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Deutschland / Weltweit Biblis statt Gorleben? Neue Ziele für Castor-Züge
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22:05 11.11.2010
Hell erleuchtet ist das Atomkraftwerk Biblis in Südhessen.
Das Atomkraftwerk Biblis in Südhessen. Quelle: dpa
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Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) schließt Castor-Transporte ins hessische Zwischenlager Biblis nicht aus. Erstmals bricht damit ein Regierungschef aus der bisherigen Abwehrfront der Länder aus, die sowohl bei der Rückholung abgebrannter Kernbrennstäbe aus dem Ausland wie auch in der Debatte um ein mögliches Endlager stets auf Gorleben verwiesen haben.

„Wenn ein Zwischenlager gesucht wird, können wir als Hessen nicht sagen, überall, nur nicht bei uns“, sagte Bouffier während eines Aufenthalts in Brüssel dem Hessischen Rundfunk.

Später bekräftigte der hessische Regierungschef, dass Niedersachsen auch in der Frage der Endlagerung Solidarität verdient habe: Sollte Gorleben als Endlager nicht geeignet sein, sei es Aufgabe aller Länder, sich darum zu bemühen. „Das ist eine nationale Aufgabe, das geht alle an.“ Davon könne sich niemand von vornherein ausschließen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bewertete die Aussagen des hessischen Ministerpräsidenten positiv. „Mit Bouffier zeigt die Union endlich ein Stückchen Verantwortungsbewusstsein in der Atomdebatte“, sagte Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer.

In Hessen löste Bouffier ein gemischtes Echo aus. Die Umweltministerin des Landes, Lucia Puttrich (CDU), sagte, die Genehmigung des Zwischenlagers in Biblis lasse derzeit die Lagerung von Castoren mit Abfällen aus der Wiederaufbereitung nicht zu. Hessens Grünen-Chef Tarek Al-Wazir kritisierte die widersprüchlichen Aussagen: „Der Ministerpräsident weiß nicht, was die Umweltministerin sagt und umgekehrt.“ Bouffier betonte, es gebe keinen Widerspruch, sondern es gehe um die generelle Frage, ob Hessen sich den aktuellen Fragestellungen entziehen könne.

Zuvor hatte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) angeregt, auch andere Länder könnten Castor-Behälter zwischenlagern. Am Donnerstag reagierte Sander erfreut über die Signale aus Hessen: „Endlich erkennt auch mal ein anderes Bundesland, dass Niedersachsen nicht alle Lasten tragen kann.“ Er hoffe, dass die Worte Boufiers auch in anderen Bundesländern gehört werden.

In Baden-Württemberg sagte ein Sprecher des Umweltressorts, er sehe keine großen Chancen für Sanders Vorschlag. Das bedeute aber „kein völliges Nein“.

Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) sagte gegenüber „Spiegel Online“, sein Land habe nun mal keinen mit Gorleben vergleichbaren Salzstock. „Und unsere Granit- und Tonschichten sind zu zerklüftet oder zu dünn.“ Niedersachsen ist aus geologischer Sicht einfach der bessere Standort. Dafür kann Bayern nichts. Aber wir werden uns dafür einsetzen, dass Niedersachsen auch eine Unterstützung aus dem geplanten Fonds für die erneuerbaren Energien erhält.

Michael B. Berger/dpa/ap