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Deutschland / Weltweit Friedensnobelpreis ist Schlag ins Gesicht der chinesischen Führung
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18:12 08.10.2010
Liu Xiaobo hat am Freitag den Friedensnobelpreis 2010 zuerkannt bekommen
Liu Xiaobo hat am Freitag den Friedensnobelpreis 2010 zuerkannt bekommen Quelle: ap
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Nach der gutgemeinten, aber zu Recht kritisierten Vergabe an US-Präsident Barack Obama 2009 haben sich die Juroren wieder auf die wahre Macht des Preises besonnen: Er kann Friedensbemühungen nicht nur belohnen, sondern selbst ein Katalysator für soziale Veränderungen sein, die China dringend braucht.

Liu Xiaobo erhält den Friedensnobelpreis stellvertretend für alle Chinesen, die sich trauen, öffentlich daran zu zweifeln, dass die Kommunistische Partei immer Recht hat. Es ist eine Auszeichnung für chinesische Patrioten, die für ihr Land Verantwortung zu übernehmen bereit sind ­ auch um den Preis, ihren Job, ihre Freiheit, ihre Gesundheit und ihre Familien zu verlieren. Gerade weil Chinas zivilgesellschaftliche Aktivisten im eigenen Land unterdrückt werden, ist es wichtig, dass sie vom Ausland Unterstützung erfahren. Der Friedensnobelpreis verleiht ihnen die Legitimation, die ihre eigene Regierung ihnen vorenthält.

Für die Kommunistische Partei ist die Auszeichnung ein Schlag ins Gesicht. Seit Jahren bemüht sie sich um internationale Akzeptanz, und mit einer Mischung aus politischer Unerbittlichkeit und wirtschaftlicher Stärke war es ihr gelungen, den Blick auf Chinas Erfolge zu lenken und die Kritikbereitschaft westlicher Regierungen so zu unterwandern. Gleichzeitig schürte sie den chinesischen Nationalismus und isolierte Querdenker und Andersdenkenden als schlechte Patrioten.

Der Friedensnobelpreis straft ihre Propaganda Lügen, wonach China eine harmonische Gesellschaft sei, in der die Interessen aller sozialer Gruppen von der Kommunistischen Partei vertreten seien. Die Studentendemonstrationen von 1989 zeigten der Welt die Demokratiewünsche vieler junger Chinesen, der Friedensnobelpreis offenbart, dass Chinas Regierung das Freiheitsbedürfnis ihres Volkes noch immer ignoriert. Warum würde sonst ein Mann zu elf Jahren Gefängnis verurteilt, der nichts anderes getan hat, als aufzuschreiben, wie ein China aussehen könnte, das nicht unter der Diktatur der Kommunistischen Partei steht.

Bernhard Bartsch