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Deutschland / Weltweit Attacke auf die Royal Bank of Scotland
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Attacke auf die Royal Bank of Scotland
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10:13 02.04.2009
Krawalle vor der Royal Bank of Scotland. Quelle: Leon Neal/afp
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„Revolution, Revolution!“, forderten Sprechchöre überwiegend junger „Antikapitalisten“. Einige skandierten „Stürmt die Banken!“ Manche taten es. Einer Gruppe gelang es, in ein Gebäude der Royal Bank of Scotland (RBS) einzudringen. Mobiliar und Akten flogen aus zertrümmerten Fensterscheiben. Andere Demonstranten attackierten die zum Londoner Weltwirtschaftsgipfel angereisten Staats- und Regierungschefs für ihr „Desinteresse an den Armen und Vergessenen in ihren Ländern“ und für „einen generellen Mangel an Demokratie“.

Die Demonstranten waren unterm Banner eines „G-20-Meltdown“ als „Reiter der Apokalypse“ in Form von vier Kolonnen von vier City-Bahnhöfen aus zur Bank von England gezogen. Die gelbe Linie der Polizisten schien zeitweise dünn, im heftigen Gedränge vor den Säulen der Zentralbank und der Royal Exchange, im Herzen des britischen Finanzbezirks. Zusätzlich zu den Demonstranten an der Threatneedle Road waren in Bishopsgate Klima-Aktivisten und Umweltschützer aufmarschiert, um in einer eigenen Aktion vor Londons CO2-Börse den Zusammenhang zwischen ökonomischer und ökologischer Krise aufzuzeigen.

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Ein „Klima-Camp“ mit Zelten und Ständen proklamierte ein auf 24 Stunden angelegtes grünes Protestlager. Die Organisatoren dieser Kundgebung hatten sich in den letzten Monaten schon in großer Zahl gegen diverse Kraftwerke und den Ausbau des Flughafens Heathrow engagiert. Eine separate Gruppe grüner Verbände manövrierte einen Eisberg zum G-20-Konferenzzentrum in den Ost-Londoner Docklands.

Auf dem Trafalgar Square und vor der Londoner US-Botschaft eröffneten zugleich Gegner des Irak- und des Afghanistan-Kriegs, zusammen mit Veteranen der Antiatomwaffen-Bewegung CND eine dritte Protestfront. Die Veranstalter hatten gewaltlose Demonstrationen versprochen, doch die Polizei war – an allen Fronten – für Zusammenstöße gerüstet. 5000 Beamte bot die Metropolitan Police an diesem Tag in London auf. Insgesamt wurden über 30#000 Polizisten in Reserve gehalten. Mehr als 7 Millionen Pfund wurden für die Sicherheitsaktionen ausgegeben.

Vorabberichte über drohende „Guerillaaktionen“ und Anarchistenüberfälle auf Banken und Bankangestellte hatten die Nervosität angeheizt und zur massiven Absicherung der gesamten City durch die Polizei geführt. Einige Banken und Firmen hatten sich verbarrikadiert, andere ihren Angestellten geraten, zu ihrem eigenen Schutz in Freizeitkleidung zur Arbeit zu kommen.

Die Stimmung am Mittwoch war aber zunächst einmal entspannt. Die meisten Demonstranten beließen es bei lautstarken Auftritten und theatralischen Mitteln. Eine Minderheit, vor allem in den vordersten Reihen, geriet in Handgreiflichkeiten mit den Ordnungskräften. Festgenommen wurde eine Gruppe, die in Uniformen auf einem Panzerwagen in die City einzufahren suchte. Ein paar Randalierer wurden im Laufe des Nachmittags wegen Übergriffen auf Polizisten verhaftet. Für die Nacht aber wurden Ausschreitungen befürchtet.

von Peter Nonnenmacher