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Panorama Was denken homosexuelle Katholiken über ihre Kirche?
Nachrichten Panorama Was denken homosexuelle Katholiken über ihre Kirche?
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10:49 16.06.2019
Zwei homosexuelle Männer stehen bei ihrer Trauung in der Marienkirche mit zwei Pfarrern vor dem Altar. Quelle: Wolfram Kastl/dpa
Hannover

Mit 13 Jahren weiß Jonas Selisko, bis dato evangelisch, dass er katholisch werden möchte. Mit 14 Jahren konvertiert er zum Katholizismus. Ein Jahr später weiß er, dass er schwul ist. Dieses Wissen stürzt ihn in Zerrissenheit. Da ist der Glaube, den er lebt, die Konfession, die Kirche, zu der er sich bekennt – und die Sexualität, die er hat.

So entwirft Selisko ein Gefängnis aus Zweifeln, Marke Eigenbau. Obwohl niemand ihn dazu zwingt, denkt Selisko in dieser Zeit: Gott erwartet von mir, dass ich perfekt bin, dass ich nicht sündig bin. Gott verurteilt, was ich fühle. Gott, denkt er, ist ein Rächer der Sexualität. Eine Instanz, die ihn beobachtet – und der nicht gefällt, was sie da sieht. Natürlich ist auch die Idee eines liebenden Gottes in seinem Kopf, aber sie bleibt in der Defensive, wird übertönt von lauteren, aggressiveren Gedanken.

Der Kampf, den Selisko gegen sich selbst führt, ist einer, der jeden homosexuellen Katholiken betrifft. Wie umgehen mit dem, was ist, aber laut Kirche nicht sein darf? Wie es bewerten?

Abkehr ist keine Antwort

In etlichen Bereichen hat die katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten schweigend einen Wandel zur Kenntnis genommen und toleriert. Vorehelicher Sex, Scheidung und Verhütung sind zur Normalität geworden, die Ehe gilt längst nicht mehr als Übergabe der Frau vom Vater in den Besitz des Ehemannes. In puncto Homosexualität aber beharrt die Kirche auf einer archaischen Sichtweise und schmäht sie lautstark als Sünde.

Kurz flackerte Hoffnung auf, als Papst Franziskus 2013 fragte „Wer bin ich, über Homosexuelle zu richten?“ Diese Hoffnungen jedoch erloschen, als Franziskus im Sommer vergangenen Jahres erklärte, bei homosexuellen Kindern könne „psychiatrisch viel gemacht werden“ und Homosexualität wenig später als Modeerscheinung bezeichnete.

Jonas Selisko entschied sich dafür, sein Gottesbild zu ändern. Quelle: privat

Wer katholisch glaubt und sich in der katholischen Kirche beheimatet fühlt, muss daher eigene Antworten auf seine Sexualität finden. Eine Antwort ist Abkehr. Die zweite ist Bleiben – entweder mit Schuldgefühlen, Selbstzweifeln und Unterdrückung seiner Selbst oder mit einer Veränderung des Gottesbilds. Jonas Selisko entschied sich für Letzteres.

Mehr noch: Heute ist er eines der aktivsten Mitglieder seiner Gemeinde, arbeitet im Gemeinderat seiner Studentengemeinde, berät diese in Rechtsfragen, übernimmt Lektorendienste und promoviert im Bereich Kirchenrecht.

Wenn er spricht, strahlt Selisko, jetzt 24 Jahre alt, ein Selbstbewusstsein aus, wie nur wenige es besitzen. Seine Haltung ist aufrecht, seine Sätze sind klar, als enthalte ein jeder eine unumstößliche Wahrheit.

„Ich glaube, die Lehre der Kirche ist wie ein Werkzeugkoffer“

Selisko weiß, wer er ist und wie er Identität und Glauben miteinander vereinen kann. Nur manchmal, wenn er über seine Findungsphase spricht, huschen seine Augen flink durch das Café, in dem das Interview stattfindet, und analysieren, wen er kennt, wen nicht. Seine Stimme ist noch immer fest, aber die Worte fallen jetzt nicht mehr so selbstverständlich aus ihm heraus, wie wenn er über das Hier und Jetzt spricht. Dort ist Selisko mit sich im Reinen. Denn er hat sein Gottesbild einer Generalüberholung unterzogen.

