Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Ausländer füllen deutsche Sozialkassen
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Ausländer füllen deutsche Sozialkassen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 30.11.2014
In Deutschland lebende Ausländer zahlen insgesamt deutlich mehr Steuern, als sie an Sozialleistungen vom Staat beziehen.
In Deutschland lebende Ausländer zahlen insgesamt deutlich mehr Steuern, als sie an Sozialleistungen vom Staat beziehen. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Die 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass sorgten danach allein 2012 in den Sozialkassen für einen Überschuss von insgesamt 22 Milliarden Euro, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Studie. Umgerechnet zahlt jeder Ausländer laut Studie pro Jahr und im Schnitt 3300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben, als er an staatlichen Transferleistungen zurückerhält. Dieses Plus pro Kopf sei in den vergangenen zehn Jahren um über die Hälfte gestiegen. Dabei zahlten 67 Prozent der hier lebenden Ausländer mehr Steuern, als sie an Transferleistungen des Staates zurückerhalten. Bei den Deutschen sind dies nur 60 Prozent.

Die Studie widerlegt ein gängiges Vorurteil: Nach einer aktuellen Meinungsumfrage der Bertelsmann-Stiftung sind zwei Drittel der Deutschen davon überzeugt, dass Zuwanderung die Sozialsysteme nur belaste. „Die Untersuchung der Wirtschaftsforscher spricht eine andere Sprache und kann zur Versachlichung der Debatte beitragen“, sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Der Beitrag der Ausländer zu den öffentlichen Haushalten könnte aus Sicht der Forscher noch erheblich größer werden, wenn sich ihr Bildungs- und Qualifikationsniveau erhöhe. Wenn die bereits heute in Deutschland lebenden Ausländer unter 30 Jahren durchschnittlich das gleiche Bildungsniveau erreichten wie die Deutschen und dadurch im Job entsprechend besser verdienten, würde diese Altersgruppe über ihre gesamte Lebenszeit 118.400 Euro pro Kopf mehr an Steuern und Abgaben zahlen, rechnen die Forscher vor. „Gute Bildungspolitik ist die beste Integrationspolitik“, sagte Stiftungsvorstand Dräger. Dabei sei das Qualifikationsniveau der Zuwanderer in den vergangenen Jahren bereits merklich gestiegen.

Die Forscher verweisen darauf, dass laut Mikrozensus bereits 2009 drei Viertel aller ausländischen Bürger zu den Hoch- und Mittelqualifizierten zählten. Eine langfristige Stabilisierung der Staatshaushalte sei auch über qualifizierte Zuwanderung zu erreichen, sagte der Autor der Studie, Holger Bonin. „Je besser qualifiziert die Zuwanderer, desto höher ist ihr Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen Kassen.“ Nach seiner Hochrechnung könnte jeder Bürger in Deutschland um mehr als 400 Euro jährlich fiskalisch entlastet werden, wenn künftig mindestens 200.000 Zuwanderer pro Jahr nach Deutschland kämen – und 30 Prozent von ihnen hoch- und weitere 50 Prozent mittelqualifiziert wären. Bis Ende 2013 war die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer ohne deutschen Pass laut Zentralregister auf 7,6 Millionen angestiegen. 2014 wird ein weiterer Zuwachs an Flüchtlingen wegen der weltweiten Konflikte, unter anderem in Syrien, erwartet. Unter den Asylsuchenden befinden sich zum Teil hochqualifizierte Arbeitskräfte.   

Zuwanderung in Zahlen

Nach den USA ist Deutschland inzwischen das zweitbeliebteste Einwanderungsland der Welt. Ein Überblick in Zahlen:
16 Millionen Menschen, die heute in Deutschland leben, haben ausländische Wurzeln. Die Zahl steigt stetig. Jeder dritte dauerhafte Zuwanderer kommt aus der Europäischen Union.
60 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund haben einen deutschen  Pass. Rund ein Drittel ist in Deutschland geboren.
Gut 1,2 Millionen Menschen sind allein im vergangenen Jahr nach Deutschland gezogen – das sind so viele wie seit 20 Jahren nicht. Zieht man diejenigen ab, die das Land wieder verließen, bleiben immer noch 437 000 Menschen, die hier ein neues Zuhause suchen oder gefunden haben. Das häufigste Herkunftsland war Polen, gefolgt von Rumänien und Bulgarien. Für dieses Jahr liegen noch keine neuen statistischen Zahlen vor.
97 Prozent der Menschen mit ausländischen Wurzeln leben in den alten Bundesländern und in Berlin. Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall geht die Ost-West-Schere hier noch immer ganz weit auseinander.

Von Karl-Heinz Reith