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Panorama Treuer Hund sucht Herrchen auf der A7
Nachrichten Panorama Treuer Hund sucht Herrchen auf der A7
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10:10 27.04.2010
Von Klaus von der Brelie
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„Autobahn 7, Hannover in Richtung Kassel: Zwischen Dreieck Salzgitter und Bockenem läuft immer wieder ein Hund auf die Fahrbahn. Bitte Vorsicht!“ Diese Meldung ist rekordverdächtig. Kein Warnhinweis auf einen entlaufenen Hund hat sich bisher so lange im Verkehrsfunk der norddeutschen Radiosender gehalten. Seit Sonnabend ist sie mindestens im Halbstundentakt zu hören – und bis Montagnachmittag gab es keinerlei Hinweise, dass sich die Sache erledigt haben könnte, weil der Hund eingefangen wurde.

Alles deutet darauf hin, dass der graue Schnauzer auf der Suche nach seinem Herrchen ist. Verzweifelt kehrt das Tier immer wieder an den Abschnitt der Autobahn 7 zurück, wo seine Besitzer am Sonnabend gegen 10.30 Uhr mit ihrem Toyota Avensis verunglückt sind. Im Polizeibericht heißt es, der 78-jährige Autofahrer aus Lampertheim in Hessen sei auf der Fahrt in Richtung Süden in Höhe des Parkplatzes Silium (Kreis Hildesheim) aus ungeklärter Ursache nach rechts von der Fahrbahn abgekommen und mit seinem Wagen gegen mehrere Bäume geprallt. Dabei habe sich das Fahrzeug mehrmals überschlagen. Der Fahrer und seine 75-jährige Ehefrau wurden schwer verletzt geborgen und mit Rettungswagen in ein Hildesheimer Krankenhaus gebracht.

Der Hund des Ehepaares überlebte den Unfall, machte aber während der Bergungsarbeiten einen verstörten Eindruck. Als er eingefangen werden sollte, war er plötzlich verschwunden. Seither taucht er immer wieder in der Umgebung der Unglücksstelle auf, sodass die Hildesheimer Autobahnpolizei eine Warnung vor dem Tier nach wie vor für geboten hält.

Am Montagnachmittag sah es kurze Zeit danach aus, als hätte die Geschichte ein trauriges Ende gefunden. Autofahrer informierten die Polizei über ein totes Tier auf der A 7. Doch als die Beamten nachschauten, stellte sich schnell heraus, dass es sich nicht um den treuen Schnauzer handelte, der auf der Suche nach seinem Herrchen ums Leben gekommen war. Am Rand der Fahrbahn lag ein toter Waschbär, der von einem unbekannten Fahrzeug überrollt worden war.

Die Geschichte des Hildesheimer Unfallhundes erinnert viele Tierfreunde an einen Hundefilm mit Richard Gere, der im vergangenen November in die Kinos kam. Der Ursprung liegt in Japan und schildert die Geschichte des treuen Hundes „Hachiko“. Das Tier gehörte in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dem Universitätsprofessor Hidesaburo Ueno in Tokio und war darauf dressiert, sein Herrchen jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit vom Bahnhof abzuholen. Nach dem Tod des Professors wurde „Hachiko“ bei dessen Verwandten untergebracht. Doch das änderte nichts an seiner Treue zu seinem ersten Besitzer. Täglich riss der Hund aus, um pünktlich am Bahnhof zu sein. Zehn Jahre lang wartete er täglich vergebens auf den Professor. Diese unerschütterliche Ergebenheit und Loyalität rührte die Japaner so sehr, dass sie nach seinem Tod im Jahre 1934 ein Denkmal für Hachiko errichteten. Die Statue wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber schon 1948 durch eine neue ersetzt. Sie steht nach wie vor am Bahnhof Shibuya in Tokio und bewährt sich als beliebter Treffpunkt.

Dass der graue Schnauzer aus Lampertheim auf ähnliche Weise geehrt wird wie Hachiko im fernen Japan, ist eher unwahrscheinlich. Die Autobahnpolizei setzt alles daran, dass er rasch eingefangen und versorgt wird. Dies würde auch seine Besitzer beruhigen, die im Krankenhaus liegen und einstweilen nichts für ihren vermissten Hund tun können.