Gott, sagt Selisko, sei für ihn jetzt der, der jeden liebt, egal wie er ist, mit all seinen Schwächen und Stärken. Und er sagt auch: „Ich glaube, die Lehre der Kirche ist wie ein Werkzeugkoffer, dessen Inhalte nicht für jede Lebenssituation passend sind. Nicht jedes Werkzeug funktioniert in jeder Situation. Ein Hammer ist ungeeignet, um eine Schraube in die Wand zu drehen. So ist das auch mit der Kirchenlehre. Sie soll uns näher zu Gott führen. Aber das tut sie nicht, wenn ich meine Sexualität als Sünde verstehe.“

Sätze wie die des Papstes ärgerten ihn, aber er nehme sie ernst, sagt Selisko, weil sie nun mal die seines Kirchenoberhaupts seien. Dabei ist die Frage, ob Homosexualität Sünde ist, theologisch noch nicht einmal geklärt.

Drei Bibelstellen als Basis für Homophobie

Gerade einmal drei Handvoll mehr oder minder eindeutiger Bibelstellen gibt es, mit denen die Kirche ihre Homophobie begründet. „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau: es ist ein Gräuel“, heißt es beispielsweise im Buch Levitikus. Oder: „Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Weichlinge noch Knabenschänder (…) werden Anteil haben am Reiche Gottes“, steht im erster Korintherbrief.

Das klingt ziemlich klar, ist es jedoch nicht: „Keine der Bibelstellen, in denen gleichgeschlechtlicher Verkehr vorkommt, beschreibt eine personale Beziehung zweier Menschen, sondern Rituale kultischen Transvestitentums und der gleichgeschlechtlichen Vergewaltigung“, sagt Siegfried Modenbach, Pallottiner-Pater in Dortmund und Autor eines Buchs zum Thema.

In der Bibel fehlt ihm zufolge zweierlei: erstens die Homosexualität von Frauen, zweitens Homosexualität, wie die heutige Gesellschaft sie versteht. Kurzum: Die Bibel verliert kein Wort über die liebevolle Zuneigung zweier gleichgeschlechtlicher Menschen.

Siegfried Modenbach, Pallottiner-Pater in Dortmund und Autor des Buches „Liebe hat viele Gesichter“. Quelle: privat

Zudem sind die Texte der Bibel historisch. Wer sie heute verstehen will, muss sie historisch-kritisch deuten. Auf diese Weise erklären Theologen die Schöpfungsgeschichte und die der Arche Noah. Die historisch-kritische Analyse trennt schriftstellerische Bilder von tatsächlich Geschehenem und historischem Bonus.

Wer dieses Verfahren anwendet, findet in der Bibel plötzlich keine homophoben Stellen mehr. Autoren wie Stephan Goertz oder Wolfgang Stegemann zeigen diese Lesart auf und sind schon lange keine Extremisten der Szene mehr.

Doch wie die katholische Kirche einige Lebensformen schweigend hinnimmt, aber die Homosexualität nicht, so nimmt sie auch die historisch-kritische Lesart an einigen Stellen dankbar auf – wehrt sich bei der Homosexualität jedoch dagegen.

Nach Jahren des Stillstands tut sich etwas in der Debatte

Was nicht bedeutet, dass die offizielle Kirchenlehre überall Konsens ist. An keinem Beispiel ließe sich das besser aufzeigen als an dem von „Neon“-Autor Philipp Hauner. In fünf Kirchen beichtete er 2014 seine Homosexualität – und die Antworten, die er bekam, hätten unterschiedlicher kaum sein können.

Ein Pfarrer verbuchte jeden homosexuellen Gedanken sogleich als Sünde, der nächste versicherte, die Sünde beginne erst mit der sexuellen Handlung. Wieder ein anderer Priester ermutigte Hauner indes, sich endlich zu sich selbst zu bekennen, selbstbewusst und offen.

Die katholische Kirche, so zeigt sich auch hier, ist nicht die eine Kirche. Sie besteht aus den Tausenden, die für sie arbeiten und sich in ihr engagieren. Und in winzigen Vor- und Rückschritten tut sich nach Jahren des Stillstands plötzlich etwas in der Debatte.

