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Panorama Somalische Piraten sollen in Hamburg vor Gericht
Nachrichten Panorama Somalische Piraten sollen in Hamburg vor Gericht
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21:54 14.04.2010
Spektakuläre Festnahme: Niederländische Soldaten führen die Piraten ab.
Spektakuläre Festnahme: Niederländische Soldaten führen die Piraten ab. Quelle: dpa
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Die Hamburger Justiz will zehn somalische Piraten anklagen. Sie hatten am Ostermontag erfolglos versucht, 500 Seemeilen vor der Küste des Landes das Containerschiff „Taipan“ der Hamburger Reederei Komrowski zu entern.

Die Kaperung dauerte nur einige Stunden. Soldaten einer niederländischen Eliteeinheit seilten sich von einem Hubschrauber an Deck des 140 Meter langen Frachters ab, überwältigten die Piraten nach einem Schusswechsel und befreiten die Mannschaft aus ihrem Versteck. Die Somalier müssen sich nun wegen versuchten erpresserischen Menschenraubs und gefährlichen Eingriffs in den Seeverkehr verantworten.

Das Hamburger Amtsgericht hatte vor Kurzem Haftbefehle gegen die zehn Seeräuber beantragt, die Bundesrepublik betreibt derzeit in den Niederlanden die Auslieferung der Männer. Sie sind inzwischen von Dschibuti nach Eindhoven geflogen worden, können die Überstellung nach Hamburg jedoch mit rechtlichen Mitteln hinauszögern. „Wir wissen noch nicht, wann sie nach Hamburg kommen, aber klar ist, dass sie kommen“, sagte Wilhelm Möllers, Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, dieser Zeitung. Die Piraten müssen Haftstrafen von mindestens fünf Jahren fürchten.

Die Hamburger Behörde ist für die Strafverfolgung auf hoher See zuständig, federführend ist die Abteilung für Umwelt- und Seefahrtsdelikte. Die Ermittler verfolgen Verstöße gegen die Baumschutzsatzung, aber auch Seeräuber. Der bevorstehende Prozess verlangt erheblichen, auch finanziellen Aufwand. Jeder der zehn Männer hat Anspruch auf einen eigenen Pflichtverteidiger, Dolmetscher müssen beschäftigt werden. Möllers sagte, die Kostenfrage spiele für die Staatsanwaltschaft keine Rolle, wenn es darum gehe, Straftaten zu verfolgen. Die Behörde hatte bereits im vergangenen Jahr ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet, als neun Somalier das Handelsschiff „Courier“ enterten, bis die Mannschaft von Marinesoldaten der Fregatte „Rheinland-Pfalz“ befreit wurde. Der Prozess fand dann in Kenia statt. Bald steht das erste Verfahren auf deutschem Boden gegen Piraten bevor. Möllers sagte, man sei „gut vorbereitet“.

Dass am Ostermontag die Befreiung der „Taipan“ gelingen konnte, lag besonders an der schnellen Reaktion ihres Kapitäns. Als er, unterwegs nach Mombasa, ein Schnellboot auf sein Schiff zufahren sah und merkte, dass die „Taipan“ nicht würde flüchten können, setzte er einen Funkspruch ab und flüchtete mit seiner Mannschaft in den Panikraum - ein Art kleiner Bunker, gesichert durch Stahlwände, in den Angreifer ohne schwere Waffen nicht eindringen können und der in der Regel mit Lebensmitteln und Funkgeräten ausgestattet ist.

Die niederländischen Soldaten wussten daher, dass sich die 15 Männer auf dem Containerschiff, unter ihnen befanden sich zwei Deutsche, im Panikraum versteckt hatten und die Somalier keine Geiseln nehmen konnten. Von der Fregatte „Tromp“ aus beschossen sie zuerst die Brücke des Frachters, ehe sie sich auf Deck abseilten.

Nach der Überwältigung und Festnahme der Seeräuber noch an Bord des Hamburger Frachters durch die niederländischen Soldaten dürfte sich auch die Beweisführung gegen die Angreifer vor Gericht leichter gestalten.

Gunnar Menkens