Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Dominique Strauss-Kahn kurz vor Haftentlassung
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Dominique Strauss-Kahn kurz vor Haftentlassung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:16 20.05.2011
Dominique Strauss-Kahn steht kurz vor der Haftentlassung. Quelle: dpa
Anzeige

Nach vier Nächten auf der Gefängnisinsel Rikers Island in New York hat Dominique Strauss-Kahn seine bevorstehende Entlassung auf Kaution erwartet. Gegen eine Millionensumme sollte der frühere IWF-Chef am Freitag aus seiner Einzelzelle in ein Appartement in Manhattan umziehen können. Zunächst herrschte jedoch Verwirrung, ob die vom Gericht geforderte Bar-Kaution von einer Million Dollar (700.000 Euro) bereits hinterlegt war. Der US-Sender CNN berichtete zunächst, die Zahlung sei erfolgt, schwächte die Angaben aber später wieder ab.

Strauss-Kahn warf seiner Frau Anne Sinclair nach dem Sieg der Verteidigung einen Handkuss zu. „Es ist eine große Erleichterung für seine Familie, ihn um sich zu haben“, sagte Verteidiger Bill Taylor nach dem Gerichtstermin am Donnerstagabend (MESZ). Bei der Kautionsverhandlung vor Richter Michael Ogus war bekanntgeworden, dass Sinclair bereits eine Wohnung angemietet hat, in der ihr Mann bis zum Prozess wegen versuchter Vergewaltigung wohnen darf. Über die genaue Lage und Größe des Appartements wurde zunächst nichts bekannt.

Anzeige

Der Franzose war zuvor offiziell angeklagt worden. Der 62-Jährige soll versucht haben, in einem New Yorker Hotel ein Zimmermädchen zu vergewaltigen. Der nächste Gerichtstermin für Strauss-Kahn ist der 6. Juni. Dann wird ihm offiziell die Anklage vorgelesen. Strauss-Kahn kann sich dann schuldig oder nicht schuldig bekennen. Er weist bisher alle Vorwürfe zurück.

Für seine vorübergehende Freilassung muss Strauss-Kahn außer dem Bargeld weitere fünf Millionen Dollar in Form einer Bürgschaft bereithalten. Eine Sicherheitsfirma wird jeden seiner Schritte rund um die Uhr überwachen. Im Appartement sollen Videokameras installiert werden. Vor der Tür werden bewaffnete Sicherheitskräfte Tag und Nacht dafür sorgen, dass der Franzose nicht in seine Heimat flieht. Frankreich hat kein Auslieferungsabkommen mit den USA, hieß es im Gericht.

Alle Reisedokumente - Strauss-Kahn hat zwei Reisepässe - werden einbehalten. Er darf die Wohnung nur in Begleitung eines Sicherheitsbeamten verlassen und muss eine Fußfessel tragen. Der Richter machte deutlich, dass der 62-Jährige beim geringsten Verstoß wieder ins Gefängnis wandere. Noch am Montag war eine Freilassung auf Kaution abgelehnt worden - wegen Fluchtgefahr.

Eine Grand Jury bestätigte am Donnerstag alle Vorwürfe gegen Strauss-Kahn, der bereits als IWF-Chef zurückgetreten ist. Ihm werden sechs Straftaten zur Last gelegt. Weil er bei der schwersten - „sexuelle Belästigung in einem besonders schweren Fall“ - gleich zweimal angeklagt ist, sieht er sich sieben Punkten gegenüber.

Laut Anklageschrift soll Strauss-Kahn am Samstag die Tür seines Hotelzimmers in New York zugeschlagen haben, als das Zimmermädchen zum Aufräumen eingetreten war. „Er griff dem Opfer ohne Einwilligung an die Brust, versuchte, die Strumpfhose herunterzuziehen und griff ihm in den Schritt. Sein Penis hatte gewaltsam zweimal Kontakt mit dem Mund des Opfers.“

Wegen dieses zweimaligen angeblichen Kontakts wirft die Staatsanwaltschaft dem 62-Jährigen die doppelte „sexuelle Belästigung ersten Grades“ vor. Dafür allein drohen jeweils 25 Jahre Haft. Hinzu kommt „versuchte Vergewaltigung ersten Grades“, dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. „Sexueller Missbrauch“ steht zweimal in der Anklage, das wird ersten Grades mit sieben Jahren, dritten Grades mit drei Monaten Haft geahndet. Das Schließen der Tür, um die Frau am Weglaufen zu hindern, wird zudem als Freiheitsberaubung gewertet. Dafür drohen Strauss-Kahn ein Jahr Gefängnis, ebenso wie für „unsittliches Berühren“, ein weiterer Anklagepunkt.

Die Nachfolge an der Spitze des IWF dürfte auch die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen und Russlands (G8) kommende Woche in Frankreich beschäftigen. Das sagten EU-Diplomaten am Freitag in Brüssel. Der Gipfel beginnt am Donnerstag (26. Mai) im Seebad Deauville. Als eindeutige Favoritin von europäischer Seite wird die französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde (55) genannt.

dpa

Mehr zum Thema

Der der versuchten Vergewaltigung verdächtigte Dominique Strauss-Kahn kommt vorerst frei. Allerdings hat ein New Yorker Gericht für den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds Auflagen gemacht, für die es bislang kein Beispiel gibt.

20.05.2011

Der Druck war zu groß: IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ist zurückgetreten. Er zieht die Konsequenzen aus der New Yorker Sex-Affäre, weist aber weiterhin alle Vorwürfe zurück. Seine Anwälte versuchen am Donnerstag erneut, ihn aus der Haft zu holen.

19.05.2011

Aus der 3000-Dollar-Suite wurde der 14.000-Mann-Knast: Dominique Strauss-Kahn sitzt auf der Gefängnisinsel Rikers Island im New Yorker East River ein. Und das Zimmermädchen, das er sexuell angegriffen haben soll, will gegen ihn aussagen.

18.05.2011