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Deutschland / Weltweit Brasiliens Regierung will Brandrodung in Trockenzeit verbieten
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Brasiliens Regierung will Brandrodung in Trockenzeit verbieten
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10:17 29.08.2019
Der Regenwald in Südamerika brennt - vor allem Brasilien ist betroffen. Seit Amtsantritt des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro haben die Waldbrände in dem Land stark zugenommen. Quelle: Xinhua/NOTIMEX/dpa
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Brasília

Angesichts der verheerenden Feuer in Brasilien will die Regierung Brandrodungen in der Trockenzeit verbieten. Innerhalb von 60 Tage sollen demnach keine Feuer gelegt werden dürfen, berichtete das Nachrichtenportal G1 am Mittwoch.

Ausnahmen sollen beispielsweise für die indigenen Gemeinschaften gelten, die Selbstversorger seien. Das Dekret soll am Donnerstag im Amtsblatt veröffentlicht werden.

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In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach den jüngsten Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 77 Prozent auf mehr als 83.000 Brände.

Viele Feuer wurden offenbar von Farmern auf abgeholzten Flächen gelegt, um neue Weideflächen und Ackerland für den Soja-Anbau zu schaffen. Weil es derzeit sehr trocken ist, greifen die Brände auch auf noch intakte Waldgebiete über.

Feuer im Amazonas-Gebiet: Brasilien lehnt G7-Hilfen ab

Derweil wollen die lateinamateinamerikanischen Länder der Amazonas-Region laut der brasilianischen Regierung selbst über Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen für das von Waldbränden betroffene Gebiet beraten. Das Treffen sei unter Ausschluss Venezuelas für den 6. September in Kolumbien geplant, teilte Präsident Jair Bolsonaro am Mittwoch mit. Dann wolle er mit seinen Kollegen „unsere eigene gemeinsame Strategie für den Erhalt der Umwelt und auch für nachhaltige Förderung in unserer Region“ ausarbeiten.

Bolsonaro äußerte sich nach einem Treffen mit Chiles Staatschef Sebastián Piñera in der brasilianischen Hauptstadt Brasília. Den lateinamerikanischen Ländern, die den Amazonas-Regenwald umfassen, obliege die Souveränität über das Gebiet, die jederzeit anerkannt werden müsse, sagte Piñera. Bolsonaro legte zudem in seiner Dauerfehde mit dem französischen Staatspräsident Emmanuel Macron nach. Dieser stelle sich als die „alleinige und einzige Person“ dar, die um die Umwelt besorgt sei, Bolsonaro.

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Gegen den brasilianischen Staatschef wurde international der Vorwurf laut, dass unter seiner Führung der Naturschutz in seinem Land leide. Dies habe den Boden dafür bereitet, dass Bauern, Bauunternehmer und andere Akteure in diesem Jahr aggressiver als bisher Feuer im Amazonas-Regenwald legten, um mehr Land freizuräumen, das ohnehin in weiten Teilen bereits gerodet sei.

In Brasilien wüten die heftigsten Waldbrände seit Jahren. Diese Bilder zeigen das Ausmaß der Katastrophe.

Zuletzt gab es zudem Streit um internationale Hilfsangebote für den Kampf gegen die Waldbrände. Die Bolsonaro-Regierung betrachtet die Unterstützung als Verletzung der brasilianischen Eigenständigkeit. Erst am Mittwoch behauptete Bolsonaro, Deutschland und Frankreich hätten versucht, Brasiliens Souveränität zu „kaufen“. Zugleich zeigte er sich bereit, „bilaterale“ Hilfe anzunehmen. Chile etwa schickt vier Löschflugzeuge, Großbritannien hat zwölf Millionen Dollar zugesagt, Kanada elf Millionen Dollar.

Macron und andere europäische Staats- und Regierungschefs mahnen indes eine globale Reaktion auf die Katastrophe wegen der wichtigen Rolle des Amazonas-Regenwald bei der Bindung großer Mengen von Kohlenstoff in der Erdatmosphäre an.

RND/dpa/AP

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