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Deutschland / Weltweit Islamistische Radikalisierung in Deutschland lässt nach
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Islamistische Radikalisierung in Deutschland lässt nach
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06:52 29.01.2019
Verschleierte Salafistinnen bei einer Kundgebung in Offenbach. Das war 2014. Nun scheint die Radikalisierung nachzulassen. Quelle: epd
Berlin

Die Zahl der Beratungsfälle bei der Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ist von 2017 auf 2018 um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Das teilte eine Sprecherin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit.

An die Beratungsstelle können sich Angehörige von Menschen wenden, wenn es Hinweise auf eine islamistische Radikalisierung gibt – im Zweifel auch potenzielle Islamisten selbst.

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„Im Jahr 2017 verzeichnete die Beratungsstelle Radikalisierung 191 Beratungsfälle“, sagte die Bamf-Sprecherin. „Im Jahr 2018 lag die Zahl der Beratungsfälle bei über 80 und zeigt einen ähnlichen Trend wie die Anrufer-Zahlen.“

 Beratungsstelle Radikalisierung bearbeitet 2500 Fälle

Im vorigen Jahr hatte die Hotline 354 Anrufe entgegengenommen – bei 4300 Anrufen seit ihrer Gründung im Jahr 2012. Von 2012 bis 2015 vervierfachten sich dem Bamf zufolge die Zahlen und blieben 2016 und 2017 auf einem ähnlich hohen Niveau. Nun hätten sie sich „auf einem Niveau wie vor den Terroranschlägen in Ansbach und Würzburg eingependelt“.

Im gesamten Netzwerk der Beratungsstelle Radikalisierung seien mittlerweile rund 2500 Fälle bearbeitet worden. Zu beobachten ist nach Angaben der Sprecherin, dass die geschilderten Fälle teilweise komplexer geworden seien, zum Beispiel aufgrund vielfältiger Probleme und einer gestiegenen Zahl der beteiligten Akteure. Dies ziehe dann eine gesteigerte Betreuungsintensität nach sich.

BKA zählt 760 Gefährder

Die Anrufer in der Beratungsstelle Radikalisierung werden in der Regel an insgesamt neun zivilgesellschaftliche Träger verwiesen, die über das gesamte Bundesgebiet verstreut sind. Diese übernehmen die eigentliche Arbeit. Ziel ist, das weitere Abrutschen eines gefährdeten Jugendlichen oder jungen Erwachsenen ins salafistisch-islamistische Milieu zu verhindern.

Da, wo es dafür schon zu spät ist, lautet das Ziel, diese irgendwie aus der Radikalisierung zurück zu holen. Geht es um strafrechtlich relevante Sachverhalte, werden die Sicherheitsbehörden eingeschaltet. Zuvor war eine ähnliche Hotline beim Bundesamt für Verfassungsschutz auf wenig Resonanz gestoßen.

Die Zahl der islamistischen Gefährder liegt nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) bei derzeit 760. Damit ist sie seit zehn Monaten stabil. Ende März 2018 gab das BKA die Zahl ebenfalls mit 760 an – nachdem sie in den Jahren zuvor rasant gestiegen war. Etwa 1000 Islamisten sind seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges nach Syrien und in den Irak ausgereist.

Weniger neue Anschlagsversuche

Der Terrorismusexperte Peter Neumann vom King‘s College in London sagte dem RND: „Die Gefahr schwindet nicht. Die Zahl dschihadistischer Anschlagsversuche ist nach wie vor sehr hoch. Aber es kommen aktuell nicht viele neue Fälle dazu. Das hat viel mit dem Niedergang des IS in Syrien und dem Irak zu tun – der Enthusiasmus ist weg –, aber auch mit besserer Terrorismusbekämpfung und -prävention hierzulande.“

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hatte auf dem Territorium Syriens und des Irak ein „Kalifat“ errichtet, gilt aber mittlerweile aufgrund der militärischen Intervention Russlands sowie westlicher Staaten als weithin geschlagen. Das wiederum hat dazu geführt, dass die Anziehungskraft auf desorientierte junge Menschen in Deutschland und anderen Ländern stark nachgelassen hat.

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Zu koordinierten Terroranschlägen ist der IS nach Einschätzung deutscher Sicherheitskreise schon seit längerer Zeit kaum noch in der Lage. Die Gefahr geht stattdessen von so genannten „einsamen Wölfen“ aus, die sich auf den IS berufen oder von diesem instrumentalisiert werden.

Von Markus Decker/RND

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