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Deutschland / Weltweit Vater von Sea-Watch-Kapitänin: „Sie ist lustig und guter Dinge“
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18:49 01.07.2019
Kapitänin Carola Rackete (zweite von rechts) kurz vor dem Verlassen der „Sea Watch 3“. Quelle: Selene Magnolia/Sea Watch/dpa
Hambühren/Berlin

In Hambühren bei Celle in Niedersachsen geht Ekkehart Rackete sofort ans Telefon. Der 74-jährige pensionierte Ingenieur und frühere Oberstleutnant der Bundeswehr klingt aufgeräumt. Am Sonnabend hat er zuletzt mit seiner Tochter Carola telefoniert.

„Sie ist lustig und guter Dinge“, sagt der 74-Jährige. „Sie steht unter Hausarrest in Lampedusa und ist bei einer sehr netten Dame untergebracht, die sich rührend um sie kümmert.“ Auch die italienischen Beamten seien sehr höflich zu der inhaftierten Kapitänin der „Sea Watch 3“. Einigen sei es sogar peinlich gewesen, dass sie die junge Deutsche und ihr Schiff festsetzen mussten.

Unterstützung brauchen die Eltern nicht

„Wir sind nicht in Panik oder voller Sorgen um unsere Tochter“, sagen Carola Racketes Eltern. Da hätte es in der Vergangenheit schon ganz andere Situationen gegeben – als ihre Tochter durch China getrampt und auf der chinesischen Mauer gezeltet habe.

Das Abenteurer-Leben der Tochter und die Militär-Vergangenheit des Vaters führen dazu, dass sich in Hambühren erst dann jemand Sorgen macht, wenn es einen Grund gibt: „Durch meine berufliche Tätigkeit habe ich mir eine gewisse Gelassenheit angeeignet“, sagt Ekkehart Rackete. Als die Aktivisten von Sea Watch jetzt die Eltern fragten, ob sie Unterstützung bräuchten, haben sie dankend abgelehnt.

Sie mag es nicht, im Vordergrund zu stehen

Aber nun ist ihre Tochter zum Symbol geworden, zur Ikone der Unterstützer einer humanitären Seenotrettung im Mittelmeer –und zur erklärten Lieblingsfeindin des italienischen Innenministers Matteo Salvini. Ganz sorgenfrei blickt auch Ekkehart Rackete nicht auf diese Situation: „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“, zitiert er den klassischen Satz, der selten so gut passte wie im Fall seiner Tochter. Man könne nur hoffen, dass die Italiener nicht an ihr ein Exempel statuieren wollten –und dass Sea-Watch mit den stetig fließenden Spendengeldern die besten Anwälte anheuert.

Sorgen macht Ekkehart Rackete vor allem, wie seine Tochter jetzt damit umgeht, dass sie ungewollt im Rampenlicht steht. „Das mag sie überhaupt nicht. Es ist ihr unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen. Sie spielt sich nie in den Vordergrund.“ Aber auch damit könne sie letztlich umgehen. „Sie kann scharfzüngig und witzig sein –und sich gut artikulieren“, lobt ihr Vater.

Der Vater hofft, dass seine Tochter bald freikommt

Und sie übernimmt Verantwortung, wenn es nötig ist. Die Tour auf der „Sea-Watch 3“ war ihre zweite als Schiffsführerin, sie ist kurzfristig eingesprungen, weil niemand mit den nötigen Patenten verfügbar war. Bei ihren Eltern in Hambühren war sie zuvor nur einen halben Tag. Da war keine Zeit, über Sinn und Gefahren der Mission zu sprechen. Sie kam aus Schottland, wo sie in einem Naturpark arbeitete, suchte ihre Papiere zusammen und machte sich auf den Weg zum Flughafen.

Nun hofft Ekkehart Rackete, dass seine Tochter bald wieder in Freiheit ist. „Ich gehe davon aus, dass sie gegen Auflagen oder Kaution bis zum Prozessbeginn freikommt.“ Und bis es in Italien zum Prozess kommt, kann es dauern. Vielleicht, so hofft Vater Rackete, ist dann Matteo Salvini längst Geschichte.

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Von Jan Sternberg/RND

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