Befreien kontra Beharren

28. Januar 2019: In der „Herder Korrespondenz“ fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck einen neuen Umgang mit Homosexuellen. Homosexuelle Priester hält er für selbstverständlich. Er spricht von einer „überfällige(n) Befreiung aus teilweise immensen Leidensgeschichten in Vergangenheit und Gegenwart“. Am gleichen Tag gibt der Regens des Priesterseminars Paderborn in einem Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk bekannt, Homosexualität sei kein Hindernis für eine Priesterweihe.

30. Januar: Bei einer Konferenz der 27 deutschen Ortsbischöfe in Würzburg geraten die Bischöfe nach Informationen von „Christ & Welt“ bei der Debatte über einen neuen Umgang mit Homosexualität lautstark aneinander.

1. Februar: Das Buch „Sodoma“ des schwulen französischen Soziologen Frédéric Martel erscheint. Es zeichnet die Kirche als innen schwul, außen homophob und behauptet, acht von zehn vatikanischen Kardinälen, Bischöfen, Prälaten und Priestern seien homosexuell.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hält homosexuelle Priester für selbstverständlich Quelle: dpa

3. Februar: Neun Theologen in leitenden Positionen veröffentlichen einen offenen Brief an Reinhard Kardinal Marx. Sie verlangen darin unter anderem einen „Neustart mit der Sexualmoral“, inklusive einer „verständigen und gerechten Bewertung von Homosexualität“.

21. bis 24. Februar: Der Antimissbrauchsgipfel des Vatikans bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Stimmen für einen liberalen Umgang mit Homosexualität werden auf diesem Gipfel jedoch lauter, homophoben Geistlichen wird öffentlich widersprochen.

16. März: Auf der Frühjahrsversammlung des Diözesanrats München Freising sagt Generalvikar Peter Beer, die Kirche müsse sich überlegen, wie sie mit homosexuellen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen umgehen will, „die bei der Kirche sind, sich engagieren, sich einbringen, bei denen wir aber so tun, als gebe es sie nicht. Das kostet Glaubwürdigkeit!“

„Das hat masochistische Züge“

Über allem liegt, wie ein Fanal, eine Nachricht aus dem Westfälischen Hamm vom 30. Januar: Der örtliche Pfarrer Bernd Mönkebüscher outete sich nach dem Gastbeitrag von Bischof Overbeck öffentlich auf Facebook. 13 000 Zeichen fasst sein Post. Erst vier Jahre Therapie, schreibt Mönkebüscher darin, hätten ihm die Kraft gegeben, die offene Tür des Bischofs nun zu durchschreiten.

Seine Erklärung ist so ehrlich, so verletzt, so deutlich, so hoffend, so anklagend und gleichzeitig doch so bekennend, dass sie sich durchdringender und berührender liest als jedes Werk der Literatur. Rund 150 Kommentare finden sich darunter. Sie alle sind positiv. Von Kollegen, von Mitgliedern der Gemeinde, von Freunden.

Für niemanden scheint Mönkebüschers Sexualität ein Problem zu sein – nur die Kirche, für die er arbeitet, verharrt im ständigen Eiertanz um die Frage, ob Homosexualität nun akzeptiert und gelebt werden darf. „Das hat masochistische Züge“, schreibt Mönkebüscher in seinem Post. Aber er schreibt auch: „Irgendwann habe ich mich dazu durchgerungen, Gott glauben zu können, dass ihm (meine Homosexualität) nicht nur gleichgültig ist, sondern dass er seine Hand im Spiel hat und mich liebt.“

Katholisch und schwul – es ist kein Widerspruch, der in Stein gemeißelt ist, meint der homosexuelle Priester Bernd Mönkebüscher. Quelle: privat

Bei dem Interview für diesen Bericht, eine gute Weile danach, wirkt Mönkebüscher befreit, aber nicht frei. Mit verschränkten Armen sitzt er da und öffnet sich nur langsam. Die erste Frage blockt er ab. Nach dem Small Talk kommt Mönkebüscher erst allmählich, ruhig und überlegt, ins Erzählen. Er wägt seine Worte ab, als könnten einzelne Vokabeln einen Satz ins Wanken bringen. Einige Antworten formuliert er zweimal, ehe er mit ihnen zufrieden ist.

