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Deutschland / Weltweit 24 Tote bei blutigen Kämpfen im Gazastreifen
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14:17 16.08.2009
Palästinenser tragen einen ranghohen Hamas-Funktionär zu Grabe.
Palästinenser tragen einen bei den Kämpfen getöteten ranghohen Hamas-Funktionär zu Grabe. Quelle: afp
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Palästinensischen Rettungskräften zufolge wurden bei den mehrstündigen Schusswechseln am Wochenende zudem mindestens 130 Menschen verletzt. Die Palästinenserorganisation Fatah beendete ihren Kongress und wählte erstmals einen israelischen Juden in ihre Führung.

Die Kämpfe nahe Rafah an der Grenze zu Ägypten hatten am Freitagabend begonnen und dauerten bis Samstag an. Nach Augenzeugenberichten stürmte die radikalislamische Hamas eine Moschee in Rafah, in die sich Mitglieder der Gruppe Dschund Ansar Allah zurückgezogen hatten.

Unter den Toten sind den Rettungskräften zufolge der Chef der fundamentalistischen Gruppe, Abdelatif Mussa, und sein Stellvertreter Abu Abdallah Assuri. Auch der militärische Hamas-Führer für die südliche Region des Gazastreifens sowie fünf Hamas-Polizisten wurden getötet. Vier der Verletzten seien „klinisch tot“, viele andere „schwer getroffen“ worden, teilten die Rettungskräfte mit. Die Hamas-Polizei nahm nach eigenen Angaben 80 Menschen fest, die sie der Gruppe zuordnet.

Die Stürmung der Stellung der Fundamentalisten erfolgte, nachdem Mussa am Freitag ein „Islamisches Emirat“ ausgerufen hatte. Dabei stellte die bewaffnete Gruppe die Vorherrschaft der Hamas-Bewegung im Gazastreifen in Frage.

Dschund Ansar Allah („Die Soldaten der Jünger Gottes“) strebt eine strikte Anwendung des islamischen Rechts an und wirft der Hamas vor, in sittlichen Fragen zu liberal zu sein. Sie steht dem internationalen Terrornetzwerk El Kaida nahe und zählt palästinensischen Experten zufolge dutzende bewaffnete Kämpfer und hunderte Sympathisanten. Sie ist vor allem im südlichen Gazastreifen aktiv. Augenzeugen zufolge drohte sie dort bereits mehreren Besitzern von Internetcafés damit, ihre Häuser anzuzünden. Zudem will sie in der Region eine strengere Kleiderordnung auf den Straßen und am Strand durchsetzen.

Die Hamas warf der Gruppe indirekt Verbindungen zur Palästinensischen Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vor. Die Gruppe habe „weite Verbindungen zu den alten Sicherheitskräften“, sagte ein Hamas-Sprecher. Die Organisationen würden „kooperieren“, um „Instabilität und Unsicherheit“ in den Gazastreifen zu bringen.

Die Autonomiebehörde wies jede Verantwortung für die Kämpfe zurück. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen seien die „natürliche Folge des Putsches“ und der „Abwesenheit eines Rechtsstaates“ im Gazastreifen. Die Hamas hatte im Juni 2007 gewaltsam die Macht in dem Küstenstreifen übernommen.

Die Fatah beendete am Samstag ihren ersten Kongress seit 20 Jahren. Während des elftägigen Treffens in Bethlehem wählten die Delegierten ihre Führungsgremien neu und verabschiedeten ein neues Programm. Abbas wurde an der Spitze der Fatah bestätigt. Die rund 2000 Delegierten vollzogen dabei wie schon beim Zentralkomitee auch beim Revolutionsrat einen Generationenwechsel: Für die 80 der 120 Mandate, die zur Wahl standen, wurden 70 meist jüngere Kandidaten neu in das Gremium berufen. Unter ihnen waren auch elf Frauen sowie erstmals ein israelischer Jude.

afp