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Panorama Zehn Jahre Haft für Missbrauch der Stiefkinder
Nachrichten Panorama Zehn Jahre Haft für Missbrauch der Stiefkinder
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16:59 18.11.2010
Quelle: dpa
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Zehn Jahre muss ein 46 Jahre alter Mann aus Munster (Kreis Soltau-Fallingbostel) ins Gefängnis, weil er seine Stieftochter und zeitweilig auch den Stiefsohn sexuell missbraucht hat. Das Mädchen musste sieben Jahre lang unter seinem Stiefvater leiden. Der Angeklagte bestritt vor Gericht, sich an der heute 16-Jährigen und ihrem zwei Jahre älteren Bruder vergangen zu haben.

Das Lüneburger Landgericht verurteilte den Mann am Donnerstag wegen 21 Taten, 11 davon gelten als schwerer sexueller Missbrauch. Zudem muss der Stiefvater 20 000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Das Martyrium des Mädchens hatte mit sechs Jahren begonnen, aber nichts kam über die Lippen des Kindes. Immer wieder musste die Kleine den Stiefvater oral oder mit der Hand befriedigen, so auch in der Küche beim Kochen und in einer Waldhütte. Mit zwölf vergewaltigte der Mann das Kind das erste Mal. Nach schriftlichen Schilderungen des Mädchens hatte er vorhergehende Versuche abgebrochen, weil sie dabei Schmerzen erlitt.

Erst als ihr heute 18-jähriger Bruder 2008 nach einem Arztbesuch der Mutter von dem Missbrauch erzählte, kam es zur Anzeige. Die Frau schmiss ihren Mann kurzfristig aus der Wohnung und ging mit dem Sohn zur Polizei. Danach wurde auch das Mädchen vernommen, das zu dem Zeitpunkt bereits wegen Selbstverletzungen monatelang in der Jugendpsychiatrie behandelt werden musste.

Die Mutter machte jedoch bald eine Kehrtwende, bezichtigte ihre Tochter der Lügen und nahm ihren Mann wieder auf. Kompliziert wurde es für die Richter auch, weil der Stiefsohn des angeklagten Arbeitslosen seine Aussage wenig später zurückzog. Er erklärte, er und seine Schwester hätten den Stiefvater mit einem Komplott loswerden wollen.

Das Gericht brauchte deshalb auch Glaubwürdigkeitsgutachten. In seiner ersten Beschuldigung hatte der Jugendliche vier Missbrauchsfälle auf drei Seiten detailliert beschrieben. „Wir glauben nicht, dass das erfunden ist“, sagte Richter Axel Knaack.

Nach 41 Prozesstagen hatte die Staatsanwaltschaft 12 Jahre Haft gefordert, die Verteidigung setzte auf Freispruch. Ursprünglich war der fünffache Vater wegen 222 Fällen angeklagt. Bei einem Großteil sei es um manuelle Befriedigung gegangen, sagte der Vorsitzende Richter Axel Knaack. Vieles sei zeitlich nicht zuzuordnen gewesen.

dpa