dass der Staat kein Lösegeld zahlen kann und wollen wenigstens einen Teil davon selbst aufbringen“, wird die Nachbarin Erna Buch am Mittwoch in der Zeitung „Politiken“ zitiert. Am Wochenende wolle man Zettel in alle Briefkästen legen und eine Facebook-Gruppe starten.

Der Kalundborgerin ist vor allem das Schicksal der Kinder unter die Haut gegangen. Der 15-jährige Hjalte hatte in seinem Internet-Blog noch zwei Tage vor dem Piraten-Überfall im Indischen Ozean von der Jacht auf hoher See aus geklagt: „Hier passiert aber auch rein gar nichts.“ Jetzt erwartet ihn und die anderen wohl monatelange Gefangenschaft unter brutalen Bedingungen und mit ungewissem Ausgang.

Hjalte hatte auch geschrieben, dass sich die Gruppe auf etwaige Piratenüberfälle mit einem ausgefeilten Plan eingestellt habe. Der half offensichtlich nicht. Mehr als tausend Seeleute sind letztes Jahr im Golf von Aden und vor Ostafrikas Küste von Piraten als Geiseln genommen worden. Sie wurden fast immer von ihren Reedereien freigekauft.

Hobby-Reisende sind seit 2009 erst in vier Fällen von Seeräubern überfallen worden. Der Ausgang dieser Entführungen dürfte die Angst um die dänische Familie nicht geringer werden lassen: Vor knapp zwei Wochen wurden alle vier Amerikaner auf einer Jacht von ihren Entführern getötet, als US-Militärs sie befreien wollten. 2009 starb eine von fünf französischen Geiseln bei einem Befreiungsversuch. Ein vor den Seychellen entführtes britisches Ehepaar musste 400 Tage warten, ehe es freikam. Immer noch gefangen ist ein im November von Piraten überfallenes Paar aus Südafrika.

„Haben die sich denn überhaupt nicht irgendwie schlaugemacht?“ wunderte sich ein dänischer Schifffahrtsexperte in „Ekstra Bladet“ über den Wagemut des dänischen Elternpaares. „Vermutlich haben sie auch keine Versicherung für so etwas wie jetzt.“ Ein Leserbriefschreiber erklärte in „Ekstra Bladet“: „Es ist ja ok, wenn Abenteurer sich selbst in solche Gefahren begeben. Aber ich fasse einfach nicht, dass sie ihre Kinder diesen Risiken aussetzen.“

Außenministerin Lene Espersen schloss kategorisch aus, dass aus der Staatskasse Lösegeld an Terroristen gezahlt wird. Wo immer das Geld für einen Freikauf der sieben Unglücklichen herkommen könnte: Die Preise für die „Handelsware Geisel“ sind bei somalischen Piraten zwar verhandelbar, folgen aber gewissen Grundregeln. Für das britische Ehepaar Chandler, das mehr als ein Jahr Gefangenschaft aushalten musste, wurden am Ende zwischen 270.000 und 570.000 Euro gezahlt. Vorher hatten die Seeräuber mehrfach Videos mit dem verzweifelt um Hilfe flehenden Segler-Paar veröffentlicht. Aufgebracht wurde das Lösegeld mit Spenden von Angehörigen, Freunden und anderen privaten Gebern.

dpa