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Panorama Staatsmacht rüstet gegen Vereine der Hells Angels und Bandidos
Nachrichten Panorama Staatsmacht rüstet gegen Vereine der Hells Angels und Bandidos
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16:04 29.04.2010
Polizisten demontieren auf dem Vereinsgelände der Hells Angels in Flensburg ein Schild mit dem Vereinsemblem.
Polizisten demontieren auf dem Vereinsgelände der Hells Angels in Flensburg ein Schild mit dem Vereinsemblem. Quelle: ap
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Sie kommen am frühen Morgen, ganz in schwarz und mit dem Gewehr im Anschlag. Mit aller Staatsmacht setzen 150 Polizisten - darunter ein Spezialkommando - das soeben von Innenminister Klaus Schlie (CDU) erlassene Verbot des Motorradclubs „Hells Angels MC Charter Flensburg“ um. Große Kisten und Pappkartons werden am Donnerstag in das Vereinsheim gegenüber der Werft getragen, um später darin Akten und Beweismittel zu sichern. Dann wird das große, rot-weiße Vereinszeichen mit dem Schriftzug und den goldenen Flügeln vom Vereinsheim abmontiert.

Das ist nicht nur ein symbolischer Akt. „Es ist ab sofort verboten, das Logo des Flensburger Vereins zu tragen“, betont Polizeisprecher Volker Boldt. Die Polizei dürfte also die den Rockern heiligen „Kutten“ - schwarze Lederjacken mit Totenkopf und Flügelhelm - beschlagnahmen, wenn sie diese in der Öffentlichkeit zeigen. Die 12 Mitglieder des Flensburger Clubs bekommen wie auch die 17 Mitglieder des mit den „Hells Angels“ verfeindeten „Bandidos MC Probationary Chapter Neumünster“ das Vereinsverbot persönlich ausgesprochen. Auch am „Bandidos“-Vereinsheim in Neumünster wird das Emblem entfernt, dort sind ebenfalls 150 Beamte im Einsatz.

Sichtlich schlecht gelaunt traben einige Flensburger Rocker - in einem (nicht verbotenen) „Hells-Angels“-T-Shirt - nach Stunden an, geben sich aber kooperativ und schließen den Beamten eine Tür auf. Die Polizisten durchsuchen nicht nur die beiden Vereinsheime der nun verbotenen Clubs, sondern auch mehrere Wohnungen. Das Ziel: Beweise für die Beschlagnahmung des Vereinsvermögens sichern. „Es handelt sich nicht um harmlose Motorradclubs, deren Mitglieder sich zu friedlichen Wochenendausflügen treffen. Beide Vereine verstoßen gegen die Strafgesetze und richten sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung“, stellt Schlie klar.

Ein halbes Jahr lang hatte das Innenministerium ein Verbot hin- und hergewälzt, immer wieder wurde es gefordert. Vor sechs Wochen ging das Verfahren dann in die heiße Phase. Illegaler Waffenhandel, Körperverletzung und versuchte Tötungsdelikte rechtfertigten es nun aus Sicht des Ministeriums.

Doch ist damit auch der Rockerkrieg in Schleswig-Holstein vorbei? Monate lang hatte es zwischen „Bandidos“ und „Hells Angels“ blutige Auseinandersetzungen gegeben, einige Rocker wurden lebensgefährlich verletzt. „Mit dem Verbot sind nicht alle Probleme gelöst, aber es unterstreicht die Null-Toleranz-Strategie der Polizei“, betont Boldt. Das Verbot hat in Schlies Augen auch eine psychologische Wirkung: Die Rocker können sich nicht mehr als mächtige Organisationen in der Öffentlichkeit präsentieren. „Das tut diesen Leuten weh, weil der martialische Auftritt wesentlicher Inhalt ihres kranken Verständnisses von Stolz und Macht ist“, sagt der Minister.

Das Verbot trifft vor allem die „Bandidos“, die in Neumünster ihren einzigen Ableger im Land hatten. Von den „Hells Angels“ gibt es noch Gruppen in Alveslohe (Kreis Segeberg), Kiel und Lübeck, die nicht verboten sind. Die Flensburger „Hells-Angels“-Mitglieder könnten sich also gefahrlos beispielsweise dem Kieler Club anschließen oder in Flensburg einen Ableger des Kieler Clubs gründen. Allerdings: „Auch über den drei anderen Vereinen schwebt das Damoklesschwert des Verbots“, sagt Schlie. Noch reichten die Voraussetzungen aber nicht aus, hieß es.

Dennoch wird die Arbeit für die Polizei einfacher: Sie kann sofort einschreiten, wenn jemand gegen das Verbot verstößt. Wer etwa die Kutte der Flensburger „Hells Angels“ oder der „Bandidos“ aus Neumünster trägt, muss laut Landeskriminalamt (LKA) mit bis zu einem Jahr Gefängnis oder einer Geldstrafe rechnen. Die Ermittler sind aber weiter auf gewalttätige Auseinandersetzungen und Straftaten gefasst. LKA-Sprecher Stefan Jung: „Das wird die Rockerkriminalität nicht gänzlich auslöschen.“

dpa

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