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Deutschland / Weltweit Letzte Rebellen verlassen Altstadt von Homs
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17:29 08.05.2014
Foto: Die Altstadt von Homs ist zerstört.
Die Altstadt von Homs ist zerstört. Quelle: dpa
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Homs

Die letzten syrischen Rebellen haben die mehr als zwei Jahre lang belagerte Altstadt von Homs verlassen. Das berichteten Oppositionsmedien am Donnerstag unter Berufung auf Aktivisten in der Provinz. Die Kämpfer durften gemäß einer Vereinbarung zwischen den Rebellen und dem Regime von Präsident Baschar al-Assad ihre Handfeuerwaffen mitnehmen.

Ein Wendepunkt in dem seit 2011 andauernden Bürgerkrieg ist diese Vereinbarung jedoch nach Einschätzung von Beobachtern nicht. Die Rebellenarmee Islamische Front sprengte am Donnerstag ein historisches Hotel in der Stadt Aleppo in die Luft, das von den Regierungstruppen als Stützpunkt genutzt wurde. Nach Informationen der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter kamen 14 Soldaten und Angehörige regimetreuer Milizen ums Leben. Die Rebellen hatten den Sprengstoff in einem Tunnel versteckt, den sie unter dem Gebäude angelegt hatten.

Teil der Vereinbarung zu Homs waren sicheres Geleit für mehr als 1000 Kämpfer und Zivilisten aus dem stark zerstörten Viertel. Außerdem ließen verschiedene Rebellengruppen insgesamt rund 70 Soldaten der syrischen Armee, eine Iranerin und verschleppte Zivilisten, die der Religionsgemeinschaft der Alawiten angehören, frei.  Der Präsident der Syrischen Nationalen Koalition (SOC), Ahmed al-Dscharba, will die USA nach einem Bericht der „New York Times“ um Flugabwehrraketen bitten. Al-Dscharba könnte sein Gesuch beim Treffen mit US-Außenminister John Kerry am Donnerstagabend ansprechen.

Die Bundesregierung und der Bundestag forderten unterdessen von der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten mehr Unterstützung für die Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien. „Die EU muss mehr leisten“, betonte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im Bundestag. Das Parlament verabschiedete einen Antrag, in dem die Einberufung einer europäischen Flüchtlingskonferenz angemahnt wird. Darüber hinaus werden die anderen EU-Staaten aufgerufen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen als bisher. Die Aufnahmebereitschaft einiger EU-Staaten sei „beschämend“, sagte Müller in der Bundestags-Debatte. Gleichzeitig beklagte er mangelndes Engagement seitens der EU-Kommission: „Was die Europäische Union hier geleistet hat, ist nicht ausreichend.“ Deutschland hat seit dem vergangenen Jahr die Aufnahme von insgesamt 10 000 Syrien- Flüchtlingen zugesagt.

In der türkischen Hauptstadt Ankara wurde eine von Syrern bewohnte Flüchtlingsunterkunft in Brand gesetzt. Vor dem nächtlichen Angriff sei es zu Rangeleien zwischen Syrern und Anwohnern gekommen, berichteten türkische Medien. Die Bereitschaftspolizei rückte mit einem Wasserwerfer an und nahm mehrere Menschen fest. Es gab zahlreiche Verletzte. In der Türkei halten sich inzwischen nach offiziellen Angaben etwa eine Millionen Flüchtlinge aus Syrien auf. Ein Teil von ihnen ist in Lagern untergebracht. Das Regime setzte derweil ungeachtet westlicher Kritik seine Vorbereitungen für die Präsidentenwahl am 3. Juni fort.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, Syrer, die im Ausland lebten, sollten sich bei den diplomatischen Vertretungen als Wähler registrieren lassen. Abgestimmt wird nur in den Gebieten, die von den Assads Truppen beherrscht werden.  Die Opposition bezeichnet die Wahl als „Farce“. Saudi-Arabien forderte die Einberufung einer Sondersitzung der Außenminister der Arabischen Liga zum Syrien-Konflikt am kommenden Montag in Riad.

dpa

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