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Deutschland / Weltweit 100.000 demonstrieren mit Menschenkette gegen Atomkraft
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit 100.000 demonstrieren mit Menschenkette gegen Atomkraft
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21:23 24.04.2010
Die Demonstranten wollten zwei Tage vor dem 24. Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl ein Zeichen gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung setzen.
Die Demonstranten wollten zwei Tage vor dem 24. Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl ein Zeichen gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung setzen. Quelle: dpa
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Bei einer der größten Anti-Atom- Demonstration der vergangenen Jahrzehnte haben sich am Samstag rund 100 000 Menschen im Norden zu einer Menschenkette aufgestellt. Die 120 Kilometer lange Schlange reichte vom Atomkraftwerk in Brunsbüttel entlang der Elbe durch Schleswig-Holstein und Hamburg bis zum Meiler Krümmel in Geesthacht. Der Veranstalter „KettenreAktion“ sprach wie auch zunächst die Polizei von 120 000 Teilnehmern - später reduzierte die Polizei ihre Angaben auf knapp unter 100 000. Umweltverbände, Gewerkschaften, Kirchen und Parteien hatten zu der Demo aufgerufen.

Die Demonstranten wollten zwei Tage vor dem 24. Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl ein Zeichen gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung setzen. Große Teile von FDP und CDU/CSU sowie die großen Energiekonzerne fordern, die Atomkraftwerke in Deutschland deutlich länger am Netz zu lassen, als im Atomkonsens festgelegt.

Die Demonstranten kamen nach Angaben der Veranstalter mit drei Sonderzügen und 240 Bussen aus ganz Deutschland zu 124 Sammelpunkten. „Wir sind wieder da, bunter und vielfältiger als jemals zuvor“, sagte der Sprecher des Trägerkreises, Jochen Stay. „Wir lassen jetzt nicht mehr locker. Wenn die Bundesregierung an ihrem Atom-Kurs festhält, wird die neue Protest-Bewegung weiter zulegen.“ Die Pannen-Reaktoren Krümmel und Brunsbüttel müssten jetzt endgültig stillgelegt werden, forderte er.

Mehrere hundert Beamte waren im Einsatz. Alles blieb friedlich, es kam aber zu Verkehrsbehinderungen. „Wenn das Thema nicht so ernst wäre, könnte man von einem Straßenfest sprechen“, sagte Jessica Wessel vom Landespolizeiamt Schleswig-Holstein.

Auf dem Hamburger Rathausmarkt reihte sich der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, ein. „Es hat auch was damit zu tun, dass man als Familienvater seinen Beitrag dazu leisen möchte, dass diese unbeherrschbare Technologie so schnell wie möglich vom Erdboden verschwindet“. Özdemir wertete die Aktion auch als Signal für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai. “Über die Mehrheit im Bundesrat haben wir eine Chance, mehr Atommüll, mehr Unsicherheit, mehr Atomenergie zu verhindern.“

In Geesthacht (Kreis Herzogtum-Lauenburg) bildeten Atomkraftgegner aus dem Wendland das östliche Ende der Kette am Meiler Krümmel. In sieben Orten an der Strecke gab es anschließend Veranstaltungen mit Musik von Künstlern wie Jan Delay oder Microphone Mafia. Gabriel: Längere Laufzeiten sind arbeitspolitischer Wahnsinn

In Elmshorn (Kreis Pinneberg) reihten sich der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und der Grünen-Politiker Jürgen Trittin ein. „Längere Laufzeiten für Kernkraftwerke sind arbeitspolitischer und energiepolitischer Wahnsinn“, sagte Gabriel. Sie würden Arbeitsplätze vernichten und den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland blockieren. „SPD und Grüne stehen weiterhin zu dem von ihnen gemeinsam beschlossenen Ausstiegsprogramm.“. Die Menschenkette sei ein unübersehbares Zeichen gegen die Atompolitik der Bundesregierung.
Die Grünen-Politikerin Christa Goetsch, die als Schulsenatorin in Hamburg in einer Koalition mit der CDU regiert, unterstrich die Notwendigkeit des Protests gegen Laufzeitverlängerungen: „Für mich ist die Menschenkette eine ganz wichtige Demonstration zu zeigen, (...) dass es ein Wahnsinn ist, was da gerade in Berlin geplant wird. Man kann nicht genug protestieren dagegen.“

Die Menschenkette blieb nicht die einzige Aktion der Anti-Atom- Bewegung am Samstag. Mehr als 8000 Menschen demonstrierten im hessischen Biblis. Biblis Block A ist Deutschlands ältester noch laufender Atommeiler. Auch vor dem Zwischenlager im nordrhein- westfälischen Ahaus demonstrierten einige tausend Menschen.

dpa