Bund will Geld für die Sanierung maroder Brücken geben
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Deutschland / Weltweit 400-Millionen-Plan für deutsche Brücken
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00:22 18.05.2014
„Wer Wohlstand sichern will, muss zuallererst die Infrastruktur sichern“: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gibt mehr Geld für Brückensanierung. Quelle: Hauke-Christian Dittrich
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Berlin

Tausende Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen sind derart marode, dass die Sperrung droht, wenn sie nicht bald saniert werden. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will nun den Verfall mit zusätzlichem Geld aufhalten. Für die Jahre 2015 bis 2017 sollen 400 Millionen Euro extra in besonders dringende Erhaltungsmaßnahmen fließen. Insgesamt stehen damit 1,06 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt für die Brückensanierung zur Verfügung.
„Wer Wohlstand sichern will, muss zuallererst die Infrastruktur sichern“, erläuterte Dobrindt sein Notprogramm. Es betrifft in erster Linie die alten Bundesländer. Hier wurden nach dem Krieg die meisten Brücken zwischen 1960 und 1985 gebaut.

Eigentlich werden sie auf eine Lebenszeit von 100 Jahren ausgelegt. Weil jedoch der schwere Straßengüterverkehr extrem zugenommen hat, sind viele Bauwerke schon jetzt verschlissen. Dobrindt bezeichnete die Situation als besorgniserregend. Rund 15 Prozent aller Brückenflächen seien in einem ungenügenden Zustand. Der Sanierungsbedarf sei so groß, dass die Arbeiten nicht weiter hinausgeschoben werden könnten. Im Netz der Autobahnen und Bundesstraßen gibt es aktuell etwa 39 000 Brücken. Ein großer Teil ist älter als 40  Jahre und genügt auf Dauer nicht mehr den Anforderungen des starken Lastwagenverkehrs. Prognosen des Ministeriums gehen von einer Zunahme des Güterverkehrs von 1980 bis 2025 um 845 Prozent aus.

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Niedersachsens zweifelhafte Brücken

In Deutschland gibt es 38 782 Brücken auf Autobahnen und Bundesstraßen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) listet allein 88 Autobahnbrücken und 100 Brücken auf Bundesstraßen in Niedersachsen auf, die auf ihre Tragfähigkeit untersucht werden müssen.

Welche Strecken sind besonders betroffen?
Autobahnen: Die große Nord-Süd-Verbindung A 7 ist am meisten vom Sanierungsstau betroffen. 18 offenkundig marode Brücken listet das BAST auf. 15 Bauwerke mit vermutlich mangelhafter Tragfähigkeit sind es auf der A 28; immerhin noch zehn auf der A 29. Auf der BAST-Liste finden sich viele Bauwerke, die zwischen 200 und 450 Meter lang sind, also auch sehr hohe Sanierungskosten verursachen würden.
Bundesstraßen: Hier ist die B 27 mit neun Brücken Spitzenreiter bei einer möglichen Sanierung, gefolgt von der B 68 (sieben Brücken), der B 3, B 6 und
B 65 (je sechs Brücken). dl

Das Sonderprogramm zielt auf schwere Schäden und große Brücken. Die Mittel werden deshalb auf Instandsetzungen konzentriert, die mindestens fünf Millionen Euro kosten. Abgezweigt werden die 400 Millionen Euro von den fünf Milliarden Euro, die in dieser Wahlperiode zusätzlich für die Verkehrsinfrastruktur vorgesehen sind. Vorgänger Peter Ramsauer (CSU) hatte im Oktober 2012 die Kosten für dringendsten Brückensanierungen auf 6,8  Milliarden Euro beziffert. Als Tropfen auf den heißen Stein sieht Dobrindt sein Sonderprogramm trotzdem nicht. Er spricht lieber von einem „ersten Schritt“ und will ihn als Beleg dafür verstanden wissen, dass es ihm ernst ist mit der Maxime Erhalt vor Neubau. „Neubau macht keinen Sinn, wenn der Bestand nicht mehr nutzbar ist“, betonte der Minister. SPD-Fraktionsvize Sören Bartol sagte, es gelte zu verhindern, „dass bröckelnde Brücken Lkw zwingen, im Zickzack durch Deutschland zu fahren.“

Die Extramillionen für marode Brücken werden nicht auf die Bundesländer nach einer Quote verteilt, sondern streng nach Bedarf vergeben. Die Länder müssen ihre besonders sanierungsbedürftigen Brücken melden.
ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker begrüßte das Sonderprogramm als wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Auch nach 2017 würden aber weiter höhere Finanzmittel benötigt. Die Grünen nannten die Pläne unzureichend. „Der Verfall der Brücken kann mit den geplanten zusätzlichen Mitteln allenfalls verlangsamt werden“, sagte der Verkehrsexperte Stephan Kühn.

Von Arnold Petersen

Klaus Wallbaum 15.05.2014
Stefan Koch 15.05.2014
18.05.2014