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Deutschland / Weltweit Dickes Minus für Niedersachsens Ärzte
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22:39 28.03.2010
Von Gabi Stief
Quelle: ap (Symbolbild)
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„Das ist wie auf der Achterbahn“, klagt ein Chirurg aus Hannover-Stöcken. 28 Prozent weniger Honorar verbucht er derzeit; nach einem Plus von 20 Prozent im vergangenen Jahr. Wie viele seiner Kollegen hat er vor Kurzem seinen Praxismitarbeitern das Gehalt erhöht. Und nun? „Die versprochene Planungssicherheit gibt es nicht.“ Es sei eine Katastrophe. Der Stöckener hat längst einen Schuldigen gefunden: „Die Kassenärztliche Vereinigung hat sich dramatisch verrechnet.“

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), zuständig für die Honorarverteilung im Lande, sieht man das anders. Dass insgesamt weniger Geld zur Verfügung steht, räumt KVN-Sprecher Uwe Köster zwar ein. Aber von Verrechnen könne keine Rede sein. Verluste von 20 Prozent hält Köster für einen Sonderfall. Im Schnitt gebe es einen Rückgang der Arzthonorare um vier bis acht Prozent, für alle Fachgruppen in Niedersachsen.

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Die Gründe sind so kompliziert wie die Regelkreise des Gesundheitsfonds. Laut KVN gibt es weniger Versicherte in Niedersachsen als im Vorjahr, aber mehr Fachärzte. In der Konsequenz bedeutet dies, dass der Fonds weniger Geld überweist, aber mehr Praxen die Hand aufhalten. Hinzu kommt, dass es 2008 – dem Vergleichsjahr für die Gesamthonorare in diesem Jahr – hierzulande weniger Kranke gab als ursprünglich geschätzt. Eigentlich erfreulich. Doch da bestimmte Erkrankungen Zuschläge bringen, fließt der Geldstrom nun spärlicher.

Dass man immer noch mehr in der Kasse hat als vor zwei Jahren, weil die Politik den Niedergelassenen 2009 einen Zuschlag von 3,5 Milliarden Euro gönnte, ist für die meisten Ärzte kein Trost. Die Orthopäden, die sich bereits bei der Geldverteilung 2009 zu kurz gekommen sahen, planen erneut Protestaktionen. Ganz unerfahren ist man nicht. Vor Jahren demonstrierten die Ärzte für mehr Geld, dann demonstrierte man gegen eine verfehlte Honorarreform. Dann wurden die internen Verteilungsregeln ein wenig korrigiert. Und nun?

„Die Honorarreform ist ein Sanierungsfall“, meint KVN-Chef Eberhard Gramsch. In Bayern erwägt die dortige KV jetzt, leistungsorientierte Vergütungsregeln einzuführen, sodass „gute Ärzte“ besser honoriert werden als weniger gute. Dieses System wirft wiederum neue Fragen auf. Wird alles immer komplizierter? Niemals jedenfalls, seufzt der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem, werde ein Honorarsystem auf den sprichwörtlichen Bierdeckel passen.