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Deutschland / Weltweit De Maizière will Veteranentag
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17:59 16.02.2012
Verteidigungsminister de Maizière will einen Ehrentag für die Veteranen. Quelle: dpa
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El Paso

Die Einsatzrealität der Bundeswehr hat in den vergangenen Jahren nur schleichend Einzug in den offiziellen Sprachgebrauch gehalten. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sprach erst im Oktober 2008 von gefallenen und verwundeten Soldaten. Da hatte die deutsche Afghanistan-Truppe längst zahlreiche Verluste zu beklagen. Sein Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) machte aus dem Stabilisierungseinsatz zunächst kriegsähnliche Zustände und dann Krieg. Und im September 2011 wurde auch der Begriff Veteranen für politisch korrekt erklärt. „Wir sind eine Armee im Einsatz. Wie andere Nationen auch sollten wir deshalb auch von unseren Veteranen sprechen", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) damals im Bundestag.

Sprachlich ist Deutschland damit auf dem selben Stand wie andere Länder mit Armeen im Einsatz. Trotzdem gilt der Umgang mit den Kriegsrealitäten in Deutschland aus historischen Gründen immer noch als schwierig. Bei der Bereicherung des offiziellen Wortschatzes will es de Maizière daher nicht belassen. Bis Ende des Jahres will er ein Veteranen-Konzept vorlegen. Dass er das während seiner viertägigen Reise durch die USA verkündete, ist kein Zufall. Die Amerikaner haben die wohl umfassendste und teuerste Veteranen-Versorgung der Welt.

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Das US-Veteranen-Ministerium gab 2010 sage und schreibe 108 Milliarden US-Dollar für Pensionen, Entschädigungen, medizinische Versorgung oder Bildungsmaßnahmen aus. Allerdings sind die US-Streitkräfte auch siebenmal so groß wie die Bundeswehr. Alleine in den Kriegen in Afghanistan und im Irak hatten sie 6300 gefallene und 47 000 verwundete Soldaten zu beklagen. Zum Vergleich: Die Bundeswehr hat in Afghanistan 52 Soldaten verloren.

De Maizière will in seinem Konzept nun erst einmal klären, wer überhaupt als Veteran gelten kann. Die USA zählen jeden ehemaligen Soldaten dazu. Das sind 22,7 Millionen US-Bürger - etwa 7 Prozent der Gesamtbevölkerung. In skandinavischen Länder werden diejenigen Soldaten als Veteranen angesehen, die schon einmal im Einsatz waren. So sieht das auch der 2010 gegründete Bund Deutscher Veteranen. Wie viele deutsche Soldaten Einsatzerfahrung haben, ist unklar. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr hat zwar rund 300 000 Auslandseinsätze von Soldaten erfasst. Viele Soldaten waren aber mehrfach auf dem Balkan oder in Afghanistan.

Der erste inhaltliche Vorschlag de Maizières zur Veteranen-Politik könnte auf Widerstand treffen. Der Minister will einen Ehrentag für Veteranen schaffen, um die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit für das Thema zu erhöhen. Bisher wird Mitte November - zwei Wochen vor dem ersten Advent - am Volkstrauertag der Kriegstoten gedacht. An diesem oder an einem anderen Tag sollen nun auch die Heimkehrer aus den Bundeswehr-Einsätzen gewürdigt werden.

Dabei soll es nicht unbedingt nur um die Verwundeten gehen. Auch die Verleihung von Tapferkeitsorden hat der Minister ins Gespräch gebracht. Am Volkstrauertag, der einst von den Nazis zum Heldengedenktag umfunktioniert wurde, wäre das allerdings kaum vorstellbar. Die Suche nach einem anderen Datum könnte schwierig werden. Der Beginn des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr? Der Tag, an dem der erste Bundeswehrsoldat gefallen ist?

In vielen anderen Ländern ist der Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs - der 11. November - den Gefallenen und Veteranen gewidmet. In Großbritannien und den ehemaligen britischen Kolonien, dem Commonwealth, spricht man vom "Remembrance Day", dem Tag der Erinnerung. In den USA heißt der 11. November offiziell Veteranentag. Die zentrale Festveranstaltung findet auf dem Soldatenfriedhof in Arlington bei Washington mit Kranzniederlegungen und einer Parade statt.

Für einen Veteranentag in Deutschland hat der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus als erster einen Vorschlag gemacht. Er solle an den „schwarzen Karfreitag" der Bundeswehr am 2. April 2010 erinnern. Damals war eine Bundeswehr-Patrouille bei Kundus von den Taliban angegriffen und in ein stundenlanges Gefecht verwickelt worden. Drei deutsche Soldaten starben. „Das war der Moment, wo die deutsche Öffentlichkeit auf dieses Thema reagiert hat", sagt Königshaus.

Streit über das Thema will de Maizière jedenfalls vermeiden. Parlament und Verbände müssten eng eingebunden werden, sagt er. "Eine Tradition entsteht nicht durch Verordnung. Aber vielleicht kann man mal eine Tradition stiften, und die Zeit ist jetzt reif."

dpa