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Deutschland / Weltweit Die Welt trauert mit Polen
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23:38 11.04.2010
„Dies ist zuerst und vor allem Polens Tragödie und die des polnischen Volkes. Aber dies ist auch unsere Tragödie, und wir trauern und leiden mit Euch“, sagte Putin
„Dies ist zuerst und vor allem Polens Tragödie und die des polnischen Volkes. Aber dies ist auch unsere Tragödie, und wir trauern und leiden mit Euch“, sagte Putin Quelle: afp
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Die Präsidentenmaschine stürzte am Samstag nahe der russischen Stadt Smolensk in ein Waldstück. Die Insassen waren auf dem Weg zu einer Gedenkfeier für die Opfer des Massakers im russischen Katyn. Dort wurden 1940 insgesamt 22 000 Polen vom sowjetischen Geheimdienst NKWD hingerichtet.

Bei dem Absturz starben am Sonnabend neben dem polnischen Präsidentenehepaar unter anderen Notenbankchef Slawomir Skrzypek, Generalstabschef Franciszek Gagor, Vize-Außenminister Andrzej Kremer und der stellvertretende Parlamentspräsident Jerzy Szmajdzinski. Ein weiteres prominentes Opfer ist die Solidarnosc-Mitbegründerin Anna Walentynowicz. „Die Elite unseres Landes ist tot“, sagte der ehemalige Solidarnosc-Führer und spätere Präsident Lech Walesa in Warschau. Kaczynskis Amtsvorgänger Aleksander Kwasniewski erklärte mit Blick auf das Massaker vor 70 Jahren: „Das ist unglaublich – dieses tragische, verfluchte Katyn. Ein verfluchter Ort, eine schreckliche Symbolik.“

Russland hatte sich anlässlich des 70. Jahrestags um eine Versöhnung mit Polen bemüht. So nahm Ministerpräsident Wladimir Putin am Mittwoch an einer ersten Gedenkfeier zusammen mit seinem polnischen Kollegen Donald Tusk teil. Nach dem Flugzeugabsturz vom Samstag legte Putin gemeinsam mit Tusk und dem Bruder des verunglückten Präsidenten, Jaroslaw Kaczynski, an der Absturzstelle einen Kranz nieder. Zudem übernahm der russische Ministerpräsident persönlich die Leitung der Ermittlungen zur Unglücksursache.

Die 26 Jahre alte Präsidentenmaschine, eine Tupolew 154, stürzte bei dichtem Nebel kurz vor der Landung am Flughafen von Smolensk ab. Es sei bereits der vierte Landeversuch des Piloten gewesen, der trotz Warnungen der Fluglotsen die Maschine zu Boden habe bringen wollen, teilte ein Sprecher der Regionalregierung von Smolensk mit.

In Polen gedachten am Sonntagmittag Zehntausende Menschen mit zwei Schweigeminuten der Opfer des Unglücks. Unmittelbar zuvor wurden im ganzen Land die Kirchenglocken geläutet, Alarmsirenen heulten.

Aus aller Welt trafen Beileidsschreiben in Warschau ein, unter anderem von US-Präsident Barack Obama, der von einer furchtbaren Tragödie sprach.

Der 60-jährige Kaczynski war seit Dezember 2005 Präsident und wollte sich in diesem Herbst zur Wiederwahl stellen. Parlamentspräsident Bronislaw Koromowski, der vorübergehend die Amtsgeschäfte des verunglückten Staatsoberhaupts übernahm, muss die Wahl nun vorziehen.

Russland teilt nach den Worten von Ministerpräsident Putin mit Polen die Trauer um den Tod von Präsident Lech Kaczynski und zahlreicher führender Vertreter von Regierung und Armee bei dem Flugzeugabsturz nahe Katyn. „Dies ist zuerst und vor allem Polens Tragödie und die des polnischen Volkes. Aber dies ist auch unsere Tragödie, und wir trauern und leiden mit Euch“, sagte Putin, der die Absturzstelle gemeinsam mit Polens Premier Donald Tusk besuchte. Sichtlich bewegt umarmten die Politiker einander.

Gerhad Kneier