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Panorama Tausende bei Demonstrationen gegen Atomenergie
Nachrichten Panorama Tausende bei Demonstrationen gegen Atomenergie
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16:45 28.05.2011
Quelle: Conrad von Meding
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Weit mehr als 10.000 Menschen haben am Samstag im Norden gegen Atomenergie demonstriert. Große Protestzüge formierten sich etwa in Hannover, Bremen und Göttingen. Bundesweit gingen in mehr als 20 Städten nach Angaben der Gruppe „Ausgestrahlt“ rund 160.000 Menschen auf die Straße, davon allein etwa 16.000 in Niedersachsen. Ziel der Aktionen sei die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke, sagte ein Sprecher der Organisatoren.

In Bremen waren nach Angaben der Veranstalter bis zu 7000 Teilnehmer unterwegs, die Polizei ging von etwa 5000 aus. In Göttingen zählten die Beamten rund 2500 Demonstranten, die Organisatoren kamen auf 3500. In Wilhelmshaven waren etwa 500 Menschen unterwegs, berichtete ein Polizeisprecher.

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In Hannover demonstrierten nach Veranstalterangeben etwa 12.000 Menschen, die Polizei kam auf dagegen auf nur höchstens 5000. „Spätestens bis 2017 müssen die Atomkraftwerke abgeschaltet sein“, forderte IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine auf dem Opernplatz. Die Reaktorkatastrophe in Japan habe gezeigt, dass die Risiken nicht beherrschbar seien: „Diese Technologie hat bei uns keinen Platz mehr“.

„Die Alternativen zu Atomtechnologien liegen auf der Hand: Die Stichworte heißen, bessere Energie-Effizienz und alternative, regenerative Energie aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme“, erklärte Meine.

Anlagen zur Windenergie und Solarsysteme sicherten bereits weit mehr als 100.000 Arbeitsplätze in der Metallindustrie. Jedoch übte Meine auch heftige Kritik: „In der Windkraftbranche und in der Solarindustrie haben Betriebsräte, Gewerkschaften und Tarifverträge Seltenheitswert“. Meine sprach von einem Skandal. Teilweise würden Systeme für saubere Energien „zu unsauberen, undemokratischen Tarifdumping-Bedingungen hergestellt.

Der Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel warf FDP-Umweltminister Hans-Heinrich Sander in Göttingen vor, als „ministerieller Dauerquerulant“ die Interessen der niedersächsischen Bevölkerung beim Atomausstieg zu blockieren. Sanders Behauptung, dass die Abschaltung des Atomkraftwerks Unterweser fachlich nicht begründet werden könne, sei falsch, sagte Wenzel. Unterweser sei nicht ausreichend gegen Hochwasser und Flugzeugabstürze geschützt.

Wenzel kritisierte auch den Ministerpräsident David McAllister (CDU). Dieser betreibe ein falsches Spiel, wenn er sich selbst als Ausstiegsbefürworter inszeniere, zugleich aber „seinem Atomfreund Sander“ freie Hand lasse. „Diese Landesregierung hält sich einen Hofnarren als Handlanger der Atomkonzerne“, sagte Wenzel.

Zu den Demonstrationen hatten Anti-Atom-Gruppen, Umweltverbände sowie Organisationen aus der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung aufgerufen.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.