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Panorama Zwischen Glamour und Gewissen
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22:24 19.01.2012
Ungewöhnlicher Laufsteg: Auch im „Green Showroom“ geht es um Nachhaltigkeit – der Luxus soll dabei aber bitte nicht zu kurz kommen.
Ungewöhnlicher Laufsteg: Auch im „Green Showroom“ geht es um Nachhaltigkeit – der Luxus soll dabei aber bitte nicht zu kurz kommen. Quelle: dpa
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Berlin

Ein wenig sieht es so aus, als hätte sich Pop-Art-Ikone Jackson Pollock auf einem weißen T-Shirt verewigt. Doch dann wäre der Preis von 119 Euro mehr als ein Schnäppchen. Der österreichische Designer Mathias Seemann stellt in Handarbeit T-Shirt-Unikate her. Er nutzt dabei Baumwolle als Leinwand. Kunst am Leib, sozusagen. „Keine Angst, das kann man ganz normal waschen“, erklärt die Verkäuferin im Hummel Flagship Store in Berlin-Mitte.

Der Laden für dänische Luxus-Sportkleidung ist einer von vielen Shops, Gallerien und Ateliers, die an den „Showroom Days“ der Berliner Modewoche teilnehmen. Hier gibt es Kollektionen von jungen Modemachern zu sehen – für alle Interessierten frei zugänglich. Auf diese Art öffnet sich der Modezirkus zumindest ein wenig in Richtung Laienpublikum. Denn das große Zelt am Brandenburger Tor mit täglich bis zu zwölf Shows ist nur VIPs, Branchenvertretern und Journalisten zugänglich. Alle anderen stehen draußen im Regen und hoffen darauf, Promis wie Dana Schweiger oder Klaus Wowereit vorbeihuschen zu sehen. Den kostspieligen Auftritt auf diesem Catwalk können sich nur wenige leisten, Berlin hat jedoch mehr zu bieten: Acht Modeschulen zählt die Hauptstadt, geschätzte 800, überwiegend junge Designer halten sich hier über Wasser. Sie finden in den Showrooms eine wichtige Einstiegsplattform. „Are you poor enough?“ lautet das diesjährige Motto in Anspielung auf die eher verträglicheren Preise in diesem Segment. Obwohl natürlich auch dort kein Outfit weniger als 200 Euro kostet.

Im „Nude Showroom“ im angesagten Hackeschen Quartier ist ein Querschnitt von Labels ehemaliger Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft ausgestellt, die einen Fachbereich für Modedesign hat. DJs legen dort auf, der Kühlschrank ist gefüllt mit Energy-Getränken. Auch bei der „Nude“ gibt es T-Shirts, geschüttelt, nicht gerührt. „Instantcolorprodukt“ nennen die Hersteller von Onitdemon ihr Prinzip: Ein weißes Shirt liegt in einem Plastikbeutel. Der Kunde schüttet Wasser dazu – und augenblicklich verfärbt sich die Baumwolle blau, rot, grün oder gelb. Die Schütteltechnik macht das Muster.

„Das smarte Modelabel aus Berlin“, nennt sich Onitdemon. Die Selbstbeschreibung klingt etwas pathetisch: „Gibt dir die Bekleidung, die du zum Überleben in der stressvollen Welt da draußen brauchst.“ Nun, zumindest im „Nude Showroom“ hält sich der Stress in Grenzen. Die Besucherzahl ist überschaubar. Etwas wuseliger geht es bei der „Ethical Fashion Show“ im E-Werk in Nähe des Checkpoint Charlie zu. Nachhaltigkeit und Umweltschutz stehen hier im Vordergrund. Das heißt nicht, dass auf den Kleiderstangen graue Jutehemdchen baumeln. Viele kleine Labels sind viel weiter, als der gemeine H&M-Kunde ahnt. Es gibt Trainingsjacken aus recycelten PET-Flaschen, Kleider, bei denen der Wasserverbrauch für die Herstellung im Etikett mit angegeben ist.

Das Wiener Label Milch zum Beispiel setzt ebenso konsequent wie originell auf Wiederverwertung: Aus Herren-Tweedhosen werden Damen-Miniröcke. Aus der Gesäßtasche eines Anzugs eine Mütze für Damen – und natürlich „alles handgenäht unter fairen Arbeitsbedingungen“.

Handgemachtes gibt es auf der Streetwear-Messe Bread & Butter in den Hallen des geschlossenen Flughafens Tempelhof. Wie die Schuhe der belgischen Firma N.D.C. made by hand, die pünktlich zur Modewoche einen Laden in Berlin eröffnet hat. In erster Linie geht es auf dieser umsatzstarken Messe um massentaugliche Ware, vornehmlich Jeans. Die Wirtschaftskrise schlägt sich jedoch auch in der Modebranche nieder. Hinzu kommt – zumindest für das Geschäft mit warmen Jacken – der nicht vorhandene Winter in Deutschland. „Das wird eine harte Runde“, glaubt Messechef Karl-Heinz Müller. Mit Replay und Diesel sind zwei italienische Großmarken dieses Mal nicht dabei. „Der Markt in Italien ist gerade nicht sehr einfach, das ist kein Geheimnis“, sagt Müller.

Auch wenn er bei der Vergabe der Messeplätze nicht zwischen ökologisch korrekten und anderen Unternehmen unterscheiden will, ist für Müller klar, dass billige Textilien trotzdem einen hohen Preis haben. „Es sollte weniger Trash produziert und verkauft werden. Wenn die Reinigung eines Hemdes mehr kostet als das Hemd selbst, kann etwas nicht stimmen.“

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