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Deutschland / Weltweit Die seltsame Rolle von Labour-Chef Corbyn
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11:39 17.01.2019
Labour-Chef Jeremy Corbyn. Quelle: Joel Goodman/imago
London

Nach dem überstandenen Misstrauensvotum im britischen Parlament lotet Premierministerin Theresa May Auswege aus der Sackgasse im Brexit-Streit aus. Bereits Mittwochabend hatte sie sich mit den Vorsitzenden kleinerer Parteien getroffen. May rief die Opposition im Unterhaus im Anschluss auf, „Eigeninteresse beiseite zu legen“ und einen Konsens für den Weg von Großbritannien aus der Europäischen Union zu finden.

Der Chef der Labour Party, Jeremy Corbyn, verweigerte sich bislang einem Treffen. Er hatte das Misstrauensvotum angestrengt und eine Absage Mays an einen Brexit ohne Vereinbarung mit der EU zur Vorbedingung für ein Gespräch gemacht.

Im jahrelangen Brexit-Drama der Briten spielt Jeremy Corbyn eine der widersprüchlichsten Rollen. Bereits Jahrzehnte, bevor der einst notorisch querschießende Hinterbänkler an die Spitze der oppositionellen Labour-Partei rückte, war er als EU-Skeptiker bekannt. Der Londoner kritisierte den Staatenbund von links, unter anderem für seine Wirtschaftspolitik.

Corbyn wurde 2015 Labour-Chef

Im September 2015, Monate vor der Brexit-Volksabstimmung der Briten, machte die Basis der britischen Sozialdemokraten Corbyn überraschend zum Kopf einer Partei, die ganz offiziell den Austritt aus der EU verhindern wollte. Bis heute muss Corbyn sich – wie viele andere auch – vorwerfen lassen, er habe nicht leidenschaftlich genug für das Anti-Brexit-Lager gekämpft.

Bis heute ist das Spiel des 69-Jährigen nicht immer durchschaubar. Er dringt auf eine Neuwahl des Parlaments und versuchte, die konservative Premierministerin Theresa May über ein Misstrauensvotum im Parlament zu stürzen. Dabei würde es mit ihm als Premier trotzdem einen Brexit geben, wie er klar macht – er wolle aber neu verhandeln. Dafür gab es sehr viel Kritik. Aus den eigenen Reihen wächst der Druck auf ihn, sich für ein zweites Brexit-Referendum auszusprechen, einer neuen Umfrage zufolge will das eine deutliche Mehrheit der Labour-Wähler.

Corbyn als linke Erlösergestalt gefeiert

Dass der etwas kauzige Corbyn Labour-Chef wurde und gerade von jungen Anhängern als linke Erlösergestalt gefeiert wurde, erschütterte das Richtung politischer Mitte orientierte Partei-Establishment nachhaltig. Politisch links sozialisiert wurde er in der Familie und arbeitete für Gewerkschaften, bevor er in den 1970er Jahren in die Politik ging. Dem britischen Unterhaus gehört er seit 1983 an.

Kritiker werfen dem Alt-Linken eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor. Zudem werden seit Jahren gegen Corbyn und seine Partei Antisemitismus-Vorwürfe erhoben. Im vergangenen August räumte Corbyn in einem Video öffentlich ein, dass Labour ein Problem mit Antisemitismus habe. Disziplinarverfahren gegen antisemitische Parteimitglieder seien zu langsam und zu zaghaft betrieben worden.

Von RND/AP/dpa

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