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Panorama US-Küstenwache gesteht Abhängigkeit von BP im Kampf gegen Ölpest
Nachrichten Panorama US-Küstenwache gesteht Abhängigkeit von BP im Kampf gegen Ölpest
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09:57 25.05.2010
Der Kampf gegen die Ölpest geht weiter.
Der Kampf gegen die Ölpest geht weiter. Quelle: dpa
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Der Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko kann nach Einschätzung der US-Küstenwache ohne den Ölkonzern BP kaum gewonnen werden. Die US-Regierung verfüge weder über das notwendige Fachwissen noch über die erforderliche technische Ausrüstung, um das lecke Bohrloch in 1500 Metern Tiefe zu schließen, sagte der Chef der Küstenwache, Thad Allen, am Montag. Drohungen von Innenminister Ken Salazar, BP notfalls die Federführung in der Bekämpfung des Unglücks zu nehmen, bezeichnete Allen als „metaphorisch“. „Durch wen sollte BP ersetzt werden?“, fragte der Behördenchef. Er sei regelmäßig in Kontakt mit BP-Chef Tony Hayward und dieser verstehe sehr wohl was von ihm verlangt werde und handle auch entsprechend.

Innenminister Salazar hatte BP mit Konsequenzen gedroht, sollte es dem britischen Konzern nicht endlich gelingen, das Bohrloch zu schließen. „Wenn wir finden, dass sie nicht das tun, was sie tun sollen, werden wir sie aus dem Weg stoßen“, sagte der Minister. Vor mehr als einem Monat war die von BP betriebene Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko explodiert und wenig später gesunken. Seitdem strömt kontinuierlich Öl ins Meer und verseucht die Küstengebiete mehrerer US-Bundesstaaten.

Beispiellose Aktion soll Öl-Leck stopfen

Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko ruhen die Hoffnungen jetzt auf einem neuen, beispiellosen Versuch, das Bohrloch zu stopfen. Der BP-Konzern will voraussichtlich am Mittwochmorgen (Ortszeit) beginnen, mit hohem Druck schwere Schlamm-Massen in die unablässig sprudelnde Quelle am Meeresboden zu pumpen, um sie auf diese Weise zu verschließen.

BP-Chef Tony Hayward räumte der von Experten „Top Kill“ genannten Aktion bei einer Pressekonferenz in der Krisenregion am Montag eine “60- bis 70-prozentige“ Erfolgschance ein. Man müsse jedoch „realistisch“ in Betracht ziehen, dass die Aktion in 1500 Meter Tiefe noch nie versucht worden sei. Schlage sie fehl, gebe es aber noch weitere Optionen, das Bohrloch zu schließen.

Bei dem „Top Kill“-Verfahren wird der Schlamm durch das tonnenschwere Sicherheitsventil, das auf dem Bohrloch sitzt, dem ausströmenden Öl entgegen gepumpt. Ist die Aktion erfolgreich, soll die Quelle anschließend mit Zement versiegelt werden. „Wir hoffen, es funktioniert, aber wollen nicht unrealistisch sein“, sagte US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano am Montag.

Hayward betonte, sein Konzern trage die volle Verantwortung für die Ölpest und ihre Folgen. „Wir werden jeden Tropfen Öl beseitigen.“ Er räumte ein, dass der Schutz der Ufer nicht erfolgreich gewesen sei. „Ich fühle mich schrecklich dabei“, sagte er.

Der von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Chefkoordinator der Regierung im Kampf gegen die Ölpest, Admiral Thad Allen, relativierte derweil Aussagen von Innenminister Ken Salazar. Dieser hatte am Sonntag damit gedroht, BP die Führung beim Einsatz gegen das Desaster aus der Hand zu nehmen. „BP an den Rand zu drängen, würde die Frage aufwerfen: Durch wen ersetzt man sie?“, sagte Allen. Der Konzern „schöpft jedes mögliche technische Mittel aus“, die Ölpest in den Griff zu bekommen, sagte der Admiral weiter.

Seit dem Unfall der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April waren bereits mehrere Anläufe zur Bekämpfung der Ölpest gescheitert. In Louisiana sind bereits etwa 110 Kilometer verseucht, gab Gouverneur Bobby Jindal bekannt. Experten fürchten eine weitere, massive Verschmutzung von Buchten und Stränden. Das Fernsehen zeigte Bilder von Pelikanen, deren Gefieder verklebt wurde.

Die US-Regierung erhöhte angesichts wachsender Frustration über die weitgehend fruchtlosen Schritte im Kampf gegen die Ölpest den Druck auf den BP-Konzern. „Wir werden ihnen im Nacken sitzen, bis der Job erledigt ist“, sagte Salazar.

Washington werde den Konzern „zivilrechtlich und in jeder anderen notwendigen Weise“ zur Verantwortung ziehen, betonte der Minister. „Das ist ein BP-Schlamassel, es ist ein schreckliches Schlamassel. Es ist ein massives Umweltschlamassel.“ BP müsse „ohne Begrenzung“ für die Kosten infolge des Unglücks aufkommen.

USA wollen Ölsteuer erhöhen

Als Reaktion auf die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko bereitet der US-Kongress die Erhöhung der Ölsteuer vor. Nach den Plänen könnte die Abgabe auf 32 Cent pro Barrel steigen, dies wäre eine Vervierfachung. Über einen Zeitraum von zehn Jahren könnten so etwa elf Milliarden Dollar (rund neun Milliarden Euro) zusammenkommen. Das Geld soll in einen von der Küstenwache verwalteten Fonds fließen, der für die Kosten von Reinigungsaktionen in Wasserwegen aufkommt.

Anlass für die geplante Steuererhöhung ist die Ölpest im Golf von Mexiko. Die Explosion einer von dem britischen Konzern BP genutzten Bohrinsel hatte am 20. April ein Leck am Meeresgrund verursacht, aus dem seither mindestens 23.000 Tonnen Öl ausgeströmt sind. Einige Experten gehen davon aus, dass bereits über 40.000 Tonnen Öl ausgetreten sind, mehr als bei der bislang schwersten Ölkatastrophe in der US-Geschichte, der Havarie der „Exxon Valdez“.

Die Kosten für die Eindämmung der Ölpest und die Entschädigung von Küstenbewohnern belaufen sich nach Angaben von BP schon jetzt auf 760 Millionen Dollar (608 Millionen Euro). Die endgültigen Kosten seien noch nicht abzuschätzen, erklärte der Konzern am Montag.

afp / dpa / ap

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