Trotz seiner äußeren Gelassenheit ist da eine Unruhe in seinen Antworten. Darüber, dass zu wenig passiert in der Kirche. Darüber, dass jede Entwicklung Jahre dauert. Und dass Änderung nicht in Sicht ist, begonnen mit den Kleinigkeiten, den Worten beispielsweise, in denen die Kirche Homosexualität fasst. „Das ist alles so nebulös. Dann heißt es wieder, Homosexualität sei eine tiefsitzende Tendenz. Das ist doch alles nur Umschreibung. Ab wann sitzt eine Tendenz denn tief?“

Eine geheime Priesterrunde

Mönkebüschers Outing schuf Öffentlichkeit. Nachahmer jedoch hat es nicht gefunden. Auch das beschäftigt ihn. Denn es ist ja kein Geheimnis, dass es neben ihm noch viele andere homosexuelle Priester gibt. Zum Thema existieren mehrere Studien, einige mehr, andere weniger zuverlässig.

Sie alle jedoch zeigen auf, dass der Anteil Homosexueller innerhalb des Klerus signifikant, also nicht zufällig, höher ist als in der Bevölkerung. Recherchen des RedaktionsNetzwerks Deutschland zeigen, dass es etliche WhatsApp-Gruppen gibt, in denen homosexuelle Priester sich absprechen und verabreden. Ihre Treffs sind offene Geheimnisse – aber sie bleiben nun mal Geheimnisse.

„Wir haben keine Solidarität gelernt“, sagt Mönkebüscher. „Wenn ein Priester ein schwules Paar segnen möchte und der Bischof verbietet das – warum erheben dann nicht 20 andere Priester ihre Stimme und sagen, dass sie das aber tun möchten?“ Und er fragt: „Warum kann die Kirche nicht ausdrücken, dass sich in ihr unterschiedliche Orientierungen vereinen? Das würde ihr doch gut stehen. Sonst setzt sie sich doch auch für Minderheiten ein, und wir sind eine Minderheit. Wäre das nicht wichtig?“

Verschiedene Möglichkeiten, keinen Verdacht auf sich zu lenken

Die Frage ist keine rhetorische Frage, auch wenn sie so klingt. Sie beschäftigt Mönkebüscher tatsächlich. Solange Homosexualität offiziell verboten ist, sagt er, habe die Kirche Macht über ihre schwulen Priester.

Unter dem Zwang, seine Sexualität verbergen zu müssen, gebe es verschiedene Möglichkeiten, keinen Verdacht auf sich zu lenken. Entweder durch eine umso lauter nach außen krakeelte Homophobie oder durch eine besonders loyale Einstellung gegenüber dem Bischof. Beides dämme Kritik und eigene Handlungsmöglichkeiten ein.

Mönkebüscher weiß, wovon er redet. Bis ins Erwachsenenalter war Sexualität für ihn angstbesetzt. So tabuisiert war jede Beschäftigung damit, dass diese letztlich erst begann, als Mönkebüscher bereits studierte. Er ließ die Gedanken nur heimlich zu.

Priesteranwärter falten während ihrer Weihe die Hände. Quelle: Rolf Haid/dpa

Bei den Fragen zu dieser Zeit gerät er ins Stocken. Die Pausen nach einer Frage werden länger. Ob sich seit seinem Outing nun etwas verändert habe? Lange Pause. „Sagen wir so: Einen Teil seines Charakters zu verstecken ist ein Stück weit wie in einem Gefängnis zu leben.“

Ist er jetzt im Reinen mit sich? „Es gibt Menschen, die können ihre Homosexualität als von Gott gegeben, als Gabe, akzeptieren. So weit bin ich noch nicht. Es war zu lange verboten, um es jetzt so hinzunehmen. Das hat mein Leben schon ein Stück weit beschnitten.“

Macht er der Kirche da Vorwürfe? „Nein, Vorwürfe mache ich niemanden. Aber ich glaube schon, dass sie ... vielleicht unbeabsichtigt ... Man hat viel kaputt gemacht.“

Die Kirche ist gespalten

Einige Stunden nach dem Interview: Das konservative Portal kath.net hat einen Artikel veröffentlicht, der den konservativen Walter Kardinal Brandmüller zu Wort kommen lässt. Wahre Ursache des Missbrauchs in der katholischen Kirche, sagt Brandmüller in diesem Text, sei die Homosexualität.

