Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Panorama Transplantationsskandal am Universitätsklinikum Leipzig
Nachrichten Panorama Transplantationsskandal am Universitätsklinikum Leipzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:35 02.01.2013
Am Universitätsklinikum Leipzig soll es zahlreichen Manipulationen bei Organspenden gegeben haben. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Das habe der Medizinische Vorstand des Klinikums, Wolfgang Fleig, bestätigt, meldet das Blatt in seiner Mittwochausgabe. Zuvor hatte bereits die Bundesärztekammer mitgeteilt, dass dort in zahlreichen Fällen Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben worden seien, um sie auf der Warteliste zur Organtransplantation besser zu positionieren. Dies habe eine Überprüfung seitens zweier Kommissionen ergeben, deren Träger die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der GKV-Spitzenverband und die Bundesärztekammer seien. Die Unregelmäßigkeiten müssten nun weiter geprüft werden, hieß es.

Auch Klinikvorstand Fleig sagte der „SZ“, in den fraglichen Fällen sei angegeben worden, dass die Patienten eine Blutwäsche erhalten hätten - was in Wirklichkeit nicht passiert sei. Dadurch erschienen die Patienten kränker, als sie tatsächlich waren. Sie bekamen von der internationalen Organvermittlung Eurotransplant schneller eine neue Leber zugeteilt.

Anzeige

Die beiden Oberärzte, die das Transplantationsbüro des Klinikums bisher leiteten, seien beurlaubt worden, sagte Fleig. Der Vorstand habe auch den Direktor der Klinik für Transplantationschirurgie von seinen Aufgaben entbunden.

Fast alle Manipulationen seien in den Jahren 2010 und 2011 vorgenommen worden. Weshalb zu diesem Zeitpunkt plötzlich der Organ-Betrug angefangen habe, frage sich auch Vorstand Fleig, heißt es weiter. Es habe keinen nennenswerten, einschlägigen Personalwechsel gegeben. Auch sei die Zahl der Transplantationen in diesen Jahren keineswegs sprunghaft gestiegen. Der jetzt beurlaubte Klinikdirektor kam bereits im Jahr 2008 von Berlin nach Leipzig.

Im Jahr 2012 gab es offenbar nur noch eine Manipulation, sagte Fleig. Allerdings hatte Eurotransplant inzwischen den Betrug erschwert, im Zuge des Organspende-Skandals von Göttingen: Seither müssen Kliniken die Dialyseprotokolle beilegen, wenn sie Patienten auf die Warteliste bei Eurotransplant setzen.

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Skandale um Manipulationen bei der Organvergabe die Öffentlichkeit erschüttert. Unter anderem an den Universitätskliniken in Regensburg und Göttingen hatten Ärzte Patienten bei der Organvergabe bevorzugt. Die Bereitschaft zur Organspende hat inzwischen deutlich abgenommen.

dapd

Mehr zum Thema

Weil ein Arzt seinen Patienten durch illegale Machenschaften bevorzugt Spender-Lebern verschafft haben soll, geriet die Universitätsmedizin Göttingen im Sommer in die Schlagzeilen. Die Ermittlungen gestalten sich zäh.

26.12.2012
Wissen Nach dem großen Skandal - Ärzte werben für Organspende

Vom 1. November an werden Krankenkassen Info-Briefe über Organspende verschicken - weil es viel zu wenige Spender gibt. Das platzt mitten in die Ermittlungen zum größten Organspende-Skandal in Deutschland. Was fühlen Ärzte und Patienten dabei? Eine Reise durch Berlin.

30.10.2012

Die Zeit drängt. Bald verschicken die Krankenkassen bundesweit Organspendeausweise. Doch der Transplantationsskandal hat Vertrauen zerstört. Jetzt soll mehr Licht ins Organspendewesen kommen.

27.08.2012