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Panorama Wahlhelfer seit Adenauers Zeiten
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12:28 24.09.2009
Seit mehr als 60 Jahren tritt Kurt Wunde bei Wahlen an. Quelle: lni
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Dann, wenn für die Politiker eigentlich schon alles gelaufen ist, geht für den 89-Jährigen die Arbeit erst richtig los: Gemeinsam mit seinen Kollegen sorgt er dafür, dass der Urnengang in seinem Wahlbezirk im niedersächsischen Vechta ordnungsgemäß abläuft. Anschließend zählt er die vielen Hundert Stimmen aus. So wird es auch diesen Sonntag bei der Bundestagswahl sein. Und der wohl dienstälteste der rund 630 000 Wahlhelfer in Deutschland freut sich sichtlich darauf: „Es macht mir Spaß.“

1946 half Wunde zum ersten Mal ehrenamtlich bei der Kreistagswahl in Vechta mit, das damals unter englischer Besatzung stand. Nach Kriegsende war der junge Mann aus Schlesien als Erntehelfer in die Agrarhochburg im westlichen Niedersachsen gekommen. Zur ersten deutschen Bundestagswahl 1949 meldete sich Wunde erneut als Freiwilliger. Nach der Nazi-Diktatur, Krieg und Vertreibung sei das für ihn nur eine logische Konsequenz gewesen, sagt der Rentner. „Damit so ein Regime nicht wieder die Geschichte Deutschlands lenkt, setze ich mich für Demokratie ein.“

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Ob Kommunal-, Landtags-, Bundestags- oder Europawahlen - seither hat Wunde keine einzige Abstimmung verpasst. „Ich habe immer versucht, bei einer Wahl in Vechta zu sein. So habe ich auch den Urlaub mit meiner Frau Renate abgesprochen.“ Auf die Frage, wie viele Wahlen es bisher gewesen sind, zuckt der kleine Mann nur mit den Schultern. „Ich kann mich nicht erinnern. Es waren so viele.“

Im knapp 30 000 Einwohner zählenden Vechta ist Wunde längst eine Institution. Jedes Mal, wenn wieder eine Wahl anstehe, rufe ihn der Wahlleiter an und frage, ob er wieder dabei sei, erzählt Wunde. „Solange ich fit bin, mache ich weiter.“ Damit das so bleibt, fährt er jeden Tag 15 bis 20 Kilometer mit dem Fahrrad, schießt bei den Sportschützen und ist im Gesangsverein. Außerdem liest er täglich Zeitung. „Ich interessiere mich selbst viel für Politik.“

Deshalb ist es ihm auch völlig egal, ob er als Wahlhelfer bei einer Bundestags- oder Europawahl antritt. „Ich finde alle Wahlen spannend.“ Dennoch spüre er deutlich das unterschiedliche Interesse in der Bevölkerung. Bei der Europawahl im Juni seien in seinem Wahlbezirk nur 40 Prozent der Bürger wählen gegangen, sagt Wunde und schüttelt den Kopf. „Für Nichtwähler habe ich kein Verständnis.“

Im Wahllokal zeigt er dafür umso mehr davon. Gerne hilft er, wenn jemand Probleme mit dem Wahlzettel hat. Es komme auch vor, dass Bürger ihn fragten, wen sie wählen sollten. Doch da ist Wunde streng: „Im Wahllokal müssen wir uns unparteiisch verhalten.“ Eine Prognose, welche Partei am Sonntag die Wahlen gewinnen wird, will er deshalb ebenso wenig abgeben. Wunde grinst nur breit und behält seine Meinung für sich.

lni

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