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Deutschland / Weltweit Aufstand der "letzten Generation" beim Klimagipfel
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Aufstand der "letzten Generation" beim Klimagipfel
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21:55 13.12.2009
Unter Tausenden Bannern mit der Forderung nach sofortigem Handeln und für Klimagerechtigkeit waren Menschen aller Altersgruppen, Sprachen und Nationalitäten in der Überzeugung vereint
Unter Tausenden Bannern mit der Forderung nach sofortigem Handeln und für Klimagerechtigkeit waren Menschen aller Altersgruppen, Sprachen und Nationalitäten in der Überzeugung vereint Quelle: ddp
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Ja, ihr habt recht. Geredet haben wir genug. Jetzt müssen wir handeln!“ Connie Hedegaard, die Präsidentin der UN-Klimakonferenz, hat die Botschaft verstanden, die ihr Zehntausende draußen vor dem Kopenhagener Bella Center zurufen. „Bla bla bla, Taten jetzt!“, skandieren sie und „Planet first, People first“ (Zuerst der Planet, zuerst die Menschen), das Motto, unter dem die Menschen die sechs Kilometer vom Schlossplatz vor dem Parlament bis zum Tagungszentrum gezogen sind. 18 Segel haben sie mitgeschleppt, auf die sie ihre Forderungen schrieben, und die eine Delegation an Hedegaard und UN-Klimachef Yvo de Boer übergab. „Der Klimawandel untergräbt die Lebensbedingungen der Menschen“, sagt Irlands Expräsidentin Mary Robinson als Sprecherin der Demonstranten und fordert von der Konferenz „tiefe Einschnitte in die Treibhausgasemissionen“ und „mindestens 200 Milliarden Dollar jährlich“, um den ärmsten Ländern bei der Anpassung zu helfen, und zwar „neues Geld“, nicht umgewidmete Armutshilfe.

Mit an die 100 000 Teilnehmern wurden selbst die kühnsten Erwartungen der mehr als 500 Organisationen aus 67 Ländern, die zu der Demonstration gerufen hatten, weit übertroffen. Auch die Polizei, die anfangs mit viel niedrigeren Zahlen operierte, musste schließlich einräumen, dass die Schätzungen der Veranstalter wohl stimmten. Rund um den Erdball fanden gleichzeitig ähnliche Klimamanifestationen statt.

„Die Erde sagt: es reicht!“ „Es gibt keinen Planeten B!“ „Die Natur macht keine Kompromisse!“ Unter Tausenden Bannern mit der Forderung nach sofortigem Handeln und für Klimagerechtigkeit waren Menschen aller Altersgruppen, Sprachen und Nationalitäten in der Überzeugung vereint, dass die Gipfelpolitiker eine derart machtvolle Kundgebung nicht überhören können. Verkleidete Eisbären, Schneemänner und Klima-Schutzengel marschierten mit, große Organisationen und winzige Selbsthilfegruppen, Vegetarier und Atomkraftgegner, Gewerkschafter und Mönche. „Wir sind die letzte Generation, die verhindern kann, dass der Klimawandel unwiderruflich wird“, rief Angelique Kidjo, Popstar aus Benin, in die Menge, „wir müssen die Politiker in die Verantwortung nehmen!“

Während sich der kilometerlange Zug singend, tanzend, trommelnd und frierend dem Konferenzzentrum näherte, schlug die Polizei gegen eine Gruppe von Nachzüglern zu. Als einige Vermummte Steine und Feuerwerkskörper schleuderten, kesselte die Ordnungsmacht mehrere Hundert Demonstranten ein und zwang sie, mehrere Stunden lang gefesselt auf dem eiskalten Pflaster zu sitzen. Dann wurden sie in die eigens für den Klimagipfel in einer alten Lagerhalle eingerichteten Käfigzellen gebracht, in der die Polizei infolge verschärfter Strafbestimmungen Aktivisten „vorbeugend“ bis zu zwölf Stunden festhalten kann. 968 wurden festgenommen, die größte Massenverhaftung der dänischen Geschichte, doch im Lauf der Nacht waren 955 wieder freigelassen, und nur drei sollten wegen Gewalttätigkeit einem Haftrichter vorgeführt werden. Ein Polizeisprecher bedauerte, dass Unschuldige „mitgefangen“ worden seien, die Aktion sei aber notwendig gewesen, um schwerere Unruhen zu verhindern.

Am Sonntag nahmen die Sicherheitskräfte erneut etwa 200 Menschen in Gewahrsam. Die Veranstalter sprachen von einer „unverständlichen Überreaktion“ der Polizei und einer „Kriminalisierung friedlicher Klimaaktivisten.“

von Hannes Gamillscheg