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Panorama Verteidigung zweifelt Fahrfehler als Auslöser an
Nachrichten Panorama Verteidigung zweifelt Fahrfehler als Auslöser an
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19:06 08.05.2012
Foto: Bei dem Unfall im September 2010 kamen 14 Menschen ums Leben. Jetzt soll die Schuldfrage geklärt werden.
Bei dem Unfall im September 2010 kamen 14 Menschen ums Leben. Jetzt soll die Schuldfrage geklärt werden. Quelle: dpa
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Potsdam

Im Prozess um den tödlichen Reisebusunfall im September 2010 auf der Autobahn 10 bei Berlin zweifelt die Verteidigung einen Fahrfehler als Auslöser für das Unglück an. An der Stelle am Schönefelder Kreuz habe es 2011 mehrere ähnliche Unfälle gegeben, sagte der Anwalt der angeklagten Autofahrerin am Dienstag vor dem Landgericht Potsdam. Nicht menschliches Versagen sei die Unfallursache, sondern äußere Umstände wie die Beschaffenheit der Fahrbahn, so der Verteidiger Carsten R. Hoenig.

Der 38-jährigen Frau wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Sie soll durch einen Fahrfehler den Unfall eines polnischen Reisebusses im Herbst 2010 ausgelöst zu haben. Der Bus prallte gegen einen Brückenpfeiler, nachdem er mit dem Wagen der Frau zusammengestoßen war. 14 Menschen starben, 35 wurden verletzt.

Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen: Tests eines Sachverständigen hätten gezeigt, dass der Wagen an der Autobahnauffahrt bei einer Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometer nicht ausgebrochen wäre, sagte Staatsanwalt Gerd Heininger. „Selbst wenn dort ein Unfallschwerpunkt sein sollte, sagt dies nichts darüber aus, wie es zum Unfall kam“, so Heininger. „Es kommt darauf an, wie schnell die Fahrzeuge dort fahren.“

Die Fahrerin - eine Angestellte des Berliner Polizeipräsidiums - soll Straßenverhältnisse und Witterung nicht ausreichend berücksichtigt haben. Das vermutete auch einer der befragten Autobahnpolizisten als Auslöser. Er bezeichnete die Straßenführung an der Stelle zugleich als „total veraltet“.

Auch andere Autofahrer berichteten von Problemen an der Stelle: So hatte sich eine 29-Jährige nach dem Unfall bei der Polizei gemeldet. Vor Gericht schilderte sie, sie sei einen Tag vor dem Unglück an gleicher Stelle beim Beschleunigen ihres Autos ins Schlingern geraten. Ein Berufskraftfahrer (44) gab an, die Autobahnmeisterei zwei Wochen vor dem Unfall von einer Art Ölfilm berichtet zu haben. „Sobald es dort nass ist, besteht Gefahr“, sagte er. „Das ist heute noch so.“

Es bleibt abzuwarten, welche Bedeutung das Gericht diesen Aussagen zumisst. Die Richter sehen in dem Unglücksort jedoch einen Unfallschwerpunkt aufgrund der Aussagen der Polizisten. Dies gab die Vorsitzende Richterin Ulrike Phieler-Morbach zu erkennen.

Die Angeklagte hatte angegeben, keine Erinnerung an das Unglück zu haben. Der Veranstalter der Reise schilderte dagegen, wie der Wagen der Frau von der Auffahrt auf die Autobahn schlingerte. „Es war ersichtlich, dass das Fahrzeug ins Schleudern geraten war“, sagte der 56-Jährige. Der Busfahrer habe noch gebremst. Weil es regnete und die Straße nass war, habe er aber keine Vollbremsung machen können. „Dann gab es einen Riesen-Knall und die Scheiben splitterten.“

Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden, das Urteil ist für den 1. Juni geplant.

dpa

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