Brandmüller ist einer von denen, die viel kaputt gemacht haben. Gerhard Ludwig Kardinal Müller zählt ebenfalls zu dieser Fraktion. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sagte er, Homosexualität sei seiner Meinung nach nicht gottgewollt.

Die Kirche ist gespalten in der Frage der Homosexualität. Während einige Bistümer in Eigenregie Queer-Gottesdienste anbieten und Beratungen für Homosexuelle organisieren, verhärten andere nach dem Öffentlichwerden des Missbrauchskandals ihren Antikurs.

Die Kirche überlebt vor allem dank derer, die sie ausschließt

Interessant wäre, was passierte, würden alle in der Kirche aktiven Homosexuellen sich bekennen. Täten sie es, müsste die Kirche wie im Fall der Frauen feststellen, dass sie vor allem dank derer überlebt, die sie offiziell ausschließt.

Sie könnten den Weg ebnen, dass kein Katholik mehr jahrelange Findungsphasen durchleben muss, in denen er sich fragt, ob er nun Sünder ist oder nicht. Outings wie die von Jonas Selisko und Bernd Mönkebüscher sind auch so schon schwer genug.

Info: Siegfried Modenbach: „Liebe hat viele Gesichter.“ Bonifatius Verlag. 136 Seiten, 9,90 Euro.

„Wir lenken nicht in eine Richtung“

Andreas Heek, Leiter der Arbeitsstelle für Männerseelsorge der deutschen Diözesen. Quelle: privat

Herr Heek, wohin wende ich mich, wenn ich schwul bin und Beratung in meiner Kirche suche?

Dazu können Sie sich an Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen der Bistümer wenden. Einige dieser Stellen schreiben das Angebot der Beratung für Homosexuelle explizit auf ihre Website, andere nicht. Beispielsweise in Ostdeutschland finden sich diese Hinweise noch selten. Die Menschen, die in den Beratungsstellen arbeiten, sind aber in jedem Fall kompetent. Sie sind allesamt therapeutisch ausgebildete Psychologen oder Sozialpädagogen. Ihre Beratung ist zwar religiös fundiert, aber das bedeutet nicht, das sie in jedem Fall die offizielle Kirchenlehre vertreten. Beratung und Therapie sind per se ergebnisoffen und haben nicht die Aufgabe, Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Aber von Bistum zu Bistum variiert die Haltung gegenüber Homosexuellen?

Sie sollten zumindest nicht zum nächstbesten Pfarrer gehen. Da kann es sein, dass der Ihnen nicht gerecht wird. Die Beauftragten für Homosexuellenpastoral wissen jedoch, an wen man sich wenden muss. Meiner Erfahrung nach geht es bei diesen Gesprächen in der Regel weniger um die sexuelle Orientierung als solche, sondern eher um die Frage nach der Akzeptanz in der Gemeinde.

Wie sehen diese Fragen dann aus?

Am wichtigsten ist die Frage: Werde ich in der Kirche ausgegrenzt? Da ist es wichtig zu vergewissern: Ja, ihr seid gewollt. Ja, ihr habt hier in der Kirche einen Ort. Dann ist da die Frage: Wenn die Kirche meine Homosexualität ablehnt, tut Gott das auch? In solchen Fällen muss man das eigene Verhältnis zu Gott betrachten helfen und das eigene Christsein. Die Aufgabe von Seelsorge und Beratung besteht dann darin, den Ratsuchenden dahin zu begleiten, dass er in sich hineinhorcht, um dann festzustellen: Es ist keine Strafe, dass man so ist, wie man ist. Da muss man zusammen am Gottesbild arbeiten und zeigen, dass man davon ausgehen kann, dass Gott alles, was er geschaffen hat, für gut befindet, also auch den Betreffenden mit seiner homosexuellen Veranlagung. Das gilt auch bei Eltern, die nicht wissen, wie sie mit der homosexuellen Hochzeit ihrer Kinder umgehen sollen.

Was schwierig ist, wenn immer wieder das Gegenteil zu hören ist.

Deshalb ist es so wichtig, mit den richtigen Personen zu sprechen. Veraltete psychologische Theorien und Bibellesarten sind immer noch weit verbreitet. Seit Jahrzehnten gibt es von der Öffentlichkeit den Wunsch, sich der theologischen Diskussion über Homosexualität zu stellen. Das sind Hausaufgaben, die die Kirche jetzt machen muss.

Von Julius Heinrichs

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