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Deutschland / Weltweit Zahl der Kirchenaustritte steigt immer weiter – „Jeder schmerzt“
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Zahl der Kirchenaustritte steigt immer weiter – „Jeder schmerzt“
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19:14 19.07.2019
Die beiden christlichen in Kirchen verzeichnen hohen Mitgliederschwund. Das geht aus der am Freitag vorgestellten Jahresstatistik hervor.
Die beiden christlichen in Kirchen verzeichnen hohen Mitgliederschwund. Das geht aus der am Freitag vorgestellten Jahresstatistik hervor. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover, Bonn

Die Mitglieder schwinden rasant. Das ist das Ergebnis der am Freitag vorgestellten Jahresstatistiken für 2018 der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Evangelische und katholische Kirche verloren demnach 2018 noch mehr Mitglieder als bereits 2017. Die Zahl der Protestanten ging um etwa 395.000 zurück, die Zahl der Katholiken sank um knapp 309.000. Der Verlust summiert sich auf rund 704.000 Mitglieder. Im Jahr 2017 waren es noch knapp 660.000.

Trotz des zunehmenden Mitgliederschwunds sind mehr als die Hälfte aller Deutschen Mitglied der evangelischen oder katholischen Kirche. Hinzu kommen Christen aus orthodoxen oder Freikirchen. 21,1 Millionen Menschen gehörten 2018 der evangelischen Kirche an. Die katholische Kirche zählte zum Stichtag 31. Dezember rund 23 Millionen Mitglieder.

Finanzwissenschaftler der Universität Freiburg prognostizieren, dass in rund 40 Jahren nur noch 22,7 Millionen Menschen einer der großen christlichen Kirchen angehören werden. Der Sekretär der Bonner katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, nannte die Zahlen „besorgniserregend“.

Sterbefälle und Kirchenaustritte als Ursachen

Ursache für die sinkenden Mitgliederzahlen sind Sterbefälle und Kirchenaustritte. Die 20 Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verloren zwar mehr Mitglieder als die 27 deutschen Bistümer. Doch in der katholischen Kirche stiegen die Austritte prozentual stärker an.

So traten 2018 rund 220.000 Mitglieder aus der evangelischen Kirche aus (2017: rund 200.000). Der katholischen Kirche kehrten im vergangenen Jahr knapp 216.000 Menschen den Rücken, ein Jahr zuvor waren es noch rund 168.000 gewesen. Das ist ein Anstieg um mehr als ein Viertel gegenüber der Vorjahreszahl.

Die Diskussion über die Aufarbeitung des Missbrauchs ist einer der zentralen Gründe für den Vertrauensverlust der Mitglieder. „Wir verstehen, wenn durch Entfremdungsprozesse oder einen großen Vertrauensverlust Misstrauen entstanden ist und Glaubwürdigkeit verspielt wurde“, sagte Langendörfer.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte: „Jeder Austritt schmerzt.“ Er verbindet mit den Zahlen auch eine Aufforderung. Da Menschen heute, anders als früher, aus Freiheit entschieden, ob sie der Kirche angehören wollen, müsse man umso deutlicher machen, warum die christliche Botschaft attraktiv sei, sagte er.

Austritte überwiegen Zahl neuer Mitglieder

2018 starben laut Statistik 340.000 evangelische Kirchenmitglieder. Die Zahl der Sterbefälle in der katholischen Kirche wird in der am Freitag veröffentlichten Statistik hingegen nicht erfasst. Die katholische Kirche weist in ihrer Statistik nur die Zahl der Bestattungen nach katholischem Ritus aus. Demnach ließen sich rund 240.000 Menschen katholisch beerdigen.

Doch die beiden christlichen Kirchen konnten im Jahr 2018 auch Mitglieder gewinnen. Durch Aufnahmen und Taufen wurden rund 195.000 Menschen Mitglied der evangelischen Kirche, rund 176.500 Menschen wurden katholisch. Doch während 2017 die Zahl der neu oder wieder gewonnenen Mitglieder noch höher lag als die Zahl der Austritte, ist dies 2018 nicht mehr der Fall.

Die evangelische Kirche machte in ihrer Statistik auch Angaben zur Kirchensteuerentwicklung. Die Einnahmen durch die Kirchensteuer sind demnach 2018 erneut gestiegen. 5,79 Milliarden Euro betrug das Kirchensteueraufkommen (2017: 5,67). Wegen der guten Konjunktur steigen die Kirchensteuereinnahmen trotz sinkender Mitgliedszahlen seit 2010. Bis 2060 wird sich die Finanzkraft der Kirchensteuereinnahmen in etwa halbieren, ergab die Prognose der Universität Freiburg, die im Mai 2019 veröffentlicht worden war.

Lesen Sie auch den Kommentar: Schrumpfen als Chance

Von RND/epd