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Panorama Transrapid-Fahrdienstleiter zu Bewährungsstrafen verurteilt
Nachrichten Panorama Transrapid-Fahrdienstleiter zu Bewährungsstrafen verurteilt
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14:39 03.03.2011
Das Wrack des Transrapids auf der der Versuchsstrecke in Lathen im Kreis Emsland. Quelle: dpa
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m Prozess um das Transrapidunglück im September 2006 sind die hauptverantwortlichen Fahrdienstleiter zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Osnabrücker Landgericht sprach die 61 und 52 Jahre alten Männer am Donnerstag wegen fahrlässiger Körperverletzung in elf Fällen und fahrlässiger Tötung in 23 Fällen schuldig und verhängte Freiheitsstrafen von anderthalb Jahren sowie einem Jahr. Beide müssen außerdem jeweils 4000 Euro an Bethel und an das Westfälische Kinderdorf in Paderborn zahlen. Die Angeklagten akzeptierten das Urteil, das damit rechtskräftig ist. Aus juristischer Sicht ist die Katastrophe damit abgearbeitet.

„Bei den Angeklagten handelt es sich nicht um Kriminelle, sondern um erfahrene und verantwortungsvolle Mitarbeiter“, betonte der Vorsitzende Richter Dieter Temming. Es habe sich um ein „Augenblicksversagen“ gehandelt. Zu der Katastrophe hätten auch technische und organisatorische Besonderheiten der Transrapid-Versuchsanlage beigetragen.

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So sei das Setzen einer elektronischen Sperre nicht verbindlich in den Betriebsregeln der Anlage vorgeschrieben worden. Eine solche Sperre hätte den Männern im Leitstand signalisiert, dass bei der Fahrtfreigabe des Transrapid noch ein tonnenschwerer Werkstattwagen auf der Strecke stand. Der Magnetzug hätte auch nicht losfahren können. Auch die Tatsache, dass unterschiedliche Funksysteme benutzt wurden und damit die Mitarbeiter auf dem Werkstattwagen nicht den Funkverkehr mit dem Transrapid mithören konnten, habe zu dem Unglück beigetragen.

Die Männer hatten am Vormittag des 22. September 2006 die Fahrt des Transrapid freigegeben, ohne zuvor den Werkstattwagen von der Strecke zu nehmen. Der Magnetzug krachte mit Tempo 170 auf das 50 Tonnen schwere Wartungsfahrzeug. Alle Passagiere aus dem ersten Segment des Zuges starben.

Die Aufgabe des jüngeren Leitstandmitarbeiters bestand unter anderem darin, im Vier-Augen-Prinzip seinen Kollegen zu überwachen. Eine entscheidende Weiche für den Rangiervorgang mussten beide gleichzeitig bedienen. Er könne nicht mehr sagen, warum er nicht an den Werkstattwagen gedacht habe, sagte er der 52-Jährige zum Prozessauftakt. Er könne es sich nur so erklären, dass er in Gedanken noch bei dem Gespräch mit einem Vorgesetzten war, der sich kurz vorher mit ihm unterhalten hatte.

Aus dem ersten Transrapid-Verfahren im Jahr 2008 sei bekanntgewesen, dass die Leitstand-Mitarbeiter selbst ihre Vorgesetzten aus dem Raum hätten schicken können, wenn sie störten, sagte Temming. „Aber wer macht das schon gegenüber seinem Chef?“, fragte der Richter. Er würdigte, dass beide Angeklagte ihre Fehler eingestanden und auch um Entschuldigung gebeten hatten. Das sei ein „deutlicher Unterschied“ zum ersten Transrapid-Prozess gewesen. Vor rund drei Jahren mussten sich die beiden früheren Betriebsleiter vor Gericht wegen Organisationsfehlern verantworten. Sie wurden zu Geldstrafen in Höhe von 20.000 und 24.000 Euro verurteilt. Damals habe die Verteidigung bis zum Schluss behauptet, die Umstände des Unglücks seien weitgehend ungeklärt, sagte Temming.

Beide Angeklagten räumten die Vorwürfe ein und baten die Opfer und Angehörigen um Entschuldigung. „Ich finde keine Erklärung für meinen schweren Fehler“, sagte der 61-Jährige. „Ich würde alles tun, um das Geschehene ungeschehen zu machen, aber ich kann es nicht“, sagte sein Kollege mit stockender Stimme. Beide sind seit dem Unfall psychisch krank und gelten als selbstmordgefährdet. Sie sind inzwischen Rentner und arbeiten nicht mehr auf der Testanlage.

dpa

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