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Deutschland / Weltweit CIA hilft Rebellen in Syrien
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19:53 26.03.2013
Von Stefan Koch
Die syrischen Rebellen bekämpfen das Assad-Regime bisher mit relativ primitiven Waffen, allerdings verfügen sie auch über Raketen, wie dieses Foto aus einem Vorort von Damaskus zeigt. rtr
Die syrischen Rebellen bekämpfen das Assad-Regime bisher mit relativ primitiven Waffen, allerdings verfügen sie auch über Raketen, wie dieses Foto aus einem Vorort von Damaskus zeigt. Quelle: dpa
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Washington

Sie sollen größtenteils über die Türkei abgewickelt werden. Bisher hatte das Weiße Haus stets betont, lediglich „nicht tödliche“ Materialien in das Krisengebiet zu liefern.

Seit die „New York Times“ und das „Wall Street Journal“ über die neuen amerikanischen Aktivitäten berichten, scheint die Mauer des Schweigens in der US-Hauptstadt zu fallen. Jenseits der öffentlichen Stellungnahmen bestätigen mehrere Regierungsvertreter, „dass die Zeit des Handelns gekommen ist“. Nach wie vor sollen zwar keine Truppen in das Bürgerkriegsland entsandt werden, aber diverse Schattenkrieger seien längst vor Ort.

Wie es in Washington heißt, soll der Geheimdienst CIA die Waffentransporte über das Nato-Partnerland Türkei mitorganisieren. Außerdem werde die Ausbildung der sogenannten freien syrischen Armee in Jordanien verstärkt. Um die Rebellen in den Gefechten zu unterstützen, erhalten sie offenbar auch Zugang zu amerikanischen Geheimdienstinformationen, die unter anderem von den unbemannten Drohnen stammen, die gegenwärtig über Syrien kreisen und aktuelles Bildmaterial liefern.

Mehrere Kongressabgeordnete weisen in diesen Tagen in Washington auf die veränderte Sicherheitslage in Damaskus hin: Wurde der Bürgerkrieg zunächst von Gegnern des Regimes von Baschar al-Assad getragen, griffen in jüngster Zeit radikale Islamisten in das Geschehen ein, die früher in Afghanistan, im Irak und in Nordafrika gekämpft hätten. Vor allem Al-Nusra-Extremisten, die Verbindungen zum Terrornetz Al Qaida hätten, hätten immer mehr Einfluss auf den Widerstand gegen Assad. Aus diesem Grund sei die CIA beauftragt worden, die Übergabe der neuen Waffen an gemäßigte Kräfte zu kontrollieren.

Das Pentagon hob am Dienstag hervor, in dem syrischen Konflikt nicht engagiert zu sein. Mehr noch: Ein Sprecher betonte, dass das US-Militär zurzeit gar nicht in der Lage sei, in kürzester Zeit dort massiv einzugreifen. Anders sieht es dagegen offenbar beim Geheimdienst CIA aus. Die Sprecher in der Zentrale in Langley bei Washington lehnen zwar jeden Kommentar zu Syrien ab, aber im Kapitol ist zu hören, „dass dieser Einsatz jetzt dringend notwendig ist, um die gemäßigten Rebellen zu stärken“.

Die Waffentransporte werden, so heißt es, größtenteils von Saudi-Arabien und Katar finanziert und über Kroatien und die Türkei abgewickelt, seitdem die Rebellen die Hoheit über Teile des syrisch-türkischen Grenzgebiets errungen haben. Allein in diesem Jahr sollen mehr als 3000 Tonnen an Militärgütern an die Aufständischen geliefert worden sein.

In Europa sind Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen sehr umstritten. Während Frankreich und Großbritannien eine Aufhebung des Waffenembargos der EU fordern, befürchten Deutschland und andere Länder, dass der Konflikt dadurch nur weiter angeheizt würde.

Unterdessen forderte der neue US-Außenminister bei seinem Antrittsbesuch in Bagdad vom Irak eine sofortige Kurskorrektur: Entgegen diplomatischer Gepflogenheiten warf John Kerry der irakischen Regierung in ungewohnter Offenheit vor, die iranischen Waffenlieferungen an das Assad-Regime in Damaskus indirekt zu unterstützen. Dass in Teheran Frachtmaschinen mit Militärgütern vollgestopft werden und durch den irakischen Luftraum direkt nach Damaskus fliegen, sei „inakzeptabel“, sagte Kerry. Recht unverhohlen drohte der Außenminister mit einem Ende der amerikanisch-irakischen Partnerschaft, sollten sich diese täglichen Frachtflüge nach Damaskus fortsetzen.

Während das Weiße Haus offiziell nur davon spricht, der Zivilbevölkerung zu helfen und den Rebellen lediglich medizinische Hilfe zukommen zu lassen, wächst im Kongress die Zahl der Abgeordneten aus beiden Parteien, die angesichts der mehr als 70000 Opfer ein stärkeres Engagement der Vereinigten Staaten fordern. So tritt der renommierte republikanische Senator John McCain dafür ein, syrische Kampfflugzeuge, die gegen die eigene Bevölkerung kämpfen, mit Patriot-Raketen abzuschießen. Und Mike Rogers, republikanischer Sprecher des Geheimdienstausschusses, fordert Präsident Barack Obama auf, „nicht nur von ,Roten Linien‘ zu sprechen, sondern endlich zu handeln“.