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Panorama Vulkanasche bremst auch die Mächtigen aus
Nachrichten Panorama Vulkanasche bremst auch die Mächtigen aus
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16:28 17.04.2010
Die Vulkanasche hat Europa im Griff.
Die Vulkanasche hat Europa im Griff. Quelle: dpa
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Wohl noch nie hat eine Naturgewalt Mensch und Maschinen so in die Schranken gewiesen: Die Aschewolke des isländischen Vulkans macht das Fliegen über weiten Teilen Europas weiter unmöglich. Staatsgäste kommen nicht zur Trauerfeier für Polens Präsident Lech Kaczynski, Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht, mit dem Bus quer durch Europa nach Hause zu kommen, und Millionen können Geschäfts- und Urlaubsreisen in den kommenden Tagen abschreiben. Die Angehörigen der in Afghanistan getöteten Soldaten müssen weiter darauf warten, dass deren Särge nach Deutschland kommen.

Der deutsche Luftraum sollte mindestens bis Sonntagmorgen 2.00 Uhr geschlossen bleiben. Frankreich verlängerte die Sperre für die Pariser Großflughäfen bereits bis Montag.

Die Aschewolke wirbelt jetzt in zwei Ausläufern über dem Kontinent. Da der Vulkan weiter Asche spuckt und der Wind sie unverändert im Luftraum verteilt, wird die Ohnmacht anhalten.

Trotz allem will US-Präsident Barack Obama am Sonntag zur Trauerfeier für den vor einer Woche bei einem Flugzeugabsturz getöteten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski anreisen, hieß es in Washington. Andere Spitzenpolitiker wie Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sagten ab.

Ob Merkel zum Staatsbegräbnis nach Krakau reisen kann, blieb unklar. Sie musste auf ihrer Rückreise aus den USA zunächst in Lissabon stoppen, dann über Rom nach Bozen reisen, wo sie übernachten wollte. An diesem Sonntag ist geplant, dass Merkel im Bus nach Deutschland zurückfährt. Geprüft wurde, ob Merkel sowie Außenminister Guido Westerwelle und Bundespräsident Horst Köhler per Hubschrauber nach Polen kommen können.

Eine Delegation des Weltsicherheitsrats musste eine seit langem geplante Reise in den Kongo wegen der Flugstreichungen absagen.

Im europäischen Luftraum wurden am Samstag nur etwa 6000 von 22.000 Flügen erwartet, wie die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel mitteilte.

Die Teilchen aus der Vulkanasche können die Triebwerke und Sensoren von Flugzeugen in vielen Kilometern Höhe beschädigen und nehmen Piloten außerdem die Sicht. Jeder Tag dieser Art kostet die Branche laut Flugverband IATA etwa 150 Millionen Euro.

Der Rücktransport der vier in Nordafghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten verzögert sich bis mindestens Montag. Zwei schwer verletzte Soldaten mussten in der Türkei zwischenlanden und operiert werden. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der die Männer begleitete, sagte: „Sie sind hier, so ist mir gesagt worden, in besten Händen.“

Die Aschewolke hängt wie eine gespreizte Zange über Skandinavien und Mitteleuropa. Nur über Litauen, Lettland und Weißrussland war zunächst noch eine Lücke. Im Süden gab es bis Samstagnachmittag nur in Portugal, Südspanien, Mittel- und Süd-Italien, Teilen des Balkans und Griechenland noch keine Luftraumsperrungen, hieß es bei Eurocontrol.

In einigen Gebieten Europas ist der obere Luftraum prinzipiell offen, je nachdem wie hoch sich die Asche gerade verwirbelt. Dieser Luftraum ist wegen der geschlossenen umliegenden Gebiete aber meistens nicht erreichbar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wies darauf hin, dass Menschen mit Asthma und Atemwegserkrankungen wegen der Miniteilchen in der Aschewolke Probleme bekommen könnten. Allerdings nur, wenn die kleinen Partikel, die zurzeit noch in hoher Höhe fliegen, auf die Erde fallen. „Wer draußen etwas in Rachen oder Lunge spürt, eine laufende Nase oder juckende Augen bekommt, sollte ins Haus gehen und seine Aktivitäten draußen begrenzen.“

Die Deutsche Bahn setzte für die vielen Flugreisenden, die ihre Pläne ändern mussten, auch am Samstag mehr Züge und Personal ein, wie ein Sprecher in Berlin sagte. Volle Züge sollte es vor allem auf den ICE-Verbindungen zwischen Frankfurt/Main, München, Hamburg, Düsseldorf und Berlin geben.

Hunderttausende sitzen überall in Europa fest und müssen sich mit Zügen, Mietautos oder Bussen durchschlagen. Auf den Kanarischen Inseln zum Beispiel harren rund 20.000 Urlauber aus, wie Spaniens Flughafenbehörde AENA berichtete. Allein auf Teneriffa warteten rund 13.000 Menschen vergeblich auf die Abreise.

Für den Fall, dass die Sperrungen aufgehoben werden, fordern die deutschen Fluggesellschaften bereits eine kurzfristige Aufhebung des Nachtflugverbots. Die Politik müsse unbürokratisch helfen, damit Passagiere dann schnell an ihr Ziel kommen.

Der Gletschervulkan stieß am Sonnabend weiter Asche in die Atmosphäre. Wie das Meteorologische Institut in Reykjavik mitteilte, weht der Wind die Asche weiter auf Europa zu.

dpa

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