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Deutschland / Weltweit Das sagt Sea Watch zum Verfahren gegen Kapitänin Carola Rackete
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13:21 02.07.2019
Die Sea-Watch-Sprecher Chris Grodotzki (von links), Marie Naaß und Ruben Neugebauer. Quelle: dpa
Berlin

Die Hilfsorganisation „Sea Watch“ ist derzeit in aller Munde. Nun hat haben sich erstmals Aktivisten und Sprecher der Organisation zu den aktuellen Vorfällen in Italien geäußert. Das Wichtigste im Überblick:

Kapitänin bleibt unter Hausarrest – vorerst

Die Kapitänin der „Sea Watch 3“ steht weiter unter Hausarrest. „Wir hatten eigentlich gehofft, dass wir zum Zeitpunkt der Pressekonferenz mehr wissen“, so die Sprecher der NGO. „Es geht ihr den Umständen entsprechend gut.“

Am Dienstag muss ein Haftrichter im italienischen Agrigent entscheiden, ob er einen bestehenden Hausarrest für Rackete aufhebt. Die Entscheidung darüber müsse spätestens am Abend getroffen werden, könnte aber auch schon früher fallen, sagte der Rechtsanwalt Leonardo Marino.

Möglich sei, dass die Maßnahmen gegen Rackete komplett aufgehoben werden. Alternativ könnte gegen Rackete ein Aufenthaltsverbot für die Provinz Agrigent verhängt werden, zu der auch die Insel Lampedusa gehört. Letzteres hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. „Wir glauben an die Unabhängkeit der italienischen Justiz“, sagten die Sprecher.

Die „Sea Watch 3“ bleibt beschlagnahmt – und die Crew an Bord

Derzeit werde das Seenotrettungsschiff von Besatzung von Lampedusa in den Rund 250 Kilometer entfernten Hafen von Licata gebracht. Das Schiff wurde von italienischen Behörden beschlagnahmt. Teile der 22-köpfigen Crew seien noch an Bord, teilten die Sea-Watch-Sprecher mit. Ob und wann das Schiff wieder an die Organisation übergeben wird, ist unklar.

Sprecher Ruben Neugebauer wolle von den Spenden, die mittlerweile über eine Million Euro betragen, ein neues Seenotrettungsschiff anzuschaffen. Außerdem schlug er mit einem Seitenhieb gegen die Bundesregierung eine Alternative vor: „Die Regierung hat gerade Patrouillenschiffe angeschafft, die eigentlich für Saudi Arabien gedacht waren. Wir hätten die gerne.“

Sea-Watch verteidigt das Landemanöver vor Lampedusa

Zur Rettungsaktion an sich bekennen sich die Aktivisten ebenfalls klar: Es hätte keine andere Möglichkeit gegeben, als auf der kleinen Mittelmeerinsel an Land zu gehen. Die Menschen an Bord seien verzweifelt und Lampedusa der nächste sichere Hafen gewesen.

Externe Vorschläge, die Geretteten auf der „Sea Watch 3“ direkt nach Deutschland oder in ihren Flaggenstaat die Niederlande zu bringen, seien unrealistisch gewesen. Die Überfahrt hätte zu lange gedauert, die Geretteten hätten bei jedem Seegang auf dem Deck verbleiben müssen. „Wir sind kein Kreuzfahrtschiff“, so Neugebauer.

Kritik an der Bundesregierung

„Wir sind sehr enttäuscht von der Bundesregierung“, so die Sprecher. Berlin hätte ein Jahr Zeit gehabt, um eine Lösung für die Hafensperrungen von Italiens Innenminister Salvini zu finden. „Stattdessen wird sich rausgeredet und gewartet, dass erst fünf andere Länder mit einspringen, anstatt selbst die Initiative zu ergreifen.

Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache einstellen

Sea-Watch fordert die EU auf, die Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache einzustellen. „Die EU hält sich Türsteher zur Sicherung der Außengrenze. Sie lagert Menschenrechtsverletzungen aus, um eine Weiße Weste zu behalten“, so eine Sprecherin.

Bei der libyschen Küstenwache handele es sich um einen Verbund aus Milizen, die von der EU ausgebildet werden. „Das erste, was viele Rekruten machen, wenn sie an Bord eines europäischen Schiffs kommen, ist selbst Asyl zu beantragen.

Organisation verteidigt Seenotrettung

Sea Watch sei nicht die Ursache für Flucht von Menschen aus Afrika, so die Sprecher – sie sei die Reaktion darauf. Den Vorwurf, dass die Seenotrettung Flüchtlinge dazu ermutige, den Weg über das Mittelmeer anzutreten, widersprach Neugebauer: „Mit derselben Argumentation könnte man auch die Bergwacht abschaffen: „Kletterer begeben sich auch nicht ins Gebirge, um sich dann zu verletzen und den Hubschrauber zu rufen.“

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Von Manuel Behrens/RND

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