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Deutschland / Weltweit Mit 14 Jahren zum IS, mit 18 als Terrorist verurteilt
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Mit 14 Jahren zum IS, mit 18 als Terrorist verurteilt
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16:15 15.01.2019
Ein Mann geht im Februar 2017 in Mossul, Irak, in der Nähe des Flughafens an einem von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Brand gesetzten Haus vorbei. Quelle: Berci Feher/ZUMA Wire/dpa
Stuttgart

Weil er sich als Jugendlicher der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen hat, ist ein Iraker vom Oberlandesgericht Stuttgart zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Der Senat sah es als erwiesen an, dass sich der Angeklagte im Alter von 14 Jahren dem IS zugewandt und sich – bewaffnet mit einem Maschinengewehr – an Kämpfen gegen die irakische Armee beteiligt hatte. Der heute 18-Jährige wurde unter anderem wegen Totschlags in Tateinheit mit mitgliedschaftlicher Beteiligung an einer ausländischen terroristischen Vereinigung schuldig gesprochen.

Der Senat habe keinen Zweifel an der Strafreife des Angeklagten, führte der Vorsitzende Richter aus. „Er wusste, dass es unrecht ist, dieser Organisation beizutreten“, so Hartmut Schnelle. „Einer ganz besonders brutalen und menschenverachtenden Terrororganisation.“ Bei der Einnahme Mossuls im Jahr 2014 habe der Jugendliche die Gräueltaten miterlebt. Dennoch habe er 2015 einen Stützpunkt der Terroristen aufgesucht und sich beworben - „weil ihm die Macht des IS und der bewaffnete Kampf generell begeisterten“.

Vater vom IS erschossen

Die familiäre Situation habe zu der Entscheidung beigetragen. Nachdem der Vater im Jahr 2008 – laut Gericht wahrscheinlich von einer Vorgängerorganisation des IS – auf offener Straße erschossen wurde, sei sein ältester Bruder zum Familienoberhaupt geworden. Immer wieder sei er vom Bruder blutig geschlagen und gequält worden, so erzählt es der 18-Jährige zu Beginn der Staatsschutzverhandlung im November 2018 fließend auf Deutsch.

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Auch zu seiner Zeit beim IS äußerte er sich bereits während der Ermittlungen ausführlich. Das Gericht stütze sich zum größten Teil auf diese Angaben, betonte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte lernte demnach in einer mehrwöchigen Ausbildung das Töten mit bloßen Händen, Messern oder Handgranaten. Danach leistete er Wachdienste. „Diese Tätigkeit langweilte den Angeklagten jedoch“ und er habe sich freiwillig einer kämpfenden Einheit angeschlossen.

2016 nach Deutschland zurückgekehrt

Nachdem er sich bei einem Einsatz aber allein gelassen und verraten gefühlt habe, habe er nach rund einem Jahr dem IS den Rücken gekehrt. Laut Ermittlern verließ er den Irak in Richtung Europa, im Februar 2016 kam er nach Deutschland und wurde im Juni 2018 bei Heidelberg festgenommen. Obwohl er beim IS religiös-fundamentalistisch unterwiesen worden sei, zeige der Angeklagte, dessen Asylantrag abgelehnt wurde und der mit einer Duldung hier lebt, heute keine derartige Gesinnung, so der Vorsitzende Richter.

Richter: Haftzeit für den Neustart nutzen

„Wenn Sie lernen, das Unrecht zu erkennen und das Maß der Schuld, die sie auf sich geladen haben“, wandte sich Schnelle mit seinen letzten Sätzen direkt an den Angeklagten, „und wenn Sie dann noch die Haftzeit für eine schulische und berufliche Ausbildung nutzen, dann wird Ihnen ein Neustart in Ihrem Leben gelingen.“ Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Angeklagte betonte nach der Verhandlung, er wolle die Strafe akzeptieren.

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Von RND/dpa

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