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Deutschland / Weltweit Carter holt Amerikaner aus Nordkorea
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10:29 27.08.2010
Jimmy Carter (l.) holt in Nordkorea den freigelassenen US-Bürger Aijalong Mahli Gomes ab.
Jimmy Carter (l.) holt in Nordkorea den freigelassenen US-Bürger Aijalong Mahli Gomes ab. Quelle: dpa
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Humanitäre Mission erfüllt: Der frühere US-Präsident Jimmy Carter hat in Nordkorea die Freilassung eines monatelang inhaftierten Amerikaners erreicht. Ohne die Begnadigung propagandistisch groß auszuschlachten, setzte Nordkoreas Militärmachthaber Kim Jong Il am Freitag seinen Überraschungsbesuch in China in der Industriestadt Changchun fort. Der Carter-Besuch wurde aber dazu benutzt, noch einmal die Bereitschaft zu bekräftigen, zu den Verhandlungen über ein Ende seines Atomwaffenprogramms zurückzukehren. Eine konkrete Zusage blieb jedoch erneut aus.

Carter flog mit dem Amerikaner Gomes von Pjöngjang in die USA. Der 30-Jährige aus Boston war im Januar festgenommen worden, nachdem er die Grenze von China aus unerlaubt überquert hatte. Der gläubige Christ und Englischlehrer in Südkorea wurde zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Ein mit ihm befreundeter Missionar, der Amerikaner Robert Park, war im Februar ebenfalls freigelassen worden. Er hatte auf die schlechte Menschenrechtslage in Nordkorea aufmerksam machen wollen.

Nordkoreas Machthaber habe Gomes auf Bitten des früheren US-Präsidenten und „aus humanitären Gründen“ begnadigt, teilte das Carter Center in Atlanta mit. Laut Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA soll sich Carter beim protokollarischen Staatsoberhaupt Kim Yong Nam „in Namen der US-Regierung“ für das Verhalten des Amerikaners entschuldigt haben. Die US-Regierung begrüßte dessen Freilassung. Carters Reise sei eine „private, humanitäre und inoffizielle Mission“ gewesen, hob das US-Außenministerium allerdings hervor.

Vor einem Jahr hatte der frühere US-Präsident Bill Clinton (64) bei einer Blitzmission in Nordkorea die Begnadigung von zwei verurteilten US-Journalistinnen erwirkt. Sie waren bei Recherchen an der Grenze festgenommen worden. Erste Hoffnungen, dass Carter in Pjöngjang die diplomatischen Bemühungen über eine Rückkehr Nordkoreas an den Verhandlungstisch voranbringen könnte, wurden aber enttäuscht. Die Sechser-Gespräche hatte Nordkorea im April 2009 abgebrochen. An ihnen nehmen auch die USA, Südkorea, Russland und Japan teil.

Skepsis herrschte deswegen auch, ob der zweite Besuch Kim Jong Ils innerhalb von nur drei Monaten in China hier zu Fortschritten führen könnte. Der Militärführer traf nach offiziell unbestätigten Berichten am Freitag mit seinem Konvoi in Changchun in Nordostchina ein. Der Besuch findet wie immer unter großer Geheimhaltung statt. Die Autobahn zwischen Jilin und Changchun wurde für zwei Stunden gesperrt, später auch die Straßen um das South Lake Hotel der Stadt, wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur dpa berichteten. Es wurde erwartet, dass Kim Jong Il industrielle Anlagen besichtigen dürfte.

Es gab auch Spekulationen, dass der gesundheitlich angeschlagene Kim Jong Il von seinem Sohn Kim Jong Un begleitet wird. Die Visite wurde im Zusammenhang mit der Nachfolgeregelung gesehen. Sein Sohn könne bei der chinesischen Führung bekanntgemacht werden, hieß es. Auch brauche das hungernde Nordkorea dringend chinesische Hilfe.